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Die Figur des Tiryākī als osmanische Verkörperung soziokultureller Ambiguität
Julia Brigitte Fröhlich
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Turkologie
Betreuer*in
Yavuz Köse
DOI
10.25365/thesis.64552
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29037.83084.610894-4
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Während im Verlauf der letzten Jahre Fragen in Bezug auf durch den Sultan und seine Repräsentanten eingesetzten sozialdisziplinatorischen Maßnahmen eine signifikante Rolle in der Forschungswelt eingenommen haben, zeigt die Auseinandersetzung mit den osmanischen Rechtsystemen doch einen Mangel an relationalen Betrachtungsweisen in Hinblick auf Sozialdisziplinierung und Verhaltensmuster. Dies tritt insbesondere in der Thematisierung von Opium und Cannabis als Teil der osmanischen Konsumkultur zu Tage. Vorliegende Arbeit versucht somit festzustellen, inwiefern sich disziplinare Maßnahmen und normative Texte (v.a. ḳānūn und şarīʿa) mit soziokulturellem Verhalten decken, das auf Basis von rechtlichen und literarischen Primärquellen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert ansatzweise rekonstruiert werden soll. Diese Zielsetzung verfolgend, stützt sich diese Arbeit auf die Konzepte der „Sozialdisziplinierung“ (Gerhard Oestreich 1968) und des „sozialen Habitus“ (Pierre Bourdieu 1967). Im Verlauf dieser Arbeit soll anhand einer Reihe an rechtlichen und literarischen Texten (fetvā-Sammlungen, Dīvān-Literatur, ḳānūnnāme, ḳāżī-Urkunden, Reisebeschreibungen) sowohl juridische Theorie (Sozialdisziplinierung) und etablierte Praxis (sozialer Habitus) rekonstruiert werden. Dieser Rekonstruktionsversuch bezieht sich auf das Verhalten bzw. die Wahrnehmungs-, Denk-und Handlungsdispositionen verschiedener Gruppierungen der osmanischen Gesellschaft, wobei insbesondere die privilegierte Oberschicht des urbanen Raums quellenbedingt im Zentrum der Betrachtung steht. Die sich in Folge von Rekonstruktion und Abgleich mit sozialdisziplinatorischen Maßnahmen ergebende Darstellung osmanischer Konsumkultur zeigt augenscheinliche Disparitäten zwischen top-down etablierten Normen und in literarischen Quellen zu Tage tretenden Wahrnehmungs-, Denk-und Handlungsschemata eines Teils der osmanischen Bevölkerung. Diese Ambivalenz in Hinblick auf die behandelten Rauschmittel, die nicht zu letzt auch in der näher beleuchteten Subkultur der urbanen Oberschicht rekonstruiert werden kann, wird in Hinblick auf Thomas Bauers Amigutitätstheorie als Zeichen für parallel existierende soziale Diskurse gedeutet, die die Heterogenität der osmanischen Gesellschaft und ihrer verschiedenen Subkulturen unterstreicht.
Abstract
(Englisch)
Whereas recent years have shown a decisive increase in interest connected to disciplinary measures taken by the Ottoman sultan and his legal representatives , questions regarding the relationship between top-down- imposed social order and behaviour patterns have tendentially been neglected so far. This is particularly the case with regard to consumption of substances deemed illegal such as opium and cannabis. Present study thus aims to determine in how far disciplinary measures and laws (ḳānūn and şarīʿa) mirror socio-cultural behaviour reconstructed on the basis of legal and literary primary sources from the 16th to 18th century. In order to answer this question, this study draws on the concepts of “Sozialdisziplinierung” (social discipline) coined by Gerhard Oestreich (1968) and of habitus as outlined by Pierre Bourdieu (1967). Referring to a broad range of legal and literary texts (e.g. fatwa collections, ḳānūnnāme, qadi documents, diwans, travel accounts), present study attempts to reconstruct legal theory (social discipline) and practice (an indicator for habitus) followed by certain groups of the Ottoman society, whereby particular focus is given to Istanbul and the socio-politically and socioeconomically privileged elite. The findings, having been interpreted according to the theory of historical hermeneutics, reveal a striking discrepancy between behaviour desired by Ottoman legal authorities and reconstructed socio-cultural behaviour characteristic for members of the privileged classes. Drawing on Thomas Bauer’s theory of cultural ambiguity, this paper reveals a clearly ambivalent attitude that points at a co-existence of conflicting discourses within Ottoman society pertaining to the consumption of opium and cannabis.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
opium Ottoman Empire consumption studies social discipline habitus
Schlagwörter
(Deutsch)
Opium Osmanisches Reich Konsumgeschichte Sozialdisziplinierung sozialer Habits
Autor*innen
Julia Brigitte Fröhlich
Haupttitel (Deutsch)
Die Figur des Tiryākī als osmanische Verkörperung soziokultureller Ambiguität
Paralleltitel (Englisch)
Tiryākī as a metaphor for sociocultural diversity in the Ottoman Empire
Publikationsjahr
2020
Umfangsangabe
105 Seiten : Illustration, Karte
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Yavuz Köse
AC Nummer
AC16143647
Utheses ID
57276
Studienkennzahl
UA | 066 | 675 | |
