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Der Pfunderer Prozess - ein politischer Mord oder ein unglücklicher Zufall?
die Ethnisierung eines Prozesses innerhalb und außerhalb des Gerichtssaals
Lena Huber
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Lehramt Sek (AB) UF Deutsch UF Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung
Betreuer*in
Margareth Lanzinger
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.63431
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-16291.54507.485869-7
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Der Pfunderer Prozess ging als einer der brisantesten Gerichtsfälle in die Geschichte Südtirols ein: Ein Finanzbeamter wurde 1956 tot in Pfunders aufgefunden. Des Mordes verdächtigt wurden daraufhin Pfunderer Dorfburschen, die mit ihm am Abend zuvor gefeiert hatten, später jedoch mit diesem in eine Schlägerei geraten waren. Dieser Fall rief deswegen großes Aufsehen hervor, weil das Opfer ein Italiener und die Tatverdächtigen deutschsprachige Südtiroler waren. Denn insbesondere die ersten Nachkriegsjahrzehnte waren von einem hohen Konfliktpotential zwischen der deutschen und der italienischen Sprachgruppe geprägt. Davon ausgehend richtet sich meine Fragestellung darauf, inwiefern Ethnizität bei der Berichterstattung über den Pfunderer Prozess in der deutschsprachigen Zeitung „Dolomiten“ und im Vergleich dazu in der italienischsprachigen Zeitung „Alto Adige“ eine Rolle gespielt hat. Ziel war zu rekonstruieren, mit welchen Mitteln diese Ethnisierung erfolgt ist. Auf Grundlage einer Qualitativen Inhaltsanalyse konnte gezeigt werden, wie sich der Gerichtsfall zu einem Konflikt zweier Ethnien ausgeweitet hat. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistete die ethnisch zugeschnittene Berichterstattung: Inhaltlich deklarierte der Alto Adige die Pfunderer zu Tätern, die aus antiitalienischem Hass gemordet hätten, während die Dolomiten das Mordurteil als Racheakt der italienischen Justiz empfanden. Somit ließen sich zwei verschiedene Opfer-Täter-Konstruktionen herausarbeiten. Hinsichtlich der Vorgangsweise kamen Stereotype zur Klassifizierung der eigenen und fremden Sprachgruppe sowie Wir-Konstruktionen zum Einsatz. Festzustellen war zudem eine gezielte Auswahl aus den Gutachten sowie den Anklage- und Verteidigungsschriften und vor allem in den Dolomiten das ebenso gezielte Auslagern von kritischen Positionen auf die Stimmen Dritter. Anzunehmen ist, dass Berichterstattungen dieser Art zu einer Verfestigung der ethnischen Grenze beigetragen haben.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Der Pfunderer Prozess Ethnisierung Gerichtsfall
Autor*innen
Lena Huber
Haupttitel (Deutsch)
Der Pfunderer Prozess - ein politischer Mord oder ein unglücklicher Zufall?
Hauptuntertitel (Deutsch)
die Ethnisierung eines Prozesses innerhalb und außerhalb des Gerichtssaals
Publikationsjahr
2020
Umfangsangabe
110
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Margareth Lanzinger
Klassifikation
15 Geschichte > 15.08 Sozialgeschichte
AC Nummer
AC15693969
Utheses ID
56265
Studienkennzahl
UA | 199 | 506 | 511 | 02
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1