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The role of gender self-stereotyping in adolescents' psychological functioning
Ikanovic Selma Korlat
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Psychologie
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium Sozialwissenschaften (DissG: Psychologie SoWi)
Betreuer*in
Christiane Spiel
DOI
10.25365/thesis.69817
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-11125.86582.112081-2
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
In einer Gesellschaft bestimmen Geschlechterstereotype die Erwartungen darüber, wie Männer und Frauen sein können und sollen, was sie tun können und sollen und wie erfolgreich sie in einer bestimmten Rolle sind. Diese Erwartungen basieren auf einer angenommenen Passung der Expressivität der Frauen in menschenzentrierten Bereichen und unterstützenden Rollen, sowie der Instrumentalität von Männern in unpersönlichen und technikintensiven Bereichen und Machtrollen. In der frühen Adoleszenz, in welcher die Vorbereitung auf die Annäherung an die Erwachsenenrollen beginnt (Hill & Lynch, 1983), übernehmen Individuen stereotype Rollen und Verhaltensweisen in ihr Selbstkonzept. Das Ziel dabei ist, kognitive Konsistenz zu erreichen und der Inkongruenz zwischen sozialen Erwartungen und dem Selbst zu vermeiden (Bem, 1981; Tajfel & Turner, 1986). Das hat weitreichende Konsequenzen für Buben und Mädchen in den verschiedensten Lebensbereichen - von der psychischen Gesundheit bis hin zu Bildungsbeteiligung und Karriereoptionen. Ziel der vorliegenden Dissertation war es daher zu untersuchen, 1) ob sich Jugendliche heutzutage nach wie vor Geschlechterstereotypen zuschreiben und ob sich ihre geschlechtsspezifische Identität während der frühen Adoleszenz verstärkt, wobei die Selbst-Stereotypisierung mit einer valideren Methode gemessen wurde, als in früheren Studien und 2) wie die Selbst-Stereotypisierung sich auf ihre psychische Funktion in Hinblick auf Berufswünsche, schulisches Wohlbefinden und digitales Lernen, welches vor allem während der COVID-19 Pandemie relevant ist, auswirkt. Studie 1 zeigte zwar stereotype, aber nur kleine Geschlechtsunterschiede in Bezug auf Instrumentalität und Expressivität und fand keine Belege für eine geschlechtsspezifische Intensivierung. Darüber hinaus wurden in nur 17% der genannten Attribute signifikante Geschlechtsunterschiede gefunden. Die Ergebnisse weisen somit auf größere Geschlechtergleichheiten als Geschlechtsunterschiede in der Selbstbeschreibung von Jugendlichen hin. In Studie 2 wurden signifikante Geschlechtsunterschiede in der Geschlechtstypizität der Berufswünsche gefunden, wobei Jungen eine klare Präferenz für typisch männliche Berufe und Mädchen für typisch weibliche Berufe äußerten. Jedoch zeigten die Ergebnisse höhere Aspirationen in Bezug auf berufliches Prestige bei Mädchen und keine signifikanten Unterschiede bezüglich des Wunsches auf Führung. Expressivität erwies sich als ein signifikanter Moderator von Geschlecht und dem Streben nach typisch weiblichen Berufen, während Instrumentalität die Beziehung zwischen Geschlecht und dem Prestige des Berufswunsches mediierte. Studie 3 erweiterte den Fokus der Dissertation auf die Rolle von Selbst-Stereotypisierung bezüglich Instrumentalität und Expressivität in Hinblick auf schulisches Wohlbefinden. Die Ergebnisse unterstützen zwar das Androgynitätsmodell des Wohlbefindens, zeigten aber auch die höhere Wichtigkeit von Expressivität im Jugendalter und Schulkontext, als im späteren Leben auf. Studie 4 untersuchte den digital gender gap beim digitalen Lernen während den pandemiebedingten Schulschließungen, wobei sowohl das biologische Geschlecht als auch die geschlechtsspezifische Selbst-Stereotypisierung berücksichtigt wurden, um die Rolle des Geschlechts in verschiedenen Komponenten dieser stereotypisierten Domäne zu untersuchen. Entgegen den Erwartungen widerlegen unsere Ergebnisse die Vorstellung von einer möglichen Benachteiligung von Mädchen im virtuellen Klassenzimmer und zeigen deren verstärkt wahrgenommene soziale Unterstützung durch Lehrer*innen sowie höhere intrinsische Motivation und Engagement beim digitalen Lernen. In Bezug auf Kompetenzüberzeugungen hinsichtlich digitalen Lernens wurden keine signifikanten Geschlechterunterschiede gefunden. Die Ergebnisse zeigten auch klare Vorteile der androgynen Geschlechterrolle bezüglich aller untersuchten Komponenten von digitalem Lernen auf. Der wissenschaftliche Beitrag dieser Dissertation ist vielfältig. Erstens zeigt sie, dass sich Kernmerkmale des Selbstkonzepts von adoleszenten Buben und Mädchen weg von stereotypen, hin zu neutraleren und ausgewogeneren Mustern bewegen. Zweitens betont sie die Wichtigkeit von Expressivität in der Adoleszenz und im schulischen Kontext. Drittens unterstreicht sie die Vorteile eines androgynen Selbstkonzeptes für ein optimales Zurechtkommen in der Schule in Bezug auf die Teilnahme an und der Freude am Lernen – sowohl vor Ort und im digitalen Setting als auch bezüglich sozialer Eingebundenheit und positivem Affekt Viertens bietet sie Richtlinien zur Gestaltung von Lehrplänen und Interventionen, um das Lernen und die psychologische Anpassung von Jungen und Mädchen in der Schule zu verbessern. Schließlich werden Faktoren erörtert, welche die geschlechtsspezifischen Ungleichheiten in Bezug auf Arbeits- und Zukunftschancen von Männern und Frauen fördern oder behindern. Somit tragen die Ergebnisse der vier Studien zur Literatur über geschlechtsspezifische Selbst-Stereotypisierung bezüglich Instrumentalität und Expressivität bei und zeigen Richtungen sowie Möglichkeiten für weitere Forschung auf.
Abstract
(Englisch)
Gender stereotypes set expectations in a society on what men and women could and should be like, what they could and should do and how successful they will be in a given role. These expectations are based on an assumed fit of women's communion in human-centered fields and supportive roles and men's agency in impersonal and tech-intensive fields and roles of power. With the goal of cognitive consistency and avoidance of incongruity between social expectations and self (Bem, 1981; Tajfel & Turner, 1986), individuals adopt stereotypical roles and behavior in their self-concept during early adolescence when preparation for approaching adult roles begins (Hill & Lynch, 1983). This has far-reaching consequences on boys and girls in different aspects of life – from mental health to educational engagement and career options. Therefore, the aim of the present dissertation was to examine 1) whether adolescents still gender self-stereotype themselves nowadays and whether their gendered identity intensifies during early adolescence, assessing their self-stereotyping with a more valid method than previous studies, and 2) how self-stereotyping affects their psychological functioning in terms of occupational aspirations, school-related well-being and digital learning especially relevant during the COVID-19 pandemic. Study 1 showed stereotypical but small gender differences in agency and communion, and no evidence for gender intensification. Moreover, significant gender differences were found in only 17% of the named attributes. The results thus indicate greater gender similarities than gender differences in adolescents’ self-descriptions. Study 2 showed significant gender differences in gender typicality of occupational aspirations, with boys expressing a clear preference for typically masculine occupations and girls for typically feminine occupations. Conversely, the results revealed higher aspirations among girls regarding occupational prestige and insignificant differences in leadership desire. Communion was found to be a significant moderator between gender and aspiration to typically feminine occupations, while agency mediated the relationship between gender and the prestige of occupational aspirations. Study 3 expands the focus of the dissertation and covers the role of self-stereotyping regarding agency and communion in school-related well-being. The results supported the androgyny model of well-being, but indicated the stronger importance of communion in adolescence and the school context than later in life. Study 4 investigates the digital gender gap in digital learning during pandemic-induced school closures, taking both biological sex as well as gender self-stereotyping into account in order to investigate the role of gender in different components of this stereotyped domain. Contrary to expectations, the results challenge the notion of girls’ potential disadvantages in the virtual classroom and reveal their relatively higher levels of perceived social support from teachers, intrinsic value and engagement in digital learning. No significant sex differences were found in competence beliefs regarding digital learning. Furthermore, the results indicated clear benefits of an androgynous gender role self-concept for all studied components of digital learning. The contribution of this dissertation is manifold. First, it shows that core traits in adolescent boys’ and girls’ self-concept are shifting away from stereotypical toward more neutral and balanced patterns. Second, it highlights the importance of communion in adolescence and in school context. Third, it underlines benefits of an androgynous self-concept for optimal school functioning in terms of engagement and enjoyment in learning – in both onsite and digital setting, social relatedness and positive affect. Fourth, it provides guidelines for designing curricula and interventions to improve and maximize boys’ and girls’ learning and psychological adjustment in school. Finally, it discusses factors that foster and impede gender inequalities in work and life opportunities for men and women. Thus, the findings of the four studies contribute to the literature on gender self-stereotyping regarding agency and communion, providing directions and opportunities for further research.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
self-stereotyping gender adolescents
Schlagwörter
(Deutsch)
Selbststereotypisierung Geschlecht Jugendliche
Autor*innen
Ikanovic Selma Korlat
Haupttitel (Englisch)
The role of gender self-stereotyping in adolescents' psychological functioning
Paralleltitel (Deutsch)
Die Rolle der geschlechtsspezifischen Selbststereotypisierung in der psychologischen Funktionsweise von Jugendlichen
Publikationsjahr
2021
Umfangsangabe
173 Seiten
Sprache
Englisch
Beurteiler*innen
Katariina Salmela-Aro ,
Tuulia Ortner
Klassifikation
77 Psychologie > 77.69 Sozialpsychologie: Sonstiges
AC Nummer
AC16328954
Utheses ID
59436
Studienkennzahl
UA | 796 | 310 | 298 |
