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Hauptschule trifft Hochschule im Tandem
Lisa Katharina Pesendorfer
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Andreas Novy
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.7023
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29269.61409.518666-2
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Durch die Globalisierung werden Bildungseinrichtungen vor die Herausforderung gestellt, Konzepte zu entwickeln, die Menschen auf internationale, ständig im Wandel befindliche Verhältnisse vorbereiten. Die Heterogenität, die heutige Gesellschaften auszeichnet, verlangt nach Individuen, die mit Diversität umgehen können und einer Vielzahl an unterschiedlichen Lebensweisen und Einstellungen mit Selbstbewusstsein und Toleranz gegenüberstehen. Solidarität und Empathie, Ambiguitätstoleranz und der Umgang mit Unsicherheiten sowie das Bewusstsein um globale Zusammenhänge sind Eigenschaften, die das Individuum besitzen sollte, um Gesellschaften zu gestalten, die sich durch Zusammenhalt und größtmögliche Chancengleichheit auszeichnen anstatt, wie aktuell der Fall, durch soziale Polarisierung und die Marginalisierung einzelner Gruppen. Das dialogische Bildungskonzept Paulo Freires und interkulturelles und globales Lernen stehen für pädagogische Ansätze, die versuchen, Antworten auf die bildungspolitischen Fragen der heutigen Zeit zu geben. Sie wenden sich ab vom dominanten Zugang, der Bildung vor allem als Weitergabe von Theorie und Faktenwissen versteht und stellen dem ein handlungs- und erfahrungsorientiertes Verständnis von Lernen gegenüber. Die individuelle Situation, eingefügt in den gesellschaftlichen und globalen Kontext und das Prinzip, das niemand alles und niemand nichts weiß, stellen die Grundlage des angestrebten Lernprozesses dar. Weitreichende Autonomie und Gleichberechtigung anstelle von Fremdbestimmung und Hierarchie im Bildungsprozess sollen Menschen zu selbstständigen und verantwortungsvollen Individuen machen, die aktiv ihren Lebensraum gestalten und die vorherrschenden Verhältnisse nicht als naturgegeben hinnehmen. Tandem ist eine Methode, die im Sinne dieser Bildungskonzepte eingesetzt werden kann. Sie beruht auf dem Konzept, dass zwei Personen unterschiedlicher Herkunft sich gegenseitig Wissen über ihre Lebenswelten und Kulturen vermitteln. Dies findet im Rahmen von Interkultur- oder Sprachentandems statt, wobei letztere neben dem Kulturaustausch vor allem die Sprachpraxis in einer Fremdsprache zum Ziel haben. Die TeilnehmerInnen wechseln zwischen der Position des/r LehrerIn und des/r SchülerIn, wodurch eine symmetrische Beziehung möglich wird. Neben der expliziten Diskussion kultureller Themen, Unterschiede und Selbst- wie Fremdbildern macht den Lernprozess vor allem die konkrete Situation und der soziale Umgang miteinander aus. Differenzen werden nicht nur besprochen sondern auch erlebt. Durch diese Konfrontation und das Kennen lernen neuer Perspektiven wird einerseits das Bewusstsein und andererseits die Fähigkeit mit emotionalen Komponenten des interkulturellen Austauschs umzugehen, gefördert. 163 Im Projekt „Hauptschule trifft Hochschule“ treffen StudentInnen, die im weiteren Sinne zur Elite der Gesellschaft gehören, auf SchülerInnen, die am unteren Ende der sozialen Hierarchie einzuordnen sind. Diese zwei Gruppen stehen repräsentativ für eine sich immer weiter verschärfende Spaltung zwischen Arm und Reich in Österreich, wie auch der ganzen Welt. Ihre Zusammenarbeit ist ungewöhnlich, da Menschen in Kontakt treten, die im Alltag kaum etwas miteinander zu tun haben. Sie leben in Realitäten die, aufgrund ihrer sozialen wie kulturellen Unterschiede, anscheinend nicht in Verbindung stehen. Die meisten StudentInnen sind ÖsterreicherInnen aus Mittelschicht-Familien, während sich die Gruppe der HauptschülerInnen durch hohe kulturelle und sprachliche Vielfalt sowie der Abstammung aus Arbeiterfamilien, auszeichnet. Das Projekt ermöglicht das Aufbrechen dieser Trennung, indem es beide Seiten nicht nur zusammenführt sondern im Forschungsprozess auch als gleichberechtigt anerkennt. Alle Beteiligten sind gleichermaßen von Bedeutung und lernen voneinander. Es ist ein Versuch, die benachteiligte Situation von jungen Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich zu entschärfen, indem sie nicht als unerwünschte Problemfälle wahrgenommen werden, sondern als wichtige Mitglieder der Gesellschaft, die über relevantes Wissen verfügen. Die Erweiterung des Projektes durch ein Tandemmodell kann den Brückenbau zwischen der Welt der „Bildungselite“ und der „MigrantInnen“ auf eine nächste Stufe heben und intensivieren. Die Integration des persönlichen Austausches, neben dem Aspekt der wissenschaftlichen Zusammenarbeit, ermöglicht den Aufbau von Beziehungen, die sich sowohl auf die professionelle wie auch die private Ebene erstrecken. Bildungs- und Berufsperspektiven sind nicht zuletzt das Resultat sozialer Beziehungen und daher eröffnet das Vernetzen dieser Gruppen Horizonte, die auf gesellschaftlicher wie individueller Ebene weitreichende Veränderungen bewirken können. Das Aufbrechen von Stigmatisierungen und der Abbau von Hierarchien dienen dem Ziel einer gerechteren Welt. Die Herausforderungen eines Interkultur Tandems zwischen HauptschülerInnen und StudentInnen sind groß. Sowohl die interkulturelle Dimension wie auch die der sozialen Unterschiede können die Auflösung der Partnerschaften verursachen und soweit führen, dass sich die Fronten zwischen den „Kulturen“ verhärten. Um dies zu verhindern braucht es einen institutionellen Unterstützung, die die Zusammenarbeit anleitet, bei Problemen Hilfestellung leistet und durch Sensibilisierung und Reflexion die Kulturalisierung von Differenzen verhindert.
Abstract
(Englisch)
The process of globalization makes new concepts of education necessary. The world’s growing interdependence and acceleration of change, create circumstances for which people need to be specially prepared. The heterogeneity of today’s societies asks for the ability to be self-confident and tolerant towards other cultures and lifestyles. Solidarity, empathy, tolerance of ambiguity, handling uncertainties and awareness of global connections are qualifications needed by individuals in order to be able to build societies that are rewarded by equity and social cohesion, instead of social polarization and marginalization of groups. Paulo Freire’s dialogical education concept, intercultural and global learning represent pedagogical attempts to solve today’s politico-educational issues. They turn away from predominant approaches that adhere to the principle of theory and knowledge transfer from teacher to student and they oppose concepts that are based on an experiential and actionoriented understanding of learning. The starting point of the targeted learning process is the individual situation inserted into the societal and global context and the principle that nobody knows everything and nobody knows anything. Autonomy and equality, instead of hierarchy and heteronomy, support the development of independent and responsible individuals who actively form their living space instead of taking it as naturally given. The creation of “Tandem” partnerships can be used as an instrument for these educational approaches. The idea is that two people with different cultural backgrounds get together and teach each other about their origins. The partners switch between the teacher and student position, which guarantees a symmetric relationship. It could be combined with teaching each other their mother tongues, which would shift the focus slightly to speaking practice from exclusively intercultural exchange. Central to the working process is the discussion of cultural topics like racism and stereotypes. As important as the discussion is experiencing the intercultural situation and being confronted with the emotional consequences of cultural difference and misunderstanding. Through this participants get to know other perspectives and learn how to handle uncertainties and difficulties of intercultural situations. The project „Hauptschule trifft Hochschule“ integrates two groups that are generally perceived as representing the opposite ends of society’s hierarchy: university students and junior high school (Hauptschule) pupils- the elite and the underprivileged. They illustrate the growing gap between rich and poor in Austria and the whole world. It is a unique cooperation uniting people who have ordinarily no contact. Their realities have apparently no connections. The university students are mainly composed of people from the Austrian middle class. The 165 Hauptschule pupils, who will finish school aged 15 or 16 in contrast to the Realschule or Gymnasium pupils destined for further education, form a pluralistic community of different nationalities, languages and religions and belong mainly to low-wage-labour-families. By perceiving both sides as fully equal in the investigation process the project tries to fight the isolation and marginalization of young people from an immigrant background in Austria’s society. They are mostly seen as social problems rather than as important members of the society who possess relevant knowledge and skills. The extension of the project through the addition of the Tandem model can intensify the process of bridge building between the “elite” of the country and the immigrant workers. The overall objectives of a just world and closing the gap between the social groups could be pursued on the professional, scientific and the private level. Educational and professional benefits are not the only result of social relations and an emerging network between students and pupils could open up new horizons for all the parties involved. The challenges the Tandem model faces when applied between university students and Hauptschule pupils are nevertheless numerous. Intercultural as well as socio economic differences could cause conflicts that may lead to the cancellation of a partnership. It could even have the negative effect of reinforcing stereotypes and hardening the boundaries between cultural and social groups. An institutional framework that guides the collaboration by offering topics, sensitization, reflection and help with problems and insecurities is necessary to make the Tandem project work and to avoid apparent differences becoming culturally ingrained.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
intercultural learning global learning Paulo Freire Tandem
Schlagwörter
(Deutsch)
interkulturelles Lernen globales Lernen Paulo Freire Tandem
Autor*innen
Lisa Katharina Pesendorfer
Haupttitel (Deutsch)
Hauptschule trifft Hochschule im Tandem
Paralleltitel (Englisch)
Junior High meets University in Tandem
Publikationsjahr
2009
Umfangsangabe
166 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Andreas Novy
Klassifikationen
02 Wissenschaft und Kultur allgemein > 02.99 Wissenschaft und Kultur allgemein: Sonstiges ,
80 Pädagogik > 80.57 Interkulturelle Erziehung
AC Nummer
AC07931293
Utheses ID
6352
Studienkennzahl
UA | 057 | 390 | |
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