Detailansicht
Understanding deep disagreements
a picture-based account
Victoria Lavorerio Senaris
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Dr.-Studium der Philosophie (Dissertationsgebiet: Philosophie)
Betreuer*in
Martin Kusch
DOI
10.25365/thesis.65308
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-12573.53952.260877-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Diese Dissertation ist auf eine besondere Art von Meinungsverschiedenheiten fokussiert. Wir sehen diese in unseren Facebook Feeds, in akademischen Veranstaltungen und sie drängen sich sogar in unsere Familienessen. Wir streiten uns bis zum Gehtnichtmehr, doch scheint es unmöglich die Meinungen der Gesprächspartner zu ändern. Egal wie viele stichhaltige Argumente, klare Beweise und triftige Gründe für eine Seite vorgebracht werden, die Meinungsverschiedenheit bleibt bestehen. Anknüpfend an Robert Fogelins Beiträge zu diesem Thema, nenne ich diese Meinungsverschiedenheiten deep disagreements (tiefe Widersprüche / Meinungsverschiedenheiten).
Der Begriff der deep disagreements war zunächst in der Argumentationstheorie und der informellen Logik verbreitet und hat in letzter Zeit seinen Weg in die analytische Erkenntnistheorie gefunden. Weitgehend werden deep disagreements in der analytischen Erkenntnistheorie als in fundamentalen epistemischen Unterschieden (z.B. Prinzipien, Perspektiven, Quellen, Hinges) zwischen den streitenden Parteien wurzelnd gesehen. Trotz gewisser Unterschiede werden deep disagreements von verschiedenen Erkenntistheorien ähnlich gesehen und daher reihe ich sie in eine einzige, heterogene Gruppe namens Fundamental Model (fundamentales Model). Ich behaupte, dass die Art und Weise in der das Fundamental Model deep disagreements versteht fehlgeleitet ist. Nachdem ich zunächst drei Desiderata vorlege, welche von einer Theorie der deep disagreements erfüllt werden sollten, zeige ich, dass das Fundamental Model in allen dreien zu kurz greift.
Ausgehend von diesem Missstand der Erkenntnistheorie gegenüber dem Phänomen, wird in dieser Dissertation eine neue Interpretation von deep disagreements entwickelt, welche durch den späteren Wittgenstein inspiriert ist. Ich verwende Wittgensteins Begriff des Bildes, um zu erklären, warum die in einem deep disagreement beteiligten Parteien so unterschiedlich über einen Gegenstand denken. Bilder sind eine Form von analogem Denken, das heißt sie stellen einen Gegenstandsbereich in Bezug auf einen anderen dar. Die Bilder, die wir zum Verständnis eines Gegenstandsbereiches heranziehen, bestimmen was darin uns offensichtlich und sinnvoll scheint.
Anhand einer Fallstudie demonstriere ich warum eine auf Bildern aufbauende Theorie das Phänomen von deep disagreements besser erklären kann. Ich analysiere die Debatte über das Alter der Erde zwischen dem kreationistischen Lehrer Ken Ham und dem Populärwissenschaftler Bill Nye. Durch Anwendung des Bildertheorie zeige ich Bilder auf, welche die säkulare Partei hier nicht in Betracht zieht, welche jedoch die Position des Kreationisten formen. Die Bildertheorie von deep disagreements kann auch eine Auflösung von deep disagreements anbieten, welche die Rolle als auch die Grenzen von Argumenten in deep disagreements erklärt und die Nutzbarkeit anderer rationaler jedoch nicht-argumentativer Strategien nahelegt.
Es ist von höchster Wichtigkeit die Beständigkeit gewisser Kontroversen in unseren gespaltenen und polarisierten Gemeinschaften zu verstehen. Diese Dissertation stellt einen entscheidenden Schritt in diesem Unterfangen dar.
Abstract
(Englisch)
This dissertation focuses on a special kind of disagreement. We see them in our Facebook feeds, at academic events and they even invade our family dinners. We get blue in the face arguing, but nevertheless seem to be incapable of changing our interlocutor’s mind and they ours. No matter how many cogent arguments, compelling evidence and persuasive reasons are presented by either party, the disagreement remains. Following Robert Fogelin, I refer to these situations as deep disagreements.
The notion of deep disagreement first became widespread in argumentation theory and informal logic and, more recently, in analytic epistemology. Most mainstream epistemology understands deep disagreements as being rooted in fundamental epistemic differences between the parties (e.g. principles, perspectives, sources, hinges). Despite their differences, epistemological theories of deep disagreements similarly conceive of the phenomenon, hence, I gather them all together into a single heterogeneous group called the Fundamental Model. I argue that the way that the Fundamental Model conceives of deep disagreements is misguided. After laying down three desiderata which should be met by theories of deep disagreements, I show how the fundamental model fails to meet all of them.
Inspired by the failure of mainstream epistemology to understand the phenomenon, this dissertation develops a novel account of deep disagreements as inspired by the later Wittgenstein. I use the Wittgensteinian notion of picture (Bild) to explain why parties to a deep disagreement think so differently about the issue at hand. Pictures are analogical conceptions, that is, they involve thinking of a given domain in terms of another. The pictures that we use to understand a domain determine what is intelligible, what seems obvious and what makes sense in such a domain.
In order to argue that a picture-based view is better suited to explain deep disagreements, I refer to one case study. I analyse the debate over the age of the Earth between Ken Ham, a creationist author, and Bill Nye, a popular scientist. In applying the picture-based model to the case study, I identify some pictures that the secular party does not use, but that nevertheless shape the creationist’s position. The picture-based view of deep disagreements can also offer an account of the resolution of deep disagreements, which explains the roles and limitations of arguments in deep disagreements as well as how other rational non-argumentative strategies can be useful.
In our deeply divided and polarised communities, understanding why some controversies are so persistent is of paramount importance. This dissertation constitutes a crucial step in that endeavour.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
Deep disagreements Social Epistemology Relativism Ludwig Wittgenstein Epistemology of disagreements
Schlagwörter
(Deutsch)
Tiefe Meinungsverschiedenheiten Soziale Erkenntnistheorie Relativismus Ludwig Wittgenstein Erkenntnistheorie der Meinungsverschiedenheiten
Autor*innen
Victoria Lavorerio Senaris
Haupttitel (Englisch)
Understanding deep disagreements
Hauptuntertitel (Englisch)
a picture-based account
Paralleltitel (Deutsch)
Tiefe Meinungsverschiedenheiten verstehen : eine bildbasierte Ansicht
Publikationsjahr
2020
Umfangsangabe
258 Seiten
Sprache
Englisch
Beurteiler*innen
Katherine Hawley ,
Nuno Venturinha
AC Nummer
AC16250630
Utheses ID
57851
Studienkennzahl
UA | 792 | 296 | |
