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"Dahoam ist Dahoam"
autonomes Altern im ländlichen Raum unter Berücksichtigung des sozialen Netzwerks
Ramona Margarete Scherbler
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Elisabeth Seidl
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.6427
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29097.89459.658661-1
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Mit dem kontinuierlichen Anstieg der Anzahl an älteren Menschen in Österreich treten auch verstärkt altersassoziierte Erkrankungen in der Gesellschaft auf. In der Gruppe der Betroffenen rückt parallel dazu der Wunsch nach Erhalt der persönlichen Unabhängigkeit, nach einer autonomen Lebensführung immer mehr in den Vordergrund. Gerade am Land, wo oftmals die Infrastruktur sowie soziale Einrichtungen nicht in der Form ausgebaut sind wie in urbanen Regionen, können sich daher mit fortschreitendem Alter große Herausforderungen in der Lebensbewältigung auftun. Trotzdem steigt nach Angaben der Familien- und Haushaltsstatistik (2009) die Zahl der Einpersonenhaushalte mit dem Alter signifikant an. Das Ziel der empirischen Untersuchung war es, das subjektive Erleben des Alltags im ländlichen Raum von alleinlebenden älteren Menschen über 75 Jahren zu thematisieren. Dazu wurden sechs qualitative Interviews mit Personen dieser Zielgruppe durchgeführt. Diese wurden anschließend in Anlehnung an die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Die drei Hauptkategorien Darstellung der eigenen Selbstständigkeit, Stützen der eigenen Selbstständigkeit und Grenzen der eigenen Selbstständigkeit bilden das Gerüst der Untersuchung. Die Selbstdarstellung der alleinlebenden älteren Personen ist primär von Autonomie geprägt: die Interviewten sind stolz auf jene Fähigkeiten und Fertigkeiten, welche ihnen zu einer autarken Lebensführung verhelfen. Sie nutzen ihre eigenen Ressourcen und versuchen, den Alltag so gut als möglich selbstständig zu bewältigen, auch wenn sie dafür zwischenzeitlich, aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen, über ihre Grenzen treten müssen. Es ist ihnen bewusst, worin der Wert der Selbstständigkeit liegt: sich selbst versorgen zu können, Privatheit zu erleben und unabhängig den Alltag zu organisieren. Sie setzen sich eigene Ziele, wie die Gesundheit und die Mobilität aufrechtzuerhalten und zu fördern. Wenngleich die Eigeninitiative und Motivation von Seiten der älteren Personen in Bezug auf eine autonome Lebensführung in einem hohen Maß gegeben ist, so wäre es in einzelnen Fällen nur schwer möglich, ohne die Unterstützung des sozialen Umfeldes ein selbstständiges Leben im vertrauten Eigenheim zu führen. Die Familie stellt die wichtigste Stütze für die älteren Personen dar. Dabei ist ein differentes Bild hinsichtlich der Hauptpflegepersonen zu erkennen, welches von der Familienkonstellation bzw. vom Familienstand abhängig ist. Nicht nur die eigenen Kinder, sondern auch Nichten und Neffen nehmen eine wesentliche Rolle in der Pflege ihrer älteren Angehörigen ein. Sie tragen Sorge dafür, dass es ihren Angehörigen gut geht, haben zu ihnen in regelmäßigen Abständen Kontakt und kümmern sich um die hauswirtschaftliche, organisatorische und auch pflegerische Versorgung. Des Weiteren wird deutlich, dass auch Freunde und Nachbarn als Unterstützungspersonen auftreten. In einigen Fällen hat sich sogar ein konstantes, Unterstützung bietendes Nachbarschaftsverhältnis entwickelt, das ganz nach den individuellen Bedürfnissen der älteren Menschen agiert. Professionelle Betreuung wird nur dann gewählt, wenn wirklich Hilfe nötig ist, so beispielsweise bei der Wundversorgung. Auch mobile Dienste des Hausarztes werden nur sehr selten in Anspruch genommen. Außerdem zeigt die Untersuchung die Grenzen der eigenen Selbstständigkeit im Alltag auf, wobei sehr oft der Gesundheitszustand das entscheidende Kriterium ist. Weiters lassen sich Sorgen und Ängste erkennen, die mit dem eigenen Gesundheitszustand wie auch mit dem Gesundheitszustand der Kinder zu tun haben. Zudem machen sich die älteren Personen Sorgen darüber, wo ihr Leben in Zukunft stattfinden wird, denn sie möchten ihren Lebensabend in der vertrauten Umgebung genießen können. Auch das Verlangen nach sozialen Kontakten wird deutlich, da sich durch das Ableben von Freunden und Nachbarn das soziale Netzwerk in seiner Struktur immer mehr reduziert. Die älteren Personen sind die meiste Zeit alleine, erhalten selten Besuch und haben wenige Menschen, bei welchen sie sich ihre Sorgen von der Seele reden können. Diese Forschungsarbeit weist darauf hin, dass den älteren alleinlebenden Menschen im ländlichen Raum mehr Beachtung geschenkt werden muss. Es wäre wünschenswert, diese verstärkt in die Gesellschaft zu integrieren, um sie aus ihrem oft einsamen Alltag zu holen. Der Einsatz von ehrenamtlichen Besuchsdiensten wäre hier eine mögliche Maßnahme, die verstärkt umgesetzt werden könnte. Zudem wäre eine multidisziplinäre Zusammenarbeit der mobilen sozialen Dienste erforderlich, um eine kontinuierliche bedürfnisorientierte Unterstützung zu gewährleisten.
Abstract
(Englisch)
The steady increase in the number of elderly people in Austria also leads to an increased appearance of illnesses related to this age group. Parallel to this the desire to preserve personal independence and an autonomous way of life are on the fore in the group affected. Especially in the country, where infrastructure and social institutions often are not as well developed as in urban regions, great challenges concerning lifestyle arise due to the advancing age of people. Nevertheless, family statistics and budgetary statistics (2009) show that there is a significant rise in the number of single-person households. The aim of the empirical investigation was to pick out as a central theme the subjective experiences of everyday life of solitary people over 75 years in rural areas. Therefore, six qualitative interviews with people of this target group were made which afterwards were evaluated in support of the qualitative content analysis according to Mayring. Three main categories form the theoretical framework of the investigation, which are the presentation of the own independence, the props of the own independence and the limits of the own independence. The self-presentation of the older solitary people is marked primarily by autonomy: the interviewed are proud of the abilities and skills which help them to manage a self-sufficient lifestyle. They use their own capabilities and try independently to master their everyday life as well as possible, even if this means to cross their limitations due to health restrictions. They are aware of the value of their independence: to be able to look after themselves, to experience privateness and to organise independently their everyday life. They set their own objectives, such as to maintain and support health and mobility. Concerning an autonomous lifestyle initiative and motivation are given in a high degree on the part of the older people. Nevertheless, for individual cases it would hardly be possible to lead an independent life in their own home without the support of the surroundings. Family presents the mainstay for the elderly. In regard to the main care different perceptions can be made, depending on family constellation or marital status. Not only their own children, but also nieces and nephews take an essential role in the care of their older relatives. They have to make sure that their family members are fine. Furthermore, they have contact to them at regular intervals, they look after housekeeping and organizational and nursing care. Besides it becomes clear that also friends and neighbours support the elderly. In some cases a steady kind of neighbourly help has established which completely operates after the individual needs of the older people. Professional care is only chosen when real help is needed, for example with wound treatment. Mobile services of the family doctor are also very seldom enlisted. Moreover, the investigation demonstrates the limits of independence in everyday life at which the state of health very often is the determining criterion. Furthermore, worries and fears are identified which deal with the own state of health as well as with the children’s. Besides, older people worry about where their life will take place in future because they would like to spend their remaining years in their familiar surroundings. The desire for social contacts also becomes clear, because the social network decreases due to the demise of friends and neighbours. Most of the time older people are alone, they are rarely visited and there are few people to whom they could get their sorrows of their chest. This research project points out the fact that more attention must be given to older solitary people living in the country. It would be preferable to integrate these people more into society in order to get them from their lonesome everyday life. The service of volunteer visitors would be a possible measure which could be realised. Additionally, multi disciplinary cooperation of mobile social services would be necessary to guarantee a continuous support for those in need.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
autonomy
Schlagwörter
(Deutsch)
Autonomie Selbstständigkeit Wohnen im Alter altern im ländlich Raum soziales Netzwerk
Autor*innen
Ramona Margarete Scherbler
Haupttitel (Deutsch)
"Dahoam ist Dahoam"
Hauptuntertitel (Deutsch)
autonomes Altern im ländlichen Raum unter Berücksichtigung des sozialen Netzwerks
Publikationsjahr
2009
Umfangsangabe
163 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Elisabeth Seidl
Klassifikationen
71 Soziologie > 71.00 Soziologie: Allgemeines ,
79 Sozialpädagogik, Sozialarbeit > 79.12 Soziale Dienste ,
79 Sozialpädagogik, Sozialarbeit > 79.13 Altenhilfe
AC Nummer
AC07846254
Utheses ID
5787
Studienkennzahl
UA | 057 | 122 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1