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Bewässerung und Wasserwirtschaft im Jemen
Felicitas Polsterer
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Stephan Procházka
DOI
10.25365/thesis.6650
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30173.09353.274863-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Wasser ist von alters her der entscheidende Minimumfaktor für das Leben im Jemen. In der Bewässerung und Wasserwirtschaft des Landes geht es darum, die für die Randtropen typische Niederschlagscharakteristik mit vorherrschenden Starkregen sowie extremer regionaler und interannueller Variabilität optimal zu nutzen. Nur wenige Gebiete im westlichen Bergland des Jemen erhalten ausreichend Niederschlag für Regenfeldbau. In den niederschlagsärmeren Gebirgsregionen, den ariden Küsten- und Binnenebenen und im trockenen Tafelland ist der Anbau von Kulturpflanzen nur mit gezielter Wasserzufuhr möglich. Deshalb sind die Bewässerungssysteme des Jemen sehr ausgereift.
Die nach wie vor verbreiteten Techniken der Terrassierung und Flutbewässerung wurden bereits vor 5000 Jahren angewandt und von den altsüdarabischen Hochkulturen zu höchster Perfektion gebracht. Reste historischer Bewässerungsanlagen wie der legendäre Damm von Maʾrib zeugen heute noch davon. Neben Terrassen und Ablenkdämmen dienen Staudämme, Zisternen und Brunnen der Fassung des Wassers, das über Kanäle, Furchen und durch Überstauung den Pflanzen zugeführt wird. Seit dem Aufkommen von dieselbetriebenen Motorpumpen zur Grundwasserförderung wird die knappe Ressource in Besorgnis erregenden Ausmaßen übernutzt.
Begünstigt wird die Wasserübernutzung durch die Unangepasstheit der Wasserrechte und Institutionen an die technologischen und wirtschaftlichen Veränderungen der Moderne. Die auf islamischem Recht und Gewohnheitsrechten basierenden traditionellen Wasserrechte sehen keine Beschränkungen für die Grundwasserförderung vor. Das neue Wassergesetz versucht dem durch ein Registrierungs- und Lizensierungssystem Einhalt zu gebieten, muss aber erst durchgesetzt werden. Nicht gerade hilfreich dabei ist die unklare Kompetenz- und Aufgabenverteilung zwischen den zahlreichen Institutionen im Wassersektor des Jemen.
Ein anderer Faktor der aktuellen Wasserkrise ist der steigende Bedarf der stark wachsenden und zunehmend urbanen Bevölkerung, die unzureichend mit Wasser und sanitären Einrichtungen versorgt ist. In der Folge hat sich ein privater Wassermarkt etabliert: Tankwägen verkaufen Wasser an Haushalte aber auch an Qat-Produzenten, die sich dank der hohen Einkünfte aus dem Verkauf dieser intensiv bewässerten Alltagsdroge die hohen Wasserpreise leisten können.
Verteilungskonflikte zwischen der Bewässerungslandwirtschaft, auf deren Kosten der Großteil des Wasserverbrauchs geht, und den wachsenden Städten sind vorprogrammiert.
Um der Gefahr der weiteren Übernutzung und Konflikteskalation zu begegnen, sind aufeinander abgestimmte technologische, wirtschaftliche und politische Maßnahmen gefragt. Wassereffiziente und wassergewinnende Technologien müssen mit wirtschaftlichen Anreizen zum Wassersparen gekoppelt sein und dementsprechende politische Rahmenbedingungen vorfinden. Dabei ist die Partizipation aller Nutzergruppen entscheidend, ohne deren Mitarbeit ein nachhaltiges Wasserressourcenmanagement nicht denkbar ist.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Hydrogeographie des Jemen Historische Bewässerungskulturen Gegenwärtige Bewässerungssysteme Wasserrechte Akteure im Wassersektor Wasserkrise Maßnahmen zur Veränderung der Situation
Autor*innen
Felicitas Polsterer
Haupttitel (Deutsch)
Bewässerung und Wasserwirtschaft im Jemen
Publikationsjahr
2009
Umfangsangabe
107 S. : zahlr. Ill., graph. Darst., Kt
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Stephan Procházka
Klassifikationen
18 Einzelne Sprachen und Literaturen > 18.74 Arabische Sprache und Literatur ,
38 Geowissenschaften > 38.88 Regionale Hydrologie ,
43 Umweltforschung > 43.33 Umweltfreundliche Nutzung natürlicher Ressourcen ,
43 Umweltforschung > 43.70 Entwicklungsländer und Umwelt ,
48 Land- und Forstwirtschaft > 48.34 Bewässerung, Entwässerung ,
86 Recht > 86.99 Recht: Sonstiges
AC Nummer
AC07830529
Utheses ID
5994
Studienkennzahl
UA | 385 | | |
