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Die eschatologische Dimension der Liturgie bei Alexander Schmemann und Joseph Ratzinger
Ionut-Cristian Catana
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Katholisch-Theologische Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Religionspädagogik
Betreuer*in
Ioan Moga
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.63755
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-26862.43701.982361-2
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Liturgie ist für Schmemann die Begegnung des Menschen mit Gott bzw. die Lobpreisung des himmlischen Vaters. Sie ist zugleich aber die Erinnerung an Christus den Auferstandenen, den Wiederkommenden, hier und jetzt. An dieser Stelle muss gesagt werden, dass die Liturgie am Sonntag durch ihre Kraft die Welt verwandelt und zugleich das Anbrechen des Eschatons ist. Wenn Schmemann von der Liturgie spricht, dann bettet er sie in einen zeitlichen Kontext ein. Die Liturgie wird nicht außerhalb der Zeit, sondern innerhalb der Zeit zelebriert. Sie verbindet Himmel und Erde und die irdische Zeit mit der himmlischen Zeit. Sie ist auf die Zeit, die kommen wird, bzw. auf den neuen Äon ausgerichtet. Das Bindeglied zwischen der irdischen und der himmlischen Welt bzw. zwischen der irdischen und der himmlischen Zeit ist jedoch die Eucharistie. Die Liturgie und die darin gefeierte Eucharistie sind sozusagen die Realität des Gottesreiches in der irdischen Welt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Liturgie aber auch einen Einblick in das zukünftige Reich des Schöpfers gibt. Die Liturgie und die Eucharistie sind die Vorwegnahme des Reiches des Erlösers, das kommen soll. Allerdings sind aus Schmemanns Sicht nicht nur die Liturgie, sondern alle christlichen Feiertage auf das Eschaton bzw. auf die Zeit, die kommen wird, ausgerichtet. Somit hat jeder Feiertag eine eschatologische Ausrichtung und nicht nur der Sonntag mit der Feier der Liturgie. Wichtig zu erwähnen ist, dass für den orthodoxen Theologen die Zeit, die in Verbindung mit der Liturgie erwähnt wird, nicht zum Tod führt, sondern zur Auferstehung. Der Mensch kann das Reich Gottes jedoch nur erlangen, wenn er bereit ist, das Blut und den Leib des Erlösers zu sich zu nehmen. Dies geschieht immer auf einer freiwilligen Basis und der Heilige Geist ist es, der die dargebrachten Gaben, Wein und Brot, in Blut und Leib Christi verwandelt. Allerdings werden während der Liturgie nicht nur die Gaben, sondern auch alle an der Zeremonie Teilnehmenden verwandelt. In einem noch größeren Kontext gesehen, verwandelt die Liturgie die ganze Welt. In diesem Kontext muss erwähnt werden, dass die Gläubigen, indem sie die Eucharistie zu sich nehmen, eins mit Christus werden bzw. ein Leib mit ihm und eine Einheit mit den anderen, die das Blut und den Leib des Sohnes Gottes annehmen, bilden. Diese Einheit erfolgt nicht nur durch die Aufnahme der Eucharistie, sondern auch im Gebet bzw. indem man, im tiefen Glauben und in Demut miteinander verbunden, das Glaubensbekenntnis spricht. Schmemann ist der Ansicht, dass die irdische Liturgie mit der himmlischen konzelebriert wird. Alle bei der irdischen Liturgie Anwesenden werden somit in das Himmelreich Gottes emporgehoben und bekommen mithilfe des Heiligen Geistes einen Vorgeschmack auf das Reich Gottes. Das ist die Aufgabe der Liturgie! Schlussendlich braucht allerdings nicht Gott die Liturgie, sondern der Mensch, damit er sich mithilfe der in ihr gefeierten Eucharistie mit dem Schöpfer verbindet. Das ist die einfachste Art und Weise, mit dem Schöpfer zu kommunizieren. Ohne eine Liturgie, die darin ausgesprochenen Gebete und die vollzogene Eucharistie kann es keine richtige Kommunion mit Gott geben. Das Fehlen dieser Verbindung verhindert eine Erlösung des Menschen. Wenn man von der Liturgie spricht, muss man jedoch auch den Sonntag als Feiertag erwähnen. Dieser Tag ist nicht nur der letzte Tag der Woche, an dem die Liturgie zelebriert wird, sondern er wird von Schmemann auch als der achte Tag angesehen. Dieser Tag ist der Tag der Ewigkeit, der mit der Auferstehung des Herrn begonnen hat. Es ist der Tag im Reich Gottes bzw. jener, der mit der Ankunft des Reiches Gottes beginnt, wo die Zeit nicht mehr aufhören wird zu fließen und die Gläubigen mit der Quelle des ewigen Lebens, Gott, verbunden sind bzw. sein werden. Deswegen sagt man, dass sich am Sonntag das alte und das neue Äon treffen und die Liturgie als eine Brücke zwischen der irdischen und der himmlischen Welt fungiert – gemäß der Aussage Christi „Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das En-de“ (Offb 23, 13) sind allerdings sowohl die vergangene als auch die gegenwärtige und die zukünftige bzw. die irdische und die eschatologische Zeit in Christus präsent. Die Welt, in der wir leben, wird durch die Liturgie am Sonntag ständig neu wiedererschaffen und mit neuer Lebenskraft wiederbelebt. Jesus Christus dient in diesem Sinne als Begleiter des Menschen in das Reich Gottes. Ohne seinen Tod und seine Auferstehung gäbe es für die Geschöpfe Gottes keine Möglichkeit, das Himmelreich zu erlangen. Da die Liturgie und die Eucharistie den Gläubigen den Zugang ins Paradies ermöglichen, sollte man sie als ein Motiv der Freude ansehen. Schlussendlich zieht Schmemann in seinen liturgischen Erklärungen immer wieder Parallelen zwischen dem Judentum, dem dort zelebrierten Gottesdienst und der christlichen Liturgie. Er sieht die zuletzt erwähnte als eine Kontinuität der jüdischen Feier bzw. als Erfüllung der in ihr mehrmals erwähnten Prophezeiung über die Ankunft des Erlösers. Für ihn ist die christliche Liturgie letztendlich die vollkommenste, weil sie Christus bzw. den Sohn Gottes und die Eucharistie als Mittelpunkt hat. Was die eschatologische Dimension der Liturgie bei Joseph Ratzinger anbelangt, ist zu konstatieren, dass der römisch-katholische Theologe ähnliche Ansichten wie Alexander Schmemann vertritt. Der ehemalige Papst setzt den Gottesdienst und die in ihm gefeierte Eucharistie allerdings nicht in Relation mit der Zeit, sondern mit dem Sohn Gottes. Jesus Christus ist der Mittelpunkt der Liturgie und in der Eucharistie wahrhaft präsent. Der Sohn Gottes gilt in diesem Zusammenhang als Bindeglied zwischen der irdischen und der himmlischen Welt bzw. zwischen der irdischen und der himmlischen Zeit. Ratzinger ist der Meinung, dass es ohne die Auferstehung des Herrn keinen Gottesdienst bzw. keine Liturgie am Sonntag gegeben hätte. Durch seine Auferstehung verband Jesus Christus Himmel und Erde miteinander und führte die Menschen in den achten Tag hinein, der in der katholischen Theologie, genauso wie in der orthodoxen, als der Tag des neuen Äons gilt. Die Liturgie ist für Ratzinger ein Gebet, eine Kommunikation mit Gott, bei der Christus die Stelle des Hohepriesters einnimmt, wobei diese Kommunikation mit dem Schöpfer nicht nur durch das Gebet, sondern auch durch die Eucharistie und mithilfe des kirchlichen Gesangs hergestellt wird. In diesem Zusammenhang spricht der ehemalige Papst immer wieder von dem irdischen und dem himmlischen Gottesdienst bzw. von den Menschen, die auf der Erde Gott lobpreisen, und den Engeln im Himmel, die mit den in der Kirche anwesenden Gläubigen konzelebrieren. Ratzinger verweist immer wieder auch auf die Ausrichtung der Kirche in Richtung Osten, die er mit Christus als aufge-hende Sonne vergleicht. Der Mensch wird durch die Liturgie und die Eucharistie mit Kraft versorgt, was ihm hilft, sein tägliches Leben zu meistern. Christus ist in diesem Zusammenhang der Gesandte des himmlischen Vaters, er ist immer in der Kirche durch die heilige Kommunion präsent und er hilft den Menschen dadurch, die Erlösung bzw. das Reich Gottes zu er-langen. Ohne die Kraft des Heiligen Geistes kann nichts in der Liturgie geschehen. Indem die Gläubigen allerdings das Blut und den Leib Christi in Form der Eucharistie zu sich nehmen, können sie nicht nur das Himmelreich erlangen, sondern sie sind ab diesem Moment dazu verpflichtet, das Werk der Nächstenliebe, das Jesus begonnen hat, wei-terzuführen. Der Gottesdienst ist die höchste Verehrung, die die Menschen Gott entgegenbringen können. Er ist aber auch eine Feier, weil der Mensch dadurch einen Grund zur Freude hat: Er bekommt durch die Teilnahme an der Liturgie und durch die Aufnahme der Eucharistie den Zugang zum Paradies bzw. zum ewigen Leben. In diesem Sinne ist die Liturgie auch ein eschatologisches Ereignis: Jeden Sonntag erlebt man die Ankunft des Messias, seinen Tod und seine Auferstehung. Ratzinger vertritt die Ansicht, dass man, indem man die Eucharistie zu sich nimmt, sich mit Jesus Christus bzw. mit Gott vereint. Man wird somit eins mit dem Sohn Gottes und mit dem Schöpfer der Welt. Durch die Liturgie und die in ihr gefeierte Eucharistie zeigt Gott seine Liebe zu den Menschen. Deswegen sieht Ratzinger die Kommunion auch als ein Sakrament der Liebe Gottes gemäß dem biblischen Zitat: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Joh 3, 16) Im Gottesdienst spiegelt sich die Schönheit Gottes bzw. seines himmlischen Reiches wider und der Mensch wird durch die Eucharistie von innen her erneuert. Genauso wie Schmemann versucht Ratzinger in seiner Interpretation der Liturgie, Anknüpfungspunkte beim Judentum zu finden. Er zieht unter anderem Parallelen zu den jüdischen Feiertagen und insbesondere zum Sabbat. Er wertet allerdings den christlichen Sonntag auf und misst dem Tag des Herrn eine noch größere Bedeutung bei als dem erwähnten jüdischen Fest. Der ehemalige Papst vergleicht allerdings auch die Gottesdienste der beiden Religionen, Judentum und Christentum. In diesem Zusammenhang hebt er die Schönheit und die Ganzheit der christlichen Liturgie hervor und lobt ihre vollkommene Verehrung Gottes. Abschließend muss konstatiert werden, dass der ehemalige Papst die Eucharistie als Ursprung der christlichen Verkündigung in der Welt betrachtet und ihre überaus große Wichtigkeit betont, zumal während der Liturgie bei der Epiklese der Heilige Geist nicht nur die Elemente Brot und Wein verwandelt, sondern die ganze Welt. In diesem Sinne versteht Ratzinger das Gebet der in der Kirche am Sonntag Anwesenden als ein eucharistisches Opfer von Seiten der Gläubigen.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Eschatologie Liturgie Schmemann Ratzinger
Autor*innen
Ionut-Cristian Catana
Haupttitel (Deutsch)
Die eschatologische Dimension der Liturgie bei Alexander Schmemann und Joseph Ratzinger
Publikationsjahr
2020
Umfangsangabe
169 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Ioan Moga
Klassifikationen
11 Theologie, Religionswissenschaft > 11.60 Systematische Theologie: Allgemeines ,
11 Theologie, Religionswissenschaft > 11.61 Dogmatik, Konfessionskunde
AC Nummer
AC16114228
Utheses ID
56562
Studienkennzahl
UA | 066 | 796 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1