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From childhood to adulthood in the novels of Pamela Jooste
Nicole Pettau
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Ewald Mengel
DOI
10.25365/thesis.6773
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29078.63292.692963-8
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Seit dem Fall der Apartheid im Jahre 1994 wurden die dunklen Jahrzehnte der gesetzlich manifestierten Rassentrennung und –unterdrückung auf vielfältigste Art und Weise wieder aufgerollt und aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. SchriftstellerInnen wird dabei eine besonders bedeutende Rolle beigemessen. Einerseits fördern sie mit ihren Texten eine kritische Auseinandersetzung mit Südafrikas jüngster Vergangenheit, die maßgeblich von rassenfeindlichem Denken und brutalen Machtbestrebungen einer weißen Minderheit dominiert war. Gräueltaten gegen die Menschlichkeit werden entlarvt und verurteilt und bislang mundtot gemachte Bevölkerungsgruppen erhalten die Möglichkeit, ihre Schicksalsgeschichten einem breiten und internationalen Publikum darzubringen. Der Beitrag der Literatur zur Wahrheitsfindung, zu rassenübergreifender Versöhnung und zur Überwindung des alles lähmenden kollektiven Traumas ist daher von essentieller Bedeutung.
Andererseits zeigen SchriftstellerInnen neue Perspektiven und Chancen für zukünftige Entwicklungen. Auf fiktiver Ebene erschaffen sie Abbilder eines modernen und farbenblinden Südafrikas und wirken so richtungsweisend für eine ganze Nation.
Weiters tragen AutorInnen entscheidend zur Entstehung neuer südafrikanischer Identitäten bei. Traditionelle, rassenideologisch geprägte Selbst- beziehungsweise Feindbilder werden abgebaut, und es kommt zu einer Neugestaltung soziokultureller Existenzen. Ebenso werden durch das Zerschlagen rassistischer Parolen und Denkweisen soziale Barrieren niedergerissen und die einzelnen Bevölkerungsgruppen erhalten die Möglichkeit, sich im gesellschaftlichen Gefüge neu zu positionieren und zu definieren.
Die Entwicklung einer jungen Generation hat in großem Ausmaß das Interesse von Literaten geweckt. Zahlreiche südafrikanische AutorInnen wie Jo-Anne Richards, J.M. Coetzee, Mark Mathabane, Nadine Gordimer, Es’kia Mphahlele und auch Pamela Jooste befassen sich in ihren Werken mit den psychosozialen Reifungsprozessen in der Kindheit und Pubertät. Die Phase des Erwachsenwerdens wird dabei vielfach symbolisch für das Erwachen eines neuen Südafrikas gedeutet. Gleichsam einem Kind, das der infantilen Naivität entwächst und eine starke, erwachsene Persönlichkeit entwickelt, mutiert der krisengebeutelte Staat zu einer alle miteinbeziehenden und liberalen Regenbogennation.
Die AutorInnen scheinen sich einig, dass es einer charakterstarken und in jeglicher Hinsicht unbefangenen südafrikanischen Jugend bedarf, um das Land in eine glückliche Zukunft zu führen. Die Auseinandersetzung mit der traurigen Landesgeschichte und eine vollständige Emanzipation von elterlichen und systemischen Einflüssen werden weitgehend als Schlüsselaufgaben der modernen Generation erachtet. Jedoch gelingen nicht allen ProtagonistInnen diese bedeutsamen Wagnisse. Während sich einige weitgehend von alten Dikta und Vorstellungen distanzieren und somit eine starke und unabhängige Persönlichkeit aufbauen können, schaffen es andere nicht, sich aus dem Würgegriff der jüngsten Vergangenheit zu befreien, und scheitern kläglich in ihrer persönlichen Entwicklung. In einigen Fällen obliegt es jedoch nicht dem einzelnen Individuum, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Stattdessen bestimmen extrapersonelle Einflüsse den individuellen Werdegang.
Kindliche Realitäten und Entwicklungsschicksale sind auch Gegenstand der Romane von Pamela Jooste. Die mehrfach ausgezeichnete Autorin leistet ebenso wie andere namhafte und preisgekrönte südafrikanische SchriftstellerInnen einen entscheidenden Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung und zur soziokulturellen Neufindung einer ganzen Nation.
In ihren Werken beschreibt sie auf einfühlsame und bezwingende Art und Weise das Erwachsenwerden von Kindern aller Bevölkerungsgruppen zur Zeit der (Post-) Apartheid. Ihre Romane, die jeweils aus der Sicht kindlicher ErzählerInnen geschildert werden, bringen so die Lebens- und Leidensgeschichten Jugendlicher unterschiedlichster Ethnizitäten einem breiten, vorwiegend weißen Publikum näher. Obwohl Joostes Wahl einer schwarzen beziehungsweise farbigen Perspektive häufig als anmaßend und verhöhnend empfunden wird, die letztendlich nur ein sehr oberflächliches Bild des Status quo erzielen kann, stellt ihr Erzählmodus doch einen Versuch dar, mit alten Diskursen zu brechen und innergesellschaftliches Verständnis zu fördern. Die andere und lange negierte Seite der Wahrheit wird prominent in den Vordergrund gestellt. Der weißen Leserschaft werden so auf eindrückliche Art und Weise die Schattenseiten des alten Systems vorgehalten.
In ihren Romanen erörtert Pamela Jooste die vielfältigen Wirkungsweisen und Einflussnahmen der dominanten Apartheidsideologie auf die Entwicklung einer neuen Generation. Sie schildert besonders bildlich, wie das Leben von weißen, farbigen und schwarzen Kindern gleichermaßen dauerhaft durch das sozialpolitische Klima beeinflusst wird. Sie kommt dabei zum Schluss, dass die dominante Sitten- und Rassenlehre über verschiedenste Kanäle auf die heranwachsende Jugend einwirkt. Als besonders prägende Faktoren lassen sich das familiäre und soziale Umfeld, der Umgang mit der eigenen und kollektiven Geschichte, der übermächtige und alle bevormundende Staat sowie verschiedenste Formen der Traumatisierung erkennen.
Trauma, und besonders dessen Überwindung, spielen eine entscheidende Rolle im Erwachsenwerden von Joostes kindlichen ErzählerInnen. Letzteres signalisiert schlussendlich die persönliche Reife der Charaktere und einen Übergang zum Erwachsensein.
Die Hauptcharaktere in Joostes Romanen erfahren nicht nur familiären Hemmnisse, wie zum Beispiel häusliche Gewalt, zerrüttete Familienstrukturen und Verlusterlebnisse, sondern auch widrige gesellschaftliche Umstände wie eine rassistische Gesetzgebung, eine Beschneidung basaler Menschenrechte, kulturelle Entwurzelung und wiederholte Viktimisierung. Nichtsdestotrotz gelingt es den meisten, sich zu mündigen und eigenständigen Erwachsenen zu entwickeln. Ihre Erfolgsstorys machen sie zu klaren Hoffnungsträgern der so genannten Regenbogennation.
Der Glaube an soziokulturellen Umbruch wird weitgehend von Joostes weiblichen Charakteren getragen. Während Männer oftmals als eingeschüchtert und verunsichert dargestellt werden oder Anhänger der alten Ordnung repräsentieren, lehnen sich weibliche Heldinnen vehement gegen das bestehende System auf. Dabei nehmen sie oftmals enorme Risiken und Opfer auf sich, um ihr Ziel, ein barrierefreies Südafrika, zu erwirken.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Südafrikanischer Roman Pamela Jooste Apartheid Kindheit Erwachsenwerden Bildungsroman
Autor*innen
Nicole Pettau
Haupttitel (Englisch)
From childhood to adulthood in the novels of Pamela Jooste
Publikationsjahr
2009
Umfangsangabe
143 S.
Sprache
Englisch
Beurteiler*in
Ewald Mengel
Klassifikation
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.97 Texte eines einzelnen Autors
AC Nummer
AC07953785
Utheses ID
6112
Studienkennzahl
UA | 190 | 344 | 445 |
