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Mythos Rapid
Fankommunikation und kollektives Gedächtnis im modernen Fußball
Martin Hell
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Peter Vitouch
DOI
10.25365/thesis.6509
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29482.98889.458154-2
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Ziel dieser Arbeit ist es die Kommunikation in Fußballfangruppen zu untersuchen und dem
’Mythos Rapid’ auf die Spur zu kommen. Dabei steht die Fantribüne des SK Rapid im
Mittelpunkt meiner Untersuchung.
Theoretische Grundlage: Individuen sind sozialen Gruppen unterschiedlichster Größe,
Zusammensetzung und Wertekodizes zugehörig; dabei gibt es Faktoren, die den Wunsch nach
einer Zugehörigkeit positiv beeinflussen. Innerhalb der Gruppe gibt es bestimmte Leitlinien,
die das Wahrnehmen, Denken und Handeln beeinflussen; so gleichen sich die einzelnen
Individuen sowohl nach innen, als auch im Image nach außen immer mehr an. Mittels
Stereotypen und Vorurteilen grenzt sich die Eigengruppe von der Fremdgruppe ab; über die
Ausschaltung von Reflektionsprozessen bleiben diese Unterschiede undiskutiert. Die Theorie
des “Kollektiven Gedächtnis“ beschreibt, wie sich Gemeinschaften durch die Konstruktion
einer “kollektiven Geschichte“ eine Identität geben, auf die sich die Gruppe dann berufen
kann. Im Rahmen dieser Arbeit wird diese Theorie um die Bereiche “kollektive Normen“ und
“kollektive Feindbilder“ erweitert. Die Konstruiertheit und Undiskutiertheit dieses
Kollektiven Gedächtnis bedingt ein hohes Maß an Stabilität der Gruppe. Mittels kollektiven
Medien wird das Gruppengedächtnis an die Gruppenmitglieder weitergegeben.
Der methodische Teil basiert auf drei, aufeinander aufbauenden, Untersuchungen:
teilnehmende Beobachtung (Untersuchung der Organisationsstruktur und der eingesetzten
Kommunikationsmittel), Inhaltsanalyse (Welche Inhalte werden kommuniziert),
Gruppeninterview (Reflektion der Inputs und Untersuchung des Selbstkonzepts der
Mitglieder).
Ergebnisse: Die Kommunikation innerhalb der Fangruppe ist organisiert. Die
periodisch begangenen, rituell inszenierten Gruppenfeste verfolgen das Ziel, die Mannschaft
im sportlichen Wettbewerb zu unterstützen. Die Mannschaft ist der Bezugspunkt für die
Fangruppe. Die Fangruppe ist als Gruppenverband “BLOCK WEST“ organisiert, der aus
mehreren Kleingruppen besteht. Unter diesen gibt es eine hierarchische Rollenabgrenzung,
wobei der Fanclub “Ultras Rapid“ die Funktion des Gedächtnisträgers übernimmt. Sie geben
den Ablauf des Gruppenfests vor und haben durch die Produktion des Großteils der
Fanmedien, die Kontrolle über die verbreiteten Inhalte. Die kollektive Partizipation der
Gruppenmitglieder (auch als Wappenträger), durch die Nutzung der kollektiven (verbalen und
nonverbalen) Kommunikationsmittel, garantiert eine möglichst umfassende Verbreitung der
kollektiven Inhalte.
Mittels Fanmedien werden die kollektive Normen (Stärke, Einsatzbereitschaft und
Treue), die kollektive Geschichte (Tradition, Erfolge, Heldenverehrung) und die kollektiven
Feindbilder (sportliche Konkurrenten, Bipolarität, Polizei, schwarze Schafe, Einzelpersonen,
Kommerzialisierung) an die Mitglieder verbreitet. Diese Inhalte werden von den
Gedächtnisträgern der Gruppe so aufbereitet und selektiert, dass die Kluft zwischen Eigenund
Fremdgruppe betont wird, und für die Gruppenmitglieder somit noch plausibler und
richtiger erscheinen. Dass diese Inhalte als wahr angenommen werden, ist die Grundlage
dafür, dass sie von den Gruppenmitgliedern auch geteilt werden.
Das kollektive Gedächtnis ist in allen untersuchten Punkten in den
Gruppenmitgliedern präsent, jedoch kann man eine Differenzierung von Teilen der
kollektiven Normen und Feindbilder erkennen. Durch die Fähigkeit zur kognitiven Dissonanz
kann das Individuum zwischen für sich zentralen und peripheren Bestandteilen des
Gruppengedächtnis’ unterscheiden, um trennende zu Gunsten von verbindenden Aspekten
auszublenden. Dies steigert die Gruppenkohäsion und das positive Selbstkonzept der
Gruppenmitglieder. Der Vergleich zwischen verschieden Gruppen von Fans lässt folgende
Schlüsse zu: Der Grad der Involvierung bewirkt eine stärkere Identifikation mit dem
Bezugsobjekt und eine Radikalisierung der Einstellungen, vor allem in Bezug auf die
Fremdgruppen. Es gibt starke Parallelen im Gruppengedächtnis zwischen den Fangruppen
verschiedener Vereine.
Das kollektive Gedächtnis ist also ein wichtiger Faktor um die Gruppenkohäsion zu
stärken und den ’Mythos Rapid’ zu erschaffen.
Im Anhang befinden sich Abbildungen von untersuchten Fanmedien.
Abstract
(Englisch)
The intention of this survey is to examine the communication inside of football fan-groups
and to get on the trail of the ’Myth Rapid’. The fan-sector of SK Rapid is in the focus of this
research.
Fundamental theoretical principles: Individuals belong to social groups that differ in
number of members, combination and shared values; in this connection there are
circumstances that influence the desire of membership positively. Inside the group there are
guidelines to influence perception, thinking and acting; that brings the group-members into
line in identity and image. By stereotypes and prejudices the Ingroup dissociates itself from
the Outgroup; by stopping reflective processes these differences are unchallenged. The theory
of “Collective Consciousness” describes how groups give itself an identity by the construction
of a “common history”, the group can refer to. In this survey i enlarge this theory by the
elements “common values“ and “common enemies“. The construction and unchallenging of
the “Collective Consciousness” lead to an enormous stability of the group. By collective
media the “Collective Consciousness” gets spread to the group members.
The survey is based on three parts that found on each other: participating observation
(organizational structure and used media), content analysis (which contents are
communicated), group interview (reflective processes and the identity of the group members).
Conclusions: Fan group communication is organised. The periodically, ritually
directed group meetings aims on supporting the football team in competition. The football
team is the point of reference for the fan group. The fan group is organised as a group
association, named “BLOCK WEST“, that consist of several smaller groups. Among that
there exists a hierarchical role allocation, with a leading position of the group “Ultras Rapid“,
which fulfils the function as a “Guard of Consciousness”. They determine the course of events
during the group meetings and by producing the fan media in the main they also determine the
spread contents. The collective participation of the group members by using the collective
(verbal and non-verbal) media guarantees a maximum spread of the collective contents.
By fan media common values (strength, self-sacrifice, loyalty), common history
(tradition, victories, heroes), and common enemies (competitors, bipolarity, police force,
black sheep, personal label, commercialization) are spread to the group members. These
contents are selected by the “Guards of Consciousness“ to enlarge the difference between
Ingroup and Outgroup and make it more credible for the group members. The belief in the
truth of these contents is the basis for their adoption.
The group members have the “Collective Consciousness“ in all parts at hand, but in
the parts “common values“ and “common enemies“ they don’t share all aspects. By the ability
of “cognitive dissonance” the individual can differ between central and peripheral aspects of
the “Collective Consciousness“, to enforce connecting in favour of separating forces. This
increases group cohesion and the positive identity of the group members. The comparison of
the interviewed groups leads to following conclusions: The level of involvement causes the
intensity of identification to its point of reference and a radicalization of attitudes. The
“Collective Consciousness“ of different football clubs is quite similar.
“Collective Consciousness“ is an important condition to enforce group cohesion and
to create the “Myth Rapid“.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Fußball Fans Fankommunikation Kollektives Gedächtnis Gruppenkohäsion Fanmedien Konstruktivismus Selbstkonzept
Autor*innen
Martin Hell
Haupttitel (Deutsch)
Mythos Rapid
Hauptuntertitel (Deutsch)
Fankommunikation und kollektives Gedächtnis im modernen Fußball
Publikationsjahr
2009
Umfangsangabe
118 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Peter Vitouch
AC Nummer
AC07833615
Utheses ID
5864
Studienkennzahl
UA | 301 | 300 | |
