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Value formation
perceptions, outcomes, and their social structure
Lena Seewann
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium Sozialwissenschaften (Dissertationsgebiet: Soziologie)
Betreuer*in
Roland Verwiebe
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.70276
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-11191.58548.111727-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Erfahrungen, die Menschen machen, bestimmen, was für Sie im Leben wichtig und erstrebenswert ist, in anderen Worten ihre Werte. Die klassische Werteforschung nimmt an, dass ähnliche religiöse, ökonomische und politische Erfahrungen und die intergenerationale Weitergabe von Werten zu gemeinsamen Werthaltungen in Gesellschaften führen. Diese Werte fungieren als Richtlinien dafür, was erwartbar und akzeptabel ist. In pluralisierten Gesellschaften stellt sich die Frage, ob Werte diese Funktion weiterhin erfüllen oder ob sie sich soweit ausdifferenzieren, dass sie ihre Relevanz als Richtlinien verlieren. Zuletzt hat sich die Forschung vorwiegend Erfahrungen der familiären und pädagogischen Wertevermittlung gewidmet, und damit der primären Sozialisation in der Kindheit besondere Aufmerksamkeit gegeben. Diese Dissertation untersucht hingegen die retrospektive Wahrnehmung von Wertebildung im gesamten Lebensverlauf. Sie setzt den Fokus auf sekundäre Sozialisation, etwa Arbeit und Freizeit, die zur Diversifikation von Werten innerhalb von Gesellschaften beitragen. Methodisch werden explorative Fokusgruppen-gespräche zur Identifikation von wertebildenden Erfahrungen mit einem Survey (Österreichischer Wertebildungssurvey) kombiniert, der die quantitative Verbreitung dieser Erfahrungen untersucht. Die Daten wurden in Österreich zwischen 2015 und 2018 erhoben und werden durch bestehende Bevölkerungsumfragen (Sozialer Survey Österreich, Europäischer Sozialer Survey, Mikrozensus) ergänzt. Die Ergebnisse identifizieren elf Lebensbereiche, die zur Wertebildung beitragen. Neben Familien und Bildungseinrichtungen stechen Arbeit, Migration und biographische Brüche besonders hervor. Innerhalb dieser Bereiche machen soziale Gruppen unterschiedliche Erfahrungen. Beispielsweise werden geschlechterspezifische Erfahrungen in familiärer Wertebildung, Generationenunterschiede bei der Wahrnehmung von Arbeitswerten sowie die Wertebildung durch Migrationserfahrungen aufgezeigt. Die Ergebnisse meiner Forschung zeigen, dass diese Erfahrungen als positiv wahrgenommen werden, solange die Wertebildung freiwillig und schrittweise geschieht, während unfreiwillige und plötzliche Umbrüche negativ erlebt werden. Sowohl positive als auch negative Erfahrungen können zur Verfestigung alter Werte oder zur Übernahme neuer Werte führen, und tragen zur Bildung von Wertepräferenzen des Individuums bei. Die Dissertation diskutiert zudem eine weitere unerwartete Erkenntnis: Erfahrungen der Wertebildung prägen nicht nur unterschiedliche Wertepräferenzen, sondern auch verschiedene Konzeptionalisierungen von Werten. Diese Konzeptionalisierungen markieren Variationen im Verständnis der Merkmale und Funktionen von Werten. Für einige Menschen sind Werte hoch bedeutsame universelle Richtlinien, die über gesellschaftliche Grenzen hinweg gelten. Für andere sind Werte widersprüchliche und instabile Konzepte, die nur für das jeweilige Individuum relevant sind. Die Konzeptionalisierungen von Werten unterscheiden sich entlang von sechs Dimensionen: der Relevanz, dem Bewusstsein, der Stabilität, der Konsistenz, der Normativität und der Gültigkeit von Werten. Zudem weist die Dissertation auf Basis neu entwickelter und evaluierter Messinstrumente einen Zusammenhang zwischen Konzeptualisierungen von Werten und Einstellungen zu sozialen Fragen nach. Migration wurde als beispielhaftes Thema solcher Einstellungen gewählt, da zum Zeitpunkt der Erhebung hitzige politische Diskussionen zu den Werten von Zuwanderern geführt wurden. Zusammenfassend zeigt diese Dissertation, dass wertebildende Erfahrungen, sowie daraus entstehende Wertepräferenzen und Konzeptualisierungen in der österreichischen Gegenwartsgesellschaft stark ausdifferenziert sind. Zusammen können diese drei Aspekte verständlich machen, wie vergangene Erfahrungen die Vorstellungen über eine wünschenswerte Zukunft prägen, die unser Zusammenleben bestimmen werden.
Abstract
(Englisch)
The experiences people make shape what they deem important and desirable in life, or in other words, their values. Classical value research assumes that similar religious, economic and political experiences, and the intergenerational transmission of values, lead to shared values within societies. These values serve as guidelines for what is expected and acceptable. In pluralized societies, the question arises if values still fulfill this function, or if the diversification of values leads to a loss of relevance of values as shared guidelines. To date, research has studied the experiences of familial and educational value transmission, and focuses on experiences of socialization during childhood. This dissertation studies retrospective perceptions of value formation throughout the whole life course. It shifts a light on secondary socialization, such as work or leisure activities, which contribute to the diversification of values within societies. Methodically, it combines explorative focus group discussions to identify experiences that shape values, with a quantitative survey (Austrian Value Formation Survey) to assess the societal distribution of these experiences. This data was collected in Austria between 2015 and 2018, and is complemented by existing population surveys (Social Survey Austria, European Social Survey, Mikrozensus). The results identify eleven life domains that contribute to value formation. Aside from family and education, work, migration and biographical disruptions shape values most notably. Within some domains the experiences vary significantly between social groups. For example, gendered perceptions of familial value formation, varying generational perceptions of work values, or the formation of value through experiences of migration are identified. These value formation experiences are conceived as positive, when individuals experience voluntary and successive value formation, as opposed to negative experiences, which involve sudden and involuntary changes. Both positive and negative formation experiences can result in affirmations of old values, or the adoption of new values, and contribute to the individuals value preferences. The thesis also discusses one unexpected finding: value formation experiences do not only bring forwards different value priorities, but different conceptualizations of values. These conceptualizations mark different understanding of the characteristics and roles of values. For some people, values still hold large importance as universal moral guidelines that are valid across societies. For others, values are contradictory and unstable concepts, that are only relevant to individuals. Value conceptualizations vary across six dimensions: the relevance, awareness, stability, consistency, normativity, and validity of values. Furthermore, on the basis of newly developed and evaluated survey items, the thesis finds that value conceptualizations impact attitudes toward social issues. Immigration was used as an example for such attitudes, due to heated political discussions on the values of immigrants. In summary, the thesis illustrates that value forming experiences, as well as the resulting value priorities and value conceptualizations are highly differentiated in contemporary Austria. Together, these three aspects can help us to understand how past experiences influence imagined ideal futures that will shape the ways we live together.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Values Socialization Multi-Method Value Formation Migration Work Focus Groups Survey
Schlagwörter
(Deutsch)
Werte Sozialisation Multi-Method Wertebildung Migration Arbeit Fokusgruppen Survey
Autor*innen
Lena Seewann
Haupttitel (Englisch)
Value formation
Hauptuntertitel (Englisch)
perceptions, outcomes, and their social structure
Paralleltitel (Deutsch)
Wertebildung
Paralleluntertitel (Deutsch)
Wahrnehmungen, Resultate und ihre soziale Struktur
Publikationsjahr
2021
Umfangsangabe
iv, 176 Seiten : Illustrationen
Sprache
Englisch
Beurteiler*in
Roland Verwiebe
Klassifikationen
70 Sozialwissenschaften allgemein > 70.03 Methoden, Techniken und Organisation der sozialwissenschaftlichen Forschung ,
71 Soziologie > 71.04 Ausbildung, Beruf, Organisationen ,
71 Soziologie > 71.10 Sozialstruktur: Allgemeines ,
71 Soziologie > 71.51 Werte, Normen ,
71 Soziologie > 71.60 Soziale Fragen, soziale Konflikte: Allgemeines ,
71 Soziologie > 71.62 Ethnische Beziehungen
AC Nummer
AC16468314
Utheses ID
60281
Studienkennzahl
UA | 796 | 310 | 122 |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1