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Geschwister von Personen mit Anorexia nervosa und Bulimia nervosa
eine querschnittliche Untersuchung zum Essverhalten, zum Körperbild, zur psychischen Belastung und zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität
Johanna Wrchowszky
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Psychologie
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Psychologie
Betreuer*in
Reinhold Jagsch
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.71997
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-17822.85915.682010-2
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Hintergrund. Geschwister sind in der psychologischen Forschung bis heute eine wenig bis kaum untersuchte Gruppe. Die Ergebnisse in Bezug auf Geschwister von Personen mit Essstörungen erweisen sich als äußerst inkonsistent. Einige Studien zeigen auf, dass Geschwister von Personen mit Essstörungen ebenfalls ein höheres Risiko für eine Essstörung aufweisen, andere Studien widerlegen dieses Forschungsergebnis. Zudem ist auch das Risiko für andere psychische Störungen und eine niedrigere Lebensqualität bei Geschwistern von Personen mit Essstörungen höher. Methodik. Um zu untersuchen, ob sich Geschwister von Personen mit Anorexia nervosa und Bulimia nervosa von Geschwistern von Personen ohne Essstörung hinsichtlich des Essverhaltens, des Körperbilds, der psychischen Belastung und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität unterscheiden, wurde eine Fall-Kontroll-Studie durchgeführt. Die nach Alter, Geschlecht, Bildungsgrad und Wohnsituation gematchte Stichprobe umfasste je 36 Personen in der Fallgruppe (Geschwister von Personen mit Anorexia nervosa/Bulimia nervosa) und 36 Personen in der Kontrollgruppe (Geschwister von Personen ohne Essstörung). Im Rahmen der Online-Befragung wurde der Eating Disorder Examination – Questionnaire (EDE-Q), der Fragebogen zum Körperbild (FKB-20), das Brief Symptom Inventory-18 (BSI-18), der Short Form Health Survey 12 (SF-12) und der Essener Lebensqualitäts-Index für Essstörungen (ELI) vorgegeben. Die Gruppenunterschiede hinsichtlich der verschiedenen Outcomes wurden mithilfe von t-Tests für abhängige Stichproben berechnet. Zudem wurden im Rahmen von multiplen Regressionen Prädiktoren für auffälliges Essverhalten untersucht. Ergebnisse. Es zeigten sich signifikante Gruppenunterschiede hinsichtlich des Gesamtindex des BSI-18 und der psychischen Summenskala der SF-12. Die Kontrollgruppe zeigte eine tendenziell höhere psychische Belastung sowie eine tendenziell niedrigere psychische gesundheitsbezogene Lebensqualität als die Gruppe der Geschwister von Personen mit Anorexia und Bulimia nervosa. Essstörungsspezifische gesundheitsbezogene Lebensqualität stellt in beiden Gruppen einen signifikanten Prädiktor für den EDE-Q-Gesamtwert dar, die Skala ablehnende Körperhaltung ist hingegen nur in der Kontrollgruppe ein signifikanter Prädiktor für den EDE-Q-Gesamtwert. Schlussfolgerung. Entgegen bisheriger Literatur konnte kein erhöhtes Risiko für eine Essstörung und damit zusammenhängend ein ablehnendes Körperbild bei Geschwistern von Personen mit Anorexia nervosa und Bulimia nervosa gefunden werden. Der Umstand, dass die meisten Personen in der vorliegenden Stichprobe nicht mit der Schwester mit Essstörung zusammenleben, und Distanzierung als ein Copingmechanismus beschrieben wird, könnte das vorliegende Ergebnis erklären. Zudem weist die Kontrollgruppe eine schlechtere psychische gesundheitsbezogene Lebensqualität auf, wobei die Ergebnisse aufgrund der kleinen Stichprobengröße, der Rekrutierungsmethode sowie der Erhebungszeiträume, kritisch betrachtet werden müssen. Der Einfluss von ablehnender Körperhaltung auf das Essverhalten bei Geschwistern von Personen mit und ohne Essstörung sollte zukünftig weiter erforscht werden.
Abstract
(Englisch)
Background: Up to now, siblings are a group that have been neglected in psychological research. Study results for siblings of individuals with eating disorders are quite inconsistent. While some studies demonstrated that siblings of individuals with eating disorders are also at higher risk for an eating disorder, other studies showed the opposite. According to current research, the risk of other pathological diseases and a lower quality of life is higher in siblings of individuals with eating disorders. Methodology. An online survey investigated whether siblings of participants with anorexia and bulimia nervosa differ from participants without siblings with an eating disorder in terms of eating behavior, body image, psychological stress and health-related quality of life. The sample consisted of 36 study participants each divided in two groups: Siblings of individuals with anorexia nervosa and/or bulimia nervosa and siblings of individuals without suffering from eating disorder (i.e. control group). The data analysis controlled for age, gender, level of education and current living situation. Study participants answered the Eating Disorder Examination – Questionnaire (EDE-Q), the Body Image Questionnaire (FKB-20), the Brief Symptom Inventory-18 (BSI-18), the Short Form Health Survey 12 (SF-12) and the Essen Quality of Life-Index for Eating Disorders (ELI). Data analysis delivering outcomes between the two groups used t-tests from dependent samples. Multiple Regression analysis were used to see if the values of the variables could predict the outcome in the EDE-Q. Results. Tendencies to significance were found between the two groups regarding the Global Serverity Index from BSI-18 and the psychological total scale from SF-12. The control group tended to show a higher psychological burden and lower health related quality of life in comparison to the group of siblings with anorexia and bulimia nervosa. Eating-disorder specific health related quality of life is a significant predictor for the total score in the EDE-Q in both groups, although negative body image is only a significant predictor in the control group. Conclusion. Contrary to assumed predictions, the present study found no increased risk of developing an eating disorder in siblings of individuals with anorexia and bulimia nervosa. The fact that the majority of participants in this study don’t live in the same household as their siblings, who suffer from an eating disorder, and the knowledge that distance is used as a coping mechanism, could account for the results. Furthermore, the control group showed a poorer mental health related quality of life. The number of participants, the recruiting method and the survey periods can be seen as a limitation for this work. The impact of negative body image on eating habits of people with and without eating disorder should be researched furthermore.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Geschwister Essstörungen Anorexia nervosa Bulimia nervosa Körperbild psychische Belastung gesundheitsbezogene Lebensqualität
Schlagwörter
(Englisch)
Siblings eating disorder anorexia nervosa bulimia nervosa body image mental health related stress health related quality of life
Autor*innen
Johanna Wrchowszky
Haupttitel (Deutsch)
Geschwister von Personen mit Anorexia nervosa und Bulimia nervosa
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine querschnittliche Untersuchung zum Essverhalten, zum Körperbild, zur psychischen Belastung und zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität
Publikationsjahr
2022
Umfangsangabe
80 Seiten : Diagramme
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Reinhold Jagsch
Klassifikation
77 Psychologie > 77.70 Klinische Psychologie
AC Nummer
AC16597368
Utheses ID
63412
Studienkennzahl
UA | 066 | 840 | |
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