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Processing the news in times of identity politics
group identities in motivated reasoning and opinion formation
Ming Manuel Boyer
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium Sozialwissenschaften (Dissertationsgebiet: Publizistik- und Kommunikationswissenschaft)
Betreuer*in
Sophie Lecheler
Mitbetreuer*in
Loes Aaldering
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.81809
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30140.80106.212754-7
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
In zeitgenössischen Demokratien befassen sich die Nachrichten zunehmend mit identitätspolitischen Themen. Die vorliegende Dissertation untersucht systematisch, wie BürgerInnen solche Nachrichten verarbeiten. Bisherige Modelle der Nachrichtenverarbeitung haben sich stark auf die Parteilichkeit konzentriert: BürgerInnen sind motiviert, Nachrichten, die ihren politische Identität bedrohen, stärker zu hinterfragen als Nachrichten, die diese bestärken, was zu politischer Polarisierung führt. Darüber hinaus hat die Forschung zu diesem partisan-motivated reasoning („politisch-motiviertes Denken“) die Nachrichten meist als passiven Übermittler von politischen Botschaften betrachtet. Im Gegensatz dazu berücksichtigt diese Dissertation auch alternative Gruppenidentitäten in der Nachrichtenverarbeitung – Gruppen, die von der Identitätspolitik explizit angesprochen werden, wie Geschlecht oder Nationalität. In diesem Sinne untersucht sie identity-motivated reasoning (“identitätsmotiviertes Denken“): Denken, das durch alle Gruppenidentitäten (nicht nur politische) motiviert werden kann. Darüber hinaus wird die Rolle von zunehmend populären Nachrichtenarten in identity-motivated reasoning erforscht, wodurch die Nachrichten zurück in den Fokus der Nachrichtenverarbeitungs-Forschung gebracht werden. Vier empirische Forschungsartikel führen zu den folgenden zentralen Erkenntnissen. Nicht-politische Gruppenidentitäten sind bei der Nachrichtenverarbeitung am wichtigsten, wenn sie einen relativ niedrigen Status haben und schwer zu verlassen sind – wie Frauen oder rassische Minderheiten. Im Gegensatz dazu motivieren politische Identitäten eher die Denkweise von Gruppenmitgliedern mit hohem Status – wie Männer oder Einheimische. Solches identitätsmotiviertes Denken wird durch nachrichteninduzierte Erregung angetrieben, so dass negative und sensationslüsterne Nachrichten es wahrscheinlich noch verstärken. Andererseits kann episodic news framing („episodisches Nachrichtenframing“) – das einen Einzelfall isoliert, anstatt gesellschaftliche Trends abzudecken – das identity-motivated reasoning für bestimmte BürgerInnen hemmen. Somit könnten unterschiedliche Trends in der Nachrichtenproduktion die Polarisierung zwischen den Gruppen verstärken oder verringern. Diese Ergebnisse liefern drei wichtige Erkenntnisse für die wissenschaftliche Fachliteratur. Erstens schlagen sie ein Modell des identity-based cross pressures in motivated reasoning (identitätsbasierten Konflikt im motivierten Denken) vor, in dem der Gruppenstatus und die Flexibilität der Gruppengrenzen bestimmen, welche Identität die Motivationen der Bürger dominiert. Daher müssen WissenschaftlerInnen über die Parteizugehörigkeit hinausblicken, um die zeitgenössische Nachrichtenverarbeitung zu erfassen. Zweitens deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Art und Weise, wie die Nachrichten präsentiert werden, einen starken Einfluss darauf haben kann, inwieweit BürgerInnen sich auf identitätsdefensive Argumentation einlassen. Es ist daher wichtig, die Nachrichten und die JournalistInnen, die sie produzieren, als aktive AkteurInnen bei der Erzeugung oder Auflösung sozialer Spaltungen zu betrachten. Und drittens können politische Nachrichten zu einer Polarisierung jenseits von Parteigrenzen führen – zwischen politisierten Gruppen, die z.B. auf Geschlecht oder ethnischer Zugehörigkeit basieren. In Zeiten der Identitätspolitik kann identity-motivated reasoning den sozialen Zusammenhalt schaden. Da Gesellschaften immer vielfältiger werden, kann es von entscheidender Bedeutung sein, dies zu verhindern, um Konflikte zu vermeiden und das Wohlergehen von Demokratien zu fördern.
Abstract
(Englisch)
In contemporary democracies, the news has gotten increasingly occupied with identity politics. This dissertation systematically explores how citizens process such news. Previous models of news processing have strongly focused on partisanship: Citizens are motivated to scrutinize news that threatens their political ‘tribe’ more than news that bolsters it, leading to political polarization. Furthermore, research into such partisan-motivated reasoning has mostly treated the news as a passive transmitter of political messages. In contrast, this dissertation considers alternative group identities in news processing too – groups that identity politics explicitly engages, like gender or nationality. As such, it studies identity-motivated reasoning: reasoning motivated by any group identity. Moreover, this dissertation studies the role of increasingly popular news types in identity-motivated reasoning, putting the news back into news processing. Four empirical research articles lead to the following key findings. Non-political group identities are most important in news processing if they have relatively low status and are difficult to leave from – like women or racial minorities. In contrast, political identities are more likely to motivate high-status group members’ reasoning – like men or natives. Such identity-motivated reasoning is driven by news-induced arousal, making negative and sensationalist news likely to exacerbate it. On the other hand, episodic news framing – isolating a single case, rather than covering societal trends – might inhibit identity-motivated reasoning for certain citizens. Thus, different trends in news production might increase or decrease intergroup polarization. These findings make three important contributions to the academic literature. Firstly, they suggest a model of identity-based cross-pressures in motivated reasoning, in which group status and the flexibility of group boundaries determine which identity dominates citizens’ motivations. Therefore, scholars must look beyond partisanship to grasp contemporary news processing. Secondly, the findings indicate that the way in which the news is presented can strongly affect to what extent citizens engage in identity-defensive reasoning. It is thus important to regard the news, and the journalists that produce it, as active agents in creating or closing social divides. And thirdly, political news can lead to polarization beyond partisan divides – between politicized groups based on, for instance, gender or ethnicity. As such, in times of identity politics, identity-motivated reasoning may be detrimental to social cohesion. As societies become increasingly diverse, preventing this may be vital to avoid conflict and help democracies flourish.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Motivated reasoning Social Identity Theory Identity politics
Schlagwörter
(Deutsch)
Motivated reasoning Social Identity Theory Identitätspolitik
Autor*innen
Ming Manuel Boyer
Haupttitel (Englisch)
Processing the news in times of identity politics
Hauptuntertitel (Englisch)
group identities in motivated reasoning and opinion formation
Publikationsjahr
2021
Umfangsangabe
269
Sprache
Englisch
Beurteiler*innen
Jörg Matthes ,
Lilach Nir
Klassifikation
05 Kommunikationswissenschaft > 05.20 Kommunikation und Gesellschaft
AC Nummer
AC16316634
Utheses ID
60439
Studienkennzahl
UA | 796 | 310 | 301 |
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