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Erschöpftes Begehren
Depression als machtstrukturierte Form moderner Subjektivierung
Chiara Dankl
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Philosophie
Betreuer*in
Klaus Puhl
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-17486.73862.482365-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Vorliegender philosophischer Beitrag zur Depression als Sozialpathologie und als moderne Erfahrung untersucht die ihr zugrundeliegende, machtstrukturierte Subjektivierungsweise. Dafür werden aus dem Hauptwerk der gegenwärtigen wissenschaftlich-gesellschaftskritischen Debatte, "Das Erschöpfte Selbst" des Soziologen Alain Ehrenberg, dessen Thesen zur Geschichte der Depression und ihrem Verhältnis zu veränderten Autoritätsstrukturen und Individualitätsnormen des 20. Jahrhunderts abstrahiert, systematisiert und anhand Michel Foucaults Machttypen und Subjektivierungsweisen kritisch untersucht. Dabei wird neben diversen diskurs- und machttheoretischen Schriften und den ersten drei Bänden von "Sexualität und Wahrheit", insbesondere der 2018 erstveröffentlichte vierte Band rezipiert. Folgende Schlüsse lassen sich aus einer solchen Analyse für die moderne Ausprägung von Subjektivität ziehen: Die moderne Depression bildet das Andere der gegenwärtigen Normen erfolgreicher Subjektivierung, in welcher das Subjekt in einer durch die Ideologie der Individualität verdeckten Spannungskonstellation steht, zwischen dem Anspruch individualisierter Verantwortung und maximaler Lebensentfaltung einerseits, und einer existentiell und sozioökonomisch begrenzten Machtposition andererseits. Die Depression erfüllt dabei – eingebettet in spezifischen Formen moderner Subjektivierung und Machtstrukturen, welche eine selbstgeführte Lebensentfaltung fordern – drei Funktionen: (I) Sie liefert eine Erfahrungsweise des Scheiterns an modernen Anforderungen der Individualität, (II) bietet Techniken zur Wiederherstellung jener Fähigkeiten, die für eine erfolgreiche Selbstkonstitution innerhalb gegenwärtiger Machtstrukturen notwendig sind und (III) verschleiert die strukturellen Bedingungen ihrer eigenen Entstehung.
Abstract
(Englisch)
This thesis contributes a philosophical analysis of depression as a power-structured form of modern subjectivization. It systemizes the results of one of the major works of current scientific research on depression, Alain Ehrenberg’s "La fatugie d’etre soi: depression et société", with particular focus on his theories of the history of depression in the 20th century and its relations to changes in authority structures and norms of individuality. These are then discussed critically with Foucault’s types of power and subjectivization, with especial note of his 2018 newly published fourth volume of "History of Sexuality". The results can be summarized as follows: The modern form of depression can be understood as the Other to the present norms of successful subject formation. In these, the subject finds itself in an area of conflict veiled by the ideology of individuality, between demands of individualized liability on the one hand and a power position limited by existential and structural socioeconomic conditions on the other. Depression – embedded in specific types of modern subjectivization and power structures that demand the maximization of life and affectivity – fulfills three functions: (I) providing a discursive experience of failure to meet normative demands of individuality, (II) implementing techniques to restore the capabilities necessary for positive subject formation within the present power structures, and (III) veiling the structural conditions causal for its own generation.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
depression subjectivity individuality power discourse analysis normativity burnout
Schlagwörter
(Deutsch)
Depression Subjekt Subjektivität Macht Machtanalyse Diskursanalyse Moderne Individualität Normativität Burnout
Autor*innen
Chiara Dankl
Haupttitel (Deutsch)
Erschöpftes Begehren
Hauptuntertitel (Deutsch)
Depression als machtstrukturierte Form moderner Subjektivierung
Publikationsjahr
2020
Umfangsangabe
97 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Klaus Puhl
Klassifikationen
08 Philosophie > 08.21 Griechische Philosophie, römische Philosophie ,
08 Philosophie > 08.22 Mittelalterliche Philosophie ,
08 Philosophie > 08.24 Neue westliche Philosophie ,
08 Philosophie > 08.25 Zeitgenössische westliche Philosophie ,
08 Philosophie > 08.42 Kulturphilosophie ,
08 Philosophie > 08.44 Sozialphilosophie ,
08 Philosophie > 08.45 Politische Philosophie ,
44 Medizin > 44.91 Psychiatrie, Psychopathologie ,
71 Soziologie > 71.11 Gesellschaft ,
71 Soziologie > 71.51 Werte, Normen ,
71 Soziologie > 71.64 Abweichendes Verhalten ,
77 Psychologie > 77.60 Sozialpsychologie: Allgemeines ,
77 Psychologie > 77.69 Sozialpsychologie: Sonstiges
AC Nummer
AC16124717
Utheses ID
56787
Studienkennzahl
UA | 066 | 941 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1