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Die Antoninische Pest aus paläopathologischer Sicht
Thomas Bartl
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Geschichte
Betreuer*in
Fritz Mitthof
DOI
10.25365/thesis.70334
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-11203.34863.262223-5
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die „Antoninische Pest“, ein epidemisches Krankheitsereignis signifikanter Morbidität und Mortalität, erfasste zwischen 165n. und 180n., lokal wohl bis zumindest 190n., große Teile des Imperium Romanum. Während mögliche gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Folgen des Krankheitsgeschehens in der althistorischen Forschung reiche Deutung erfahren haben, ist der Erreger der Epidemie bislang nicht zweifelsfrei identifiziert. Im Spiegel der rasanten Entwicklung paläopathologischer Methoden in den letzten Jahren sucht die vorliegende Arbeit daher eine Neubewertung der althistorischen Quellenlage unter Einbeziehung rezenter paläopathologischer Daten.
Ausgehend von einer textkritischen Analyse literarischer Quellen erscheinen hinsichtlich der exakt-deskriptiven Charakterisierung eines pathognomonischen Exanthems durch Galenos von Pergamon Orthopoxviren oder Rickettsien - Erreger der Menschenpocken beziehungsweise des epidemischen Fleckfiebers - in Einklang mit bestehender Sekundärliteratur als die differentialdiagnostisch wahrscheinlichsten zugrundeliegenden Erregerfamilien. Ein abschließender Erregernachweis aus archäologischem Kontext steht jedoch aus und muss in absehbarer Zeit aufgrund der spezifischen Instabilität der suszipierten Erreger auch als unwahrscheinlich gelten.
Rezente phylogenetische Analysen weisen hingegen auf markante genetische Veränderungen der Orthopoxviren im Verlauf der europäischen Neuzeit, die im Fall einer potentiellen Erstmanifestation im Mittelmeerraum des 2. Jh. n. eine deutlich attenuierte Virulenz vermuten ließen. Eine solche evolutionär ältere Variante eines Orthopoxvirus, die gegenüber modern dokumentierten Pockenausbrüchen mit Mortalitätsraten bis zu 50% wohl abgeschwächte Verläufe verursacht hätte, darf angesichts der rekonstruierten Epidemiologie der Antoninischen Pest als wahrscheinlichste Hypothese gelten. Die Möglichkeit eines ausgestorbenen, gegenwärtig unbekannten humanpathogenen Erregers ist ebenso denkbar und derzeit nicht auszuschließen.
Die vorliegende Synthese althistorischer und paläopathologischer Erkenntnisse stützt somit die Annahme einer Pockenepidemie als Auslöser der „Antoninischen Pest“ – wenngleich wahrscheinlich in einer Form, die sich hinsichtlich der Morbidität und Mortalität von dokumentierten Ausbrüchen des 19. und 20. Jh. erheblich unterschieden haben dürfte.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Antoninische Pest Epidemie Paläopathologie Pocken
Autor*innen
Thomas Bartl
Haupttitel (Deutsch)
Die Antoninische Pest aus paläopathologischer Sicht
Publikationsjahr
2021
Umfangsangabe
95 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Fritz Mitthof
Klassifikation
10 Geisteswissenschaften allgemein > 10.01 Geschichte der Geisteswissenschaften
AC Nummer
AC16471025
Utheses ID
60445
Studienkennzahl
UA | 066 | 803 | |
