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Ursprung, Technokratie, Treue
Wahrheit mit Alain Badiou und Michel de Certeau
Andreas Kirchner
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Philosophie
Betreuer*in
Herbert Hrachovec
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.63519
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-18866.96608.859452-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Welt verändert sich. In diesem Satz stecken mindestens drei philosophische Aufgaben: Welt, Veränderung, und Reflexion. Die Philosophen Alain Badiou und Michel de Certeau haben dazu Theorien ausgearbeitet. Alain Badiou beginnt bei einer Abstraktion mit den Mitteln der mathematischen Mengentheorie. Michel de Certeau startet mit Texten spätmittelalterlicher Mystiker und identifiziert einen Stil, der bis heute aktiv ist. Beide versuchen ihre Gedanken zu ordnen, die durch die Ereignisse des Mai 1968 in Frankreich entstanden sind. Diese Arbeit stellt zunächst Gedanken beider Autoren vor. Dabei zeigt sich, wie die sozio-historischen Überlegungen von de Certeau die systematische und abstrakte Theorie von Badiou bereichern und verdeutlichen. Drei zentrale Erkenntnisse sind: (1) Eine bestehende Weltsicht ist das Resultat aus Überzeugungen und Organisation dieser Überzeugungen. Priorisiert man die Überzeugungen, besteht die Herausforderung in der Entschärfung des Fanatismus (Terror). Priorisiert man die Organisationen, besteht die Herausforderung in der Entfremdung durch Bürokratie (Technokratie). Eine Wahrheit ist das Resultat eines Engagements, das einen etablierten Wissensstand auf Abstand hält, um die Welt mit neuen Augen zu sehen. Das Resultat ist eine Erweiterung des Wissensstandes mit dem, was bisher unmöglich war. (2) Jede Beschreibung der Welt macht auf einen Überschuss aufmerksam, der früher oder später einen Richtungsentscheid einfordert. Es wurden drei Richtungen identifiziert: Ursprung, Technokratie, und Treue. Richtet man sich nach dem Ursprung, wird der Überschuss in die (kreative) Pflege einer Institution und ihrer Auswahlprozesse investiert, mit dem Risiko der Melancholie oder der Irrelevanz. Richtet man sich nach der Technik, wird der Überschuss durch Fachkundigkeit neutralisiert, mit dem Risiko, Soldat einer gnadenlosen Verwaltung des "`status quo"' zu werden. Der Modus der Treue verbindet eine Verbindlichkeit für eine Bewegung mit dem Sprung in ein neues Abenteuer. Das Risiko besteht darin, dass sich das Abenteuer im Sande verläuft oder zu unerwünschten Nebeneffekten führt. (3) Philosophie hält den Zustand an der Weggabelung fest. Die Kunst der Aporie besteht in der Fähigkeit, den Richtungsentscheid zu verzögern, und bestehende Bewegungen zu erkunden.
Abstract
(Englisch)
The world is changing. There are at least three philosophical tasks in this sentence: world, change, and reflection. The philosophers Alain Badiou and Michel de Certeau have developed theories dealing with these tasks. Alain Badiou begins with an abstraction using mathematical set theory. Michel de Certeau starts with texts by late medieval mystics and identifies a style that is still active today. Both try to order their thoughts following the events of May 1968 in France. This thesis first presents thoughts of both authors. It shows how de Certeau's socio-historical considerations enrich and clarify Badiou's systematic and abstract theory. Three central insights are: (1) An existing world view is the result of beliefs and the organization of these beliefs. If we prioritize these beliefs, the challenge is to defuse fanaticism (terror). If one prioritizes organizations, the challenge is the alienation of bureaucracy (technocracy). A truth is the result of a commitment that keeps an established knowledge base at a distance in order to see the world with new eyes. The result is an expansion of the knowledge base with what was previously impossible. (2) Every description of the world draws attention to a surplus that sooner or later demands to decide for a direction. Three directions have been identified: origin, technocracy, and fidelity. If a subject follows the origin, she invests the surplus in the (creative) care of an institution and its selection processes, with the risk of melancholy, i.e. remaining in the past. If the subject follows the technique, the surplus is neutralized by expertise, with the risk of becoming a soldier of a merciless administration of the "`status quo"'. The mode of fidelity combines a commitment to a movement with a leap into a new adventure. The risk is that the adventure will fizzle out or lead to unwanted side effects. (3) Philosophy pauses at the fork of the road. The art of aporia is the ability to delay a decision and explore existing movements.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Truth Fidelity Origin Technocracy Subject Knowledge Politics Set Theory Michel de Certeau Alain Badiou Cantor Mystic
Schlagwörter
(Deutsch)
Wahrheit Treue Ursprung Technokratie Subjekt Wissen Politik Mengentheorie Michel de Certeau Alain Badiou Cantor Mystik
Autor*innen
Andreas Kirchner
Haupttitel (Deutsch)
Ursprung, Technokratie, Treue
Hauptuntertitel (Deutsch)
Wahrheit mit Alain Badiou und Michel de Certeau
Paralleltitel (Englisch)
Origin, technocracy, fidelity
Publikationsjahr
2020
Umfangsangabe
167 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Herbert Hrachovec
Klassifikationen
08 Philosophie > 08.25 Zeitgenössische westliche Philosophie ,
08 Philosophie > 08.30 Systematische Philosophie: Allgemeines ,
08 Philosophie > 08.31 Metaphysik, Ontologie ,
08 Philosophie > 08.37 Religionsphilosophie
AC Nummer
AC16048289
Utheses ID
56346
Studienkennzahl
UA | 066 | 941 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1