Detailansicht

"Verbot zwingt keinen Geist!"
die illegale Zeitschrift des Bundes Deutscher Mädel in Österreich der Jahre 1936 bis 1938 ; eine kommunikationswissenschaftliche Analyse
Sandra Bascha
Art der Arbeit
Magisterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Wolfgang Duchkowitsch
Volltext herunterladen
Volltext in Browser öffnen
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.6949
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29571.04068.171369-6
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Zeitschrift des Bundes Deutscher Mädel, namens „Unser Mädel“, welche monatlich von März 1936 bis Februar 1938 und im Juni 1938 in Form einer Sondernummer in Österreich erschienen ist. Die kommunikationswissenschaftliche Analyse der Zeitschrift wurde mittels Inhaltsanalyse und Kritischer Diskursanalyse durchgeführt. Die Zeitschrift „Unser Mädel“ wurde unter legalen Bedingungen hergestellt, produziert und verkauft, trotz der Zugehörigkeit zumindest einiger Redakteurinnen zum Bund Deutscher Mädel, der zu dieser Zeit auf Grund des Verbot der NSDAP in Österreich ebenfalls der Illegalität existiert hat. Auf Grund der Tatsache, dass die Zeitschrift weder äußerlich als nationalsozialistisches Blatt gekennzeichnet war, noch die behandelten Themen und vermittelten Inhalte, auf den ersten Blick erkennbare, nationalsozialistische Ideologien beinhaltet haben, wurde „Unser Mädel“ nicht von der austrofaschistischen Zensur erfasst. Die Ziele der Zeitschrift waren dementsprechend die Akquisition von neuen Leserinnen auf der einen Seite und andererseits die Mobilisierung dieser zu den veranstalteten Heimabenden, Lagern und Fahrten. Bei diesen Unternehmungen wurden die Teilnehmerinnen mit der Ideologie, den Werten, Vorstellungen und Zielen des nationalsozialistischen Regimes konfrontiert. Die Themenspektrum war breit gefasst um möglichst viele Mädchen, aus sämtlichen sozialen Schichten erreichen zu können. Die inhaltsanalytische Untersuchung hat für alle Erscheinungsjahre 21 Hauptthemen codieren können. Die wesentlichen Themen waren die Vermittlung von Weiblichkeitskonstruktionen, Berichte über Heimabende, Lager und Fahrten, die Thematisierung des Bauerntums, die Wichtigkeit der Arbeit und des Berufs, sowie die inhaltliche Aufbereitung der Heimatverbundenheit. Die Zeitschrift wollte auf den jugendlichen Lebensbereich Einfluss nehmen und diesen gestalten und dadurch die Mädchen selbst formen und erziehen. Um dies gewährleisten zu können präsentierte sich die Schriftleitung, Redaktion und dadurch auch die Zeitschrift selbst als Kamerad der Mädchen. Es wurde versucht ein Gemeinschaftsgefühl zu kreieren, wodurch von den Mädchen in weiterer Folge Treue zu diesem Kollektiv gefordert wurde. Dies wird auch durch die Ergebnisse der inhaltsanalytischen Untersuchung verdeutlicht, da Treue selbst einer der wichtigsten vermittelten Werte darstellt. Aufbauend auf die Inhaltsanalyse wurde an hand von 5 ausgewählten Artikeln eine Diskursanalyse durchgeführt. Diese hat ergeben, dass die wesentlichen Argumentationsstrategien die Verallgemeinerung und das einfache Aufstellen von Behauptungen und Forderungen sind. Es hat sich gezeigt, dass mit Ausnahme eines medizinischen Artikels, keine Beweisführungsstrategien in den Texten enthalten sind. Dies bedeutet im Wesentlichen, dass Behauptungen aufgestellt werden, aber nicht argumentiert werden. Allerdings bedienen sie sich der Strategie der Konkretisierung und Verdeutlichung, durch unterschiedliche Beispiele und Szenarien. Dies dient wiederum der Erhöhung der Eindringlichkeit. Auf Grund der Tatsache, dass die Verfasser der Artikel nicht um eine Beweisführung bemüht sind, wird eine allgemeine Gültigkeit impliziert - die Inhalte müssen einfach nicht bewiesen werden. Eine weitere Strategie ist die Problematisierung. Hierbei werden Probleme aufgestellt, die anschließend durch den Verfasser und die inhaltliche Aufarbeitung verdeutlicht und gelöst werden. Die Implikation und Nahelegung ist ein wichtiges Element im Einsatz der rhetorischen Mittel, beispielsweise durch Implikation von Charaktereigenschaften durch Tätigkeiten von Mädchen. Daraufaufbauend werden Kategorisierungen und Kollektivsymboliken verwendet, um die Positionen zu verdeutlichen. So werden gut – böse, gesund – krank, oder Stadt – Land einander gegenübergestellt und mit den unterschiedlichen Themen verknüpft. Des Weiteren arbeiten die Verfasser vor allem Bildspendeberichte und Metaphern, welche die Vorstellungen bildlich aufarbeiten und auf eine Art Archiv verweisen, auf das die Leserinnen zugreifen können um anschließen die Werte zu realisieren. Obwohl sich Verschränkungen zum Nationalsozialismus gezeigt haben und ein Artikel offenkundig auf „Blut und Boden“ – Ideologie anspielt, kommt diese Arbeit zu dem Schluss, dass für die damalige Zeit, die Zeitschrift „Unser Mädel“ nicht als nationalsozialistische Zeitschrift zu erkennen war, wenn jemanden diese Tatsache nicht schon zuvor bewusst war. Es finden sich Andeutungen und Anspielungen, welche allerdings schwierig zu erkennen sind, wenn keine Vorbildung oder gezielte Aufmerksamkeit besteht. Ob allerdings der Verlagsdirektor oder Personen des austrofaschistische Regimes von der Existenz einer Redaktion mit Zugehörigkeit zum Bund Deutscher Mädel gewusst haben, kann heute nicht mehr geklärt werden.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
illegale Zeitschrift des Bundes Deutscher Mädel in Österreich von 1936 bis 1938
Autor*innen
Sandra Bascha
Haupttitel (Deutsch)
"Verbot zwingt keinen Geist!"
Hauptuntertitel (Deutsch)
die illegale Zeitschrift des Bundes Deutscher Mädel in Österreich der Jahre 1936 bis 1938 ; eine kommunikationswissenschaftliche Analyse
Publikationsjahr
2009
Umfangsangabe
245 S. : graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Wolfgang Duchkowitsch
Klassifikation
05 Kommunikationswissenschaft > 05.33 Pressewesen
AC Nummer
AC08068165
Utheses ID
6279
Studienkennzahl
UA | 066 | 841 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1