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Arbeiter*innenklasse heute
eine Fallanalyse über das Klassenbewusstsein prekär beschäftigter der Gig-Economy
Bianca Boros
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Internationale Entwicklung
Betreuer*in
Sabine Prokop
DOI
10.25365/thesis.71919
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-20707.99491.930925-2
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die Grundlage dieser Masterarbeit ist die marxistische Klassentheorie, geschaffen im 19. Jahrhundert mit dem Ziel, die Klassengesellschaft und die vom Kapitalismus verursachte inhärente Ungleichheit abzuschaffen. Blickt man auf die Veränderungen von Arbeitsformen und Klassenstrukturen seitdem, so fällt auf, dass die Arbeiter*innenklasse im Lauf der Zeit eine heterogene Gruppe an Menschen umfasste, die sich vor allem hinsichtlich ihres sozialen Status‘, Geschlechts, Alters und ihrer Herkunft unterscheiden. Die produktionsgetriebene Ar-beiter*innenklasse aus dem 19. und 20. Jahrhundert kann mit der heutigen daher nicht mehr gleichgesetzt werden. Arbeitsformen und Beschäftigungsverhältnisse werden immer individu-eller und richten sich immer stärker nach der Funktion der kapitalistischen Marktwirtschaft: Der Anhäufung von Kapital zur Produktivitäts- und Umsatzsteigerung von Unternehmen. Die Lohnabhängigkeit, die sich aus der Notwendigkeit eines Arbeitsverhältnisses ergibt, vereint Menschen zu einer Arbeiter*innenklasse. Die Klassenanalyse wird in der vorliegenden Arbeit genutzt, um die Struktur einer heute bestehenden Arbeiter*innenklasse zu hinterfragen. Jede arbeitende Person kann aufgrund ihres Arbeitsverhältnisses ein Klassenbewusstsein haben beziehungsweise sich selbst darüber im Klaren sein, dass ihre Arbeit und ihr Handeln dem einer Klasse zugehörig sind. Um einen Einblick in die Veränderung von Arbeitsformen seit dem Aufkommen der marxistischen Theorie zu geben, werden die prekären Arbeitsverhältnisse von Fahrradbot*innen in der Gig Economy in Wien als Fallbeispiel herangezogen. Die Arbeit in der Gig Economy ist geprägt von flexiblen, befristeten Auftragsarbeiten, die in unterschiedlichen Dienstverhältnissen (freiberuflich, Schein/Selbstständigkeit, Teilzeit oder geringfügig) mit Hilfe von digitalisierten Plattformen den Dienstnehmer*innen zur Verfügung gestellt werden. Problemzentrierte Interviews mit Fahrradbot*innen von Wiener Lieferservice-Unternehmen wurden analysiert, um die Prekarität ihrer Arbeit mit der Klassenfrage zu verknüpfen. Die Aussagen über ihre Arbeitsbedingungen, ihr Klassenbewusstsein sowie ihre Selbstwahrnehmung zeigen, dass es sich bei der Arbeit im Bereich der Gig Economy um prekäre Arbeit handelt. Das bedeutet, dass ihre Arbeit unter Berücksichtigung verschiedener rechtlicher, materieller und sozialer Dimensionen unter ein Einkommens-, Schutz- und/oder soziales Integrationsniveau fällt. Durch die marxistische Klassenanalyse wird deutlich, dass digitale Arbeitsformen des 21. Jahrhunderts prekären Arbeitsverhältnissen entsprechen. Zur Emanzipation prekär beschäftigter Arbeiter*innen wäre ein Klassenbewusstsein notwendig, das sich abhängig von der individuellen Selbstwahrnehmung, den sozioökonomischen Grundvoraussetzungen und dem politischen Bewusstsein ergibt.
Abstract
(Englisch)
The basis of this master thesis is the Marxist class theory created in the 19th century with the aim of abolishing class society and the inherent inequality caused by capitalism. Looking at the changes in labor forms and class structures since then, it is striking that over time the working class has comprised a heterogeneous group of people, differing mainly in terms of social status, gender, age, and origin. The production-driven working class of the 19th and 20th centuries can therefore no longer be equated with today's class. Forms of work and em-ployment relationships are becoming more and more individualized and more oriented to-wards the function of the capitalist market economy: the accumulation of capital to increase the productivity and increase in sales of companies. The wage dependency, which results from the necessity of an employment relationship unites people into a working class. Class analysis is used in this thesis to question the structure of a working class that exists today. Each working person may have a class consciousness due to their employment relationship or be aware that their work and actions belong to that of a class. In order to give an insight into how forms of labor have changed since the advent of Marxist theory, the precarious working conditions of bicycle couriers in the gig economy in Vienna are used as a case study. Work in the gig economy is characterized by flexible, temporary con-tract work, which is made available to the service users in different employment relationships (freelance, [pseudo] self-employment, part-time or marginal) with the help of digitalized plat-forms. Problem-centered interviews with bicycle couriers of Viennese delivery service com-panies were analyzed to link the precariousness of their work with the class question. The statements about their working conditions, their class consciousness as well as their self-perception show that working in the gig economy is precarious work. This means that their work falls below a level of income, protection, and/or social integration, considering various legal, material, and social dimensions. Through Marxist class analysis, it becomes clear that digital forms of work in the 21st century correspond to precarious labor relations. For the emancipation of precariously employed workers, a class consciousness would be necessary, which depends on the individual self-perception, the basic socio-economic conditions and the political consciousness.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
marxistische Klassentheorie Klassengesellschaft Kapitalismus inhärente Ungleichheit Arbeitsformen Klassenstrukturen Arbeiterklasse
Schlagwörter
(Englisch)
working class class consciousness precarity precarious work Marxism gig economy Austria Vienna platform-based work
Autor*innen
Bianca Boros
Haupttitel (Deutsch)
Arbeiter*innenklasse heute
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine Fallanalyse über das Klassenbewusstsein prekär beschäftigter der Gig-Economy
Paralleltitel (Englisch)
Working class today
Paralleluntertitel (Englisch)
a case analysis of the class consciousness of precarious workers in the gig economy
Publikationsjahr
2022
Umfangsangabe
129 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Sabine Prokop
Klassifikation
70 Sozialwissenschaften allgemein > 70.00 Sozialwissenschaften allgemein: Allgemeines
AC Nummer
AC16594712
Utheses ID
63694
Studienkennzahl
UA | 066 | 589 | |
