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Berufsdarstellungen auf römischen Sarkophagen
Özer Erdin
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Karl Reinhard Krierer
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.6786
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29364.87155.460365-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die in dieser Arbeit behandelten 22 Sarkophage des 3./4. Jhs. n. Chr. die Berufe der Verstorbenen darstellen. Die Berufsbereiche lassen sich in zwei Gruppen gliedern: in den Handwerks- und den Handelsbereich. Zu den Darstellungen der Handwerker zählen die folgenden Berufe: Bäcker, Schuster, Lederverarbeiter, Möbeltischler, Mosaikarbeiter. Die Berufe aus dem Handelsbereich sind: Bankier und Geldwechsler, Markthändler, Wirte und Wirtinnen sowie Weinhändler. Die Sarkophage mit Darstellungen eines vermeintlichen Rennstallbesitzers und Architekten oder Baumeisters lassen sich meines Erachtens keinem Bereich zuordnen, da die Berufe nicht genau bestimmbar sind. Die dargestellten Gewerbetreibenden gehörten den Freigelassenen bzw. der mittleren Schicht an572. Die Porträtmedaillons auf drei Sarkophagen (auf dem Sarkophag eines Bäckers in der Villa Medici in Rom, auf dem Sarkophag eines Geldwechslers im Palazzo Salviati in Rom, auf dem Sarkophag im Museo Gregoriano Profano) deuten darauf hin, dass die freigelassenen Arbeiter bzw. Gewerbetreibenden im Auftrag ihrer Patrone arbeiteten. Ihre Patrone hatten vielleicht auch Freigelassenenstatus und waren vom cursus honorum ausgeschlossen573. Ihr Beruf spielte in den Darstellungen deshalb die Schlüsselrolle, da sie ihren Freigelassenenstatus durch ihren Beruf bzw. ihre gewerbliche Fähigkeit erhalten haben574. Ihre Geschäfte waren lukrativ575. Deshalb waren die freigelassenen Gewerbetreibenden in der Lage, sich einen Sarkophag aus Marmor zu leisten576. Wie es bei Zahlungsszenen, Verkaufsszenen und Wirtshausszenen am besten zu verstehen ist, besteht der Kundenkreis der dargestellten Gewerbetreibenden aus wirtschaftlich eher schwächeren Leuten, deren finanzielle Lage sich im bescheidenen Maße bewegte577. Laut der antiken Literatur genossen die Handwerker und Händler aus der Sicht der 572 Whitehead (1984) 394. 573 Whitehead (1984) 397. Ein Kastengrabstein aus spätaugusteischer Zeit stellt zwei Porträtbüsten dar. Der Inschrift zufolge ist der jüngere Mann links Patronus des Betriebes und hatte Freigelassenenstatus. Im Giebel des Kastengrabsteins sind die Werkzeuge zu sehen, die sich auf die Metallarbeit beziehen. Zanker (1975) 298 Abb. 36; Zimmer (1982) 191 Nr. 128. 574 Whitehead (1984) 232. 575 Whitehead (1984) 394. 576 Drei Sarkophage waren sogar aus Exportmarmor. Der Marmor vom Sarkophag des Schusters Titus Flavius Trophimas stammt aus Kleinasien. Die Sarkophage eines Architekten und eines Rennstallbesitzers waren aus dem griechischen Marmor. Whitehead (1982) 398. 577 Kloft (1992) 242; Weeber (1995) 44. 89 Oberschicht keinen guten Ruf. Das soziale Prestige der auf Sarkophagen dargestellten Gewerbetreibenden variierte bezüglich des Berufs des Verstorbenen für die römische Gesellschaft. Diese Tendenz zeigte sich am besten bei Bankiers, Geldwechslern und bei Wirten. Es ist den Bankiers und Geldwechslern gelungen, im Jahr 203/4 n. Chr. ein wichtiges Denkmal wie den Argentarierbogen zu Ehren des Kaisers Septimius Severus zu errichten578. Im Laufe desselben Jahrhunderts waren die Zahlungsszenen auf Grabdenkmälern und später auf den Sarkophagen in großer Zahl vertreten. Die Wirte und Wirtinnen hingegen hatten vielleicht den niedrigsten Platz nach den gesellschaftlichen Normen der Römer579. Die bildthematisch und -typologischen Analysen führen zu einem Ergebnis, dass man auf den Sarkophagen auf die älteren Bildthemen und -typen und Motive zurückgegriffen hat580. Diese Neigung lässt sich am besten in Bäckerhandwerks-, Zahlungs- und Verkaufsszenen zeigen. Die szenische Darstellung der Bäckerei entstand beim Grabmal des Eurysaces in spätrepublikanischer Zeit581, dessen Bildmotive und -typen, wie zum Beispiel die Pferd-Mühle und um einen Scheffel dargestellten Arbeiter, sich unverändert auf den Sarkophagen wiederfinden. Die Typologie desselben Grabmals (auf der rechten Seite des Südfrieses) scheint auch der Vorläufer der stadtrömischen Zahlungsszenen auf den Sarkophagen zu sein. Die Verkaufs- und Wirtshausszenen lassen diesen bildmotivisch- und -typologischen Vergleich besonders bei den Verkäufern und bei den Wirtinnen erkennen. Die Szenen mit Schuster, Lederverarbeiter und insbesondere Weinhändler entwickeln meines Erachtens ihren eigenen und separaten Bildtypus auf den Sarkophagen. Sechs Sarkophagreliefs, der Sarkophag eines Schusters und der eines Seilers, der Sarkophag in den Catacombe di Novaziano, der Sarkophag im Museo delle Navi in Ostia, der Sarkophag eines Weinhändlers in Ancona und der Sarkophag eines Rennstallbesitzers in Wien, setzen die Bildthemen und Bildmotive aus der Mythologie mit Bildern aus dem Berufsleben zusammen, die bis zum 3./4. Jh. n. Chr. keine Verknüpfung miteinander gehabt hatten582. Die Bildthemen 578 Weeber II (2000) 317. 579 J. DeFelice (2007) 479‐482; Laurence (2007) 93; Dräger (2002) 544; Kleberg (1963) 18, 20. 580 Baltzer (1983) 58, 71. 581 Zanker (1975) 280; Zimmer (1982) 7. 582 Bisconti (1983) 80; Campen (1977/78) 227‐228. 90 und -motive aus der Mythologie gehörten der Kunst der Oberschicht an583. Die Sarkophagreliefs bezeugen wahrscheinlich das Selbstbewusstsein der Mittelschicht, deren Angehörige die mythischen Bildthemen im Zusammenhang ihrer Berufe darstellen ließen. Damit bestimmen die Sarkophage die letzte Phase der szenischen Berufsdarstellungen. 583 Bisconti (1983) 80. 91
Abstract
(Englisch)
It can be summarized that the 22 sarcophagi of the 3rd and 4th century AD, introduced in this work, represent the professions of the deceased. The fields of profession can be divided into two categories: craftsmanship and trade. Among the craftsmen professions like baker, shoemaker, leather fabricator, cabinet maker and tessellation worker can be distinguished. The professions of the other category are banker and moneychanger, market trader, innkeepers and landladies as well as vine merchant. In my opinion, the sarcophagi with illustrations of an alleged owner of a racing stable and architect or master-builder cannot be assigned to any field of profession, since the professions are not clearly definable. The depicted tradesmen were freedmen and belonged to the middle class584. The portrait medaillons that ornament three of the sarcophagi (the sarcophagus of a baker in Villa Medici in Rome, the sarcophagus of a moneychanger in the Palazzo Salviati in Rome and the sarcophagus in the Museo Gregoriano Profano) are evidence that the freed worksmen and the tradesmen, respectively, worked by order of their patrons. Their patrons might have had the status of a freedman and therefore have been excluded from cursus honorum585. Their profession played a major role in the illustrations, due to their profession or commercial ability to preserve the status of freedom586. The business dealings were profitable587. Thus the freed tradesmen were in a position to afford a sarcophagus of marble588. As can be conceived by the scenes showing the act of 584 Whitehead (1984) 394. 585 Whitehead (1984) 397; A gravestone of late‐augustean times shows two busts. According to the inscription, the younger man on the left hand side is the patron of the business and enjoyed the status of a freedman. Within the pediment of the gravestone tools can be distinguished, which refer to metalwork. Zanker (1975) 298 Fig. 36; Room (1982) 191 No. 128. 586 Whitehead (1984) 232. 587 Whitehead (1984) 394. 588 Three sarcophagi were made out of marble destined for export. The marble of the sarcophagus of the shoemaker Titus Flavius Trophimas comes from Asia Minor. The sarcophagi of an architect and an owner of a racing stable were made of Greek marble. Whitehead (1982) 398. 92 payment, by trading scenes as well as public house scenes, the clientele of the depicted tradesmen consisted mostly of financially weak people589. According to the ancient literature, the craftsmen and the tradesmen did not enjoy a good reputation from the view of the upper class. The social prestige of the tradesmen depicted on the sarcophagi varied relative to the profession of the deceased person, according to the Roman society. This tendency showed most clearly with bankers, moneychangers and innkeepers. The bankers and moneychangers succeeded in the year of 203/4 AD to erect an important monument like the “Arch of the Argentaries” in honor of imperator Septimus Severus590. In the course of the same century, payment scenes could be found in great numbers upon funerary monuments and later on upon the sarcophagi. The innkeepers and landladies, on the other hand, were regarded as people from the lower class due to the social norms of the Romans591. The results from thematic and typological analyses show that mostly ancient pictorial themes and motives were used for the sarcophagi592. This tendency can be demonstrated best with scenes of a baker’s trade as well as payment and selling scenes. The scenic illustration of the baker’s trade originated at the tomb of Eurysaces in late-republican times593, where the pictorial themes and types, for instance a horse mill and a worker around a bushel, are found unaltered upon the sarcophagi. The typology thereof (on the right hand side of the southern frieze) seems to be the precursor of the City-Roman payment scenes upon the sarcophagi as well. The trading scenes as well as the scenes in a public house reveal this motivic and typological analogy, especially with salesmen and landladies. In my opinion, the scenes of shoemakers, leather fabricators and in particular of wine merchants develop their own separate pictorial theme upon the sarcophagi. Six reliefs of the sarcophagi, one of a shoemaker and a ropemaker, one in the Catacombe di Novaziano, one in the Museo delle Navi in Ostia, one of a wine merchant in Ancona and one of an owner of a racing stable, put together the pictorial themes and motives from mythology, which remained unconnected to the 3rd/4th century 589 Kloft (1992) 242; Weeber (1995) 44. 590 Weeber (2000) 317. 591 DeFelice (2007) 479‐482; Laurence (2007) 93; Dräger (2002) 544; Kleberg (1963) 18, 20. 592 Baltzer (1983) 58, 71. 593 Zanker (1975) 280; Zimmer (1982) 7. 93 AD, with pictures of the working life594. The pictorial themes and motives from mythology belonged to the art of the upper class595. The reliefs of the sarcophagi probably bear testimony to the self-assurance of the middle class people, the kinsmen of whom let the mythic pictorial themes be portrayed in connection with their professions. For this reason the sarcophagi define the last phase of the scenic illustrations of professions. 594 Bisconti (1983) 80; Campen (1977/78) 227‐228. 595 Bisconti (1983) 80. 94

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Roman sarcophagi professions in Roman sarcophagi
Schlagwörter
(Deutsch)
römische Sarkophagen Berufe auf Sarkophagen
Autor*innen
Özer Erdin
Haupttitel (Deutsch)
Berufsdarstellungen auf römischen Sarkophagen
Paralleltitel (Englisch)
Depictions of professions in Roman sarcophagi
Publikationsjahr
2009
Umfangsangabe
137 S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Karl Reinhard Krierer
Klassifikation
10 Geisteswissenschaften allgemein > 10.03 Methoden und Techniken der geisteswissenschaftlichen Forschung
AC Nummer
AC08002327
Utheses ID
6125
Studienkennzahl
UA | 314 | | |
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