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L’Afrique ma nation
Afrikabewusstsein im Hip-Hop in Dakar und Paris
Nora Wittmann
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Werner Zips
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.6756
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29352.02022.408163-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
In der Arbeit wird anhand von etwa 90 Tonträgern, 29 Interviews und anderen Quellen untersucht, wie sich das im Hip-Hop von Dakar und Paris oft bemerkbare Afrikabewusstsein ausdrückt, woher es kommt und welche Perspektiven es in Hinblick auf eine befreiende Praxis afrikanischer Menschen auf globaler Ebene bieten kann. Die Auseinandersetzung trägt dem Hintergrund Rechnung, dass vor etwa 500 Jahren der afrikanische Holocaust mit Sklaverei und Kolonialismus begonnen wurde und bis heute im Neokolonialismus fortgesetzt wird, und dass aktuell afrikanische Menschen weltweit als Folge dieser Verbrechen zu den ökonomisch ärmsten und politisch machtlosesten Gemeinschaften zählen. Die Arbeit versteht sich also als ethnohistorisch in dem Sinn, als es nicht nur darum geht, am Gegebenen anzusetzen, sondern auch den Prozessen auf den Grund zu gehen, die das Gegebene konstituiert haben. Analytisch wird deshalb vor allem mit dem praxeologischen Zugang nach Pierre Bourdieu gearbeitet, der sich auf die Arbeitskategorien von Feld(ern), Strukturen, Habitus, Praxis und Kapital stützt. Menschen sind wohl von Strukturen geprägt, allerdings nicht deren Eigentum, was immer auch Handlungsspielräume und Möglichkeiten für emanzipatorisches Handeln ermöglicht. Praxis führt also zu einer Veränderung oder Perpetuierung von Strukturen. Rapper als soziale Akteure sind Träger der akkumulierten Geschichte. Der Großteil der Äußerungen von Afrikabewusstsein in der Hip-Hop-Bewegung nimmt in der einen oder anderen Form auch Bezug auf Geschichte, (neo-)koloniale Strukturen, Gerechtigkeit für Menschen afrikanischer Herkunft und Selbstermächtigung. So wird oft „Wissen als Waffe“ thematisiert und propagiert. Der untrennbare Zusammenhang von Geschichte, Strukturen, Habitus und Aktion kommt in zahlreichen Rapversen von Dakar bis Paris zum Ausdruck. In solchen Texten analysieren die Artists klar die Funktion von Geschichte bzw. Geschichtsschreibung als Werkzeug zu Unterdrückung oder Selbstbefreiung, im Wechselspiel mit den habitualisierten Strukturen. Neben der Genese und den Perspektiven afrikabewussten Hip-Hops wird auch auf im strukturell ausgebildeten Habitus anzusiedelnde Widersprüche eingegangen, die sich konkret etwa in selbstdestruktiven Praktiken wie der Bling-Bling- und Gewaltverherrlichung im Hip- Hop widerspiegeln. Dieser praxeologische Ansatz wird verbunden mit der Theorie der kommunikativen Rationalität nach Habermas, um die afrikabewussten und oftmals militanten Texte der Künstler in Relation zum europäischen Mainstreamdiskurs über Afrika und afrikanische Menschen zu setzen. Kommunikative Gerechtigkeit wird auch von Hip-Hop-Artists in Liedern selbst thematisiert und eingefordert. Die Ansprüche beider Seiten auf Legitimität werden geprüft, was es erlaubt zu einer tatsächlich nachvollziehbaren, wissenschaftlichen Kritik und nicht bloß einem Kommentar zu gelangen. Dieses Arbeitskonzept der kommunikativen Rationalität ermöglicht eine Gesellschaftskritik, die auf einer neutralen, verfahrensethischen Konzeption des herrschaftsfreien Diskurses beruht. Zu diesem Zweck wird auch auf aktuelle rechtliche und institutionelle Versuche, Hip-Hop zu kontrollieren bzw. zu delegitimieren, eingegangen, die als strukturelles Vermächtnis von Sklaverei und Kolonialismus enttarnt werden. Besonderes Augenmerk liegt während der gesamten Arbeit auf dem Zusammentreffen und auf den Vernetzungen von Perspektiven aus dem afrikanischen Kontinent und der Diaspora. Häufig kommt es zu Kollaborationen und gegenseitigen Beeinflussungen in beide Richtungen. Die Unterdrückung afrikanischer Menschen wird von vielen Artists als global zusammenhängend verstanden, und ihre kulturellen Aktivitäten dagegen, sei es in Dakar, Paris oder New York, als „verschiedene Schlachten im gleichen Kampf“ verstanden. Weiters wird untersucht, inwieweit dieses Bewusstsein und das Bestreben nach Einheit sich auch in konkreten Projekten pan-afrikanischer Zusammenarbeit, auch über den kulturellen Bereich hinausgehend, ausdrückt. Es zeigt sich, dass Globalisierung nicht nur zu kultureller Angleichung führen kann, sondern auch Potential für vereinten Widerstand global marginalisierter Gemeinschaften freisetzt. Aus den empirischen Beobachtungen und deren Analyse wird der Schluss gezogen, dass der Zugang zu Information für eine breite Bewusstseinsbildung notwendig ist, was wiederum Grundvoraussetzung für eine Massenmobilisierung afrikanischer Menschen gegen Ungerechtigkeit ist. Der globale Massenappeal von Hip-Hop, besonders für Jugendliche mit afrikanischem Hintergrund, und die Tatsache, dass es sich um eine dezentralisierte Bewegung handelt, in der jeder aktiv werden kann, lassen die Bewegung als Informationsmedium zur Promotion von Afrikabewusstsein und in der Folge panafrikanischer Einheit besonders geeignet erscheinen, trotz der inhärenten strukturell angelegten Widersprüchlichkeiten, mit denen sich aber in Hinblick auf ihre Überwindung weiter auseinandergesetzt werden muss. (Die Arbeit enthält einige Bilder.)

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
African consciousness
Schlagwörter
(Deutsch)
Hip-Hop Afrikabewusstsein Afrikanische Diaspora Populärkultur Jugendbewegung
Autor*innen
Nora Wittmann
Haupttitel (Deutsch)
L’Afrique ma nation
Hauptuntertitel (Deutsch)
Afrikabewusstsein im Hip-Hop in Dakar und Paris
Publikationsjahr
2009
Umfangsangabe
249 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Werner Zips
Klassifikation
73 Ethnologie > 73.76 Politische Ethnologie: Sonstiges
AC Nummer
AC07871902
Utheses ID
6096
Studienkennzahl
UA | 307 | | |
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