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Die russisch-orthodoxe Kirche als politischer Akteur im Zeitraum 2000 bis 2015
Michael Tolstiuk
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Katholisch-Theologische Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Diplomstudium Katholische Fachtheologie
Betreuer*in
Ioan Moga
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.70399
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-22609.02769.470723-5
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Kirche und Staat in Russland haben eine über fünfhundertjährige gemeinsame Geschichte. Bereits in den Anfangsjahren war ein enges Verhältnis von Kirche und Staat erkennbar. Unter Zar Peter I erfolgte der Versuch, die Kirchenverwaltung in die staatliche Verwaltung einzugliedern. Die Kirchenleitung wurde von einem Oberprokurator wahrgenommen, das Patriarchat wurde de facto abgeschafft wurde. Mit der Installierung eines neuen Patriarchen im Jahre 1917 wurden die innerkirchlichen Strukturen wiedererrichtet. Im Kommunismus kam es zu Arrangements, dh zu notwendigen Bekenntnissen und einer Zusammenarbeit. Die Erklärung des Metropoliten Sergej im Jahre 1927 geht in diese Richtung, die Anerkennung der ROK und Statutverleihung im Jahre 1945 bestätigen dies. Nach dem Zerfall der Sowjetunion kam es zu einer Neuausrichtung der Kirche. Die ROK hat bereits in den Neunziger Jahren ihr Schicksal in die Hand genommen und auf den Gesetzgeber eingewirkt, ein ihr passendes Religionsgesetz 1997 zu erlassen. Mit der Sozialkonzeption im Jahr 2000 hat die Kirche ihre „Politik“ vorgegeben. Mit Putin kam es zu einem Zusammenwirken von Kirche und Staat, wobei jede Institution selbständig geblieben ist. Putin braucht die Kirche, um seine nationale Karte zu spielen, die Kirche braucht den Staat, um ihre Sozialdoktrin unter die russische Bevölkerung zu bringen. Das Thema Homosexualität hat gezeigt, wie die Kirche die Linie vorgibt. Gerade beim Thema Homosexualität ist ersichtlich, wie sich die Interessen von Kirche und Staat decken: es geht um den Nationalismus, um ein Russentum, das orthodox ist und das in der Tradition der Familie verwurzelt ist. Homosexualität hat in diesem – gemeinsamen – Weltbild keinen Platz. Die Vereinigung der ROKA mit der ROK lag sowohl im Interesse der ROK wie auch des Staates, somit lagen kirchliche wie auch politische Interessen vor, die durch die Wiedervereinigung bedient wurden. Putin verfolgte die Absicht, dass jeder Russe über die orthodoxe Kirche vor Ort einen Bezug wieder zu Russland aufbaut. Eine orthodoxe Kirche im Ausland ist quasi ein Botschafter Russlands. Die Kirche wiederum hatte Interesse an den bereits im Ausland bestehenden Kirchengemeinden und Kirchengebäuden. Durch die Vereinigung der ROKA mit der ROK ist es der ROK gelungen, einen großen Einfluss auf die Gläubigen im Ausland zu gewinnen. Die Installierung der Interfraktionellen Deputatengruppe für den den Schutz der christlichen Werte in der Duma zeigt, dass der Staat das Gespräch mit der Kirche sucht und dass ihm die Zusammenarbeit mit der ROK sehr wichtig ist. Im Vorfeld von Gesetzesbeschlüssen findet in diesem Gremium ein reger Austausch von Meinungen und Wünschen der Kirche mit den Abgeordneten der Staatsduma statt. Auch werden Vereinbarungen mit den diversen Ministerien abgeschlossen, in denen bestimmte soziale Aktivitäten von der ROK übernommen werden. Bei den demokratischen Wahlen geben die Kirchenhierarchen unverblümt ihre Präferenz für Putin bzw. für die von ihm präferierten Kandidaten ab. Die Erörterungen im Kapitel 2.5. lassen den Schluss zu, dass die Kirche, nämlich die ROK, mit dem Russischen Staat sehr eng kooperiert und der Staat versucht, die Wünsche der Kirche in die Gesetzgebung umzusetzen. Die Erörterungen lassen auch den Schluss zu, dass Kirche und Staat jeweils selbständige handelnde Subjekte sind, wo keine Institution auf die jeweils andere einen Druck ausübt. Mit anderen Worten, die Russisch-orthodoxe Kirche und die Russländische Föderation setzen die symphonia in ihrer ursprünglichen Form um und leben diese.
Abstract
(Englisch)
Church and state in Russia have a common history of over five hundred years. Already in the early years, a close relationship between church and state was recognizable. Under Tsar Peter I, an attempt was made to integrate the church administration into the state administration. The church leadership was carried out by a senior procurator, the patriarchate was de facto abolished. With the installation of a new patriarch in 1917, the structures within the church were rebuilt. In communism, there existed "arrangements", that is, necessary confessions and cooperation. Metropolitan Sergei's declaration in 1927 and the offer of Stalin in 1943 to the church electing a patriarch go in this direction. After the collapse of the Soviet Union, the Church was reoriented. Already in the nineties of the twentyth century, the ROK took its fate into its own hands and influenced the legislator to enact a suitable religious law in 1997. With the social conception in the year 2000, the Church set its "policy". With Putin, there was a cooperation between church and state, whereby each institution remained independent. Putin needs the church to play his national card, the church needs the state to bring its social doctrine to the Russian population. The issue of homosexuality has shown how the Church sets the line. Especially on the subject of homosexuality, it is clear how the interests of church and state coincide: it is about nationalism, about a Russianness that is orthodox and that is rooted in the tradition of the family. The unification of ROKA with ROK was in the interest of both the ROK and the state. Putin's intention was for every Russian to re-establish a connection to Russia through the local Orthodox Church. An Orthodox church abroad is, so to speak, an "ambassador of Russia". The church, in turn, was interested in the parishes and church buildings that already existed abroad. By uniting ROKA with ROK, the ROK has succeeded in gaining a great influence on the beliefers abroad. The installation of the Intergroup of Deputies for the Protection of Christian Values in the Duma shows that the state seeks dialogue with the Church and that cooperation with the ROK is very important to it. In the run-up to legislative decisions, a lively exchange of opinions and wishes of the Church with the deputies of the State Duma takes place in this body. In the democratic elections, the church hierarchies bluntly give up their preference for Putin or for the candidates he prefers. The discussions in chapter 2.5. allow the conclusion that the Church, namely the ROK, cooperates very closely with the Russian State and the State tries to implement the wishes of the Church in legislation. The discussions also lead to the conclusion that church and state are each independent acting subjects, where no institution exerts pressure on the other. In other words, the Russian Orthodox Church and the Russian Federation implement the symphonia in its original form and live it.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Russisch-orthodoxe Kirche Symphonie politischer Akteur Religionsgesetz
Autor*innen
Michael Tolstiuk
Haupttitel (Deutsch)
Die russisch-orthodoxe Kirche als politischer Akteur im Zeitraum 2000 bis 2015
Publikationsjahr
2022
Umfangsangabe
125 Seiten : Karte
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Ioan Moga
Klassifikationen
11 Theologie > 11.57 Ostchristentum ,
15 Geschichte > 15.74 Russland
AC Nummer
AC16482821
Utheses ID
62034
Studienkennzahl
UA | 011 | | |
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