Detailansicht
Wechselwirkungen von Gender, Migration und Sprache auf das Selbstwertgefühl
biografische Narrative über Erfahrungen in Wiener Bildungsinstitutionen
Daniela Hinderer
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Internationale Entwicklung
Betreuer*in
Sara Paloni
DOI
10.25365/thesis.72770
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-28132.64368.127289-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Ziel der Arbeit war es, zu einer differenzierten Betrachtung von Wechselwirkungen zwischen den Differenzkategorien Gender, Migration und Sprache auf das Selbstwertgefühl von jungen Frauen und Männern mit Flucht- und Migrationserfahrung beizutragen. Das Forschungsdesign bestand aus themenzentrierten biografisch-narrativen Interviews, welche mit einem intersektionalen Forschungsblick interpretiert wurden. Durch eine Perspektive, die die Erlebnisse und subjektiven Erfahrungen der Befragten in Bildungsinstitutionen in den Mittelpunkt stellt, wurde der Frage nachgegangen, ob es sich für junge Frauen mit Flucht- und Migrationserfahrung schwieriger gestaltet, aktiv am Unterricht teilzunehmen, weil ihr Selbstwertgefühl stärker von ihren sprachlichen Fähigkeiten beeinflusst wird als das von jungen Männern. Um geschlechtsspezifische Unterschiede fassbar zu machen und eine möglichst gute Vergleichsbasis zu schaffen, wurden die Interviews mit Z. (24) und ihrem Bruder M. (14), dessen Erzählungen als Kontrastfall herangezogen wurden, geführt. Beide sind 2016 aus Bagdad, Irak, nach Wien gekommen. Durch die bildungsbiografischen Narrative hat sich gezeigt, dass weder genderbezogene Unterschiede noch sprachliche Fähigkeiten allein einen Einfluss auf das Selbstwertgefühl haben erkennen lassen. Dennoch scheinen sowohl Z. als auch ihr Bruder M. ihr Selbstwertgefühl von ihren sprachlichen Fähigkeiten abhängig zu machen: Z. im negativen Sinne, weil sie viel Wert darauflegt, den vermuteten Erwartungen anderer Personen in ihrer Rolle als „angepasste Migrantin“ gerecht zu werden, ihren eigenen Ansprüchen aber nicht gerecht werden kann. M. im positiven Sinne, weil er stolz darauf ist, dass er es in kurzer Zeit geschafft hat, Deutsch zu lernen und selbstbewusst auf andere Personen zugehen kann. In den Fallvergleichen wurde deutlich, dass diesen unterschiedlichen Bedeutungen der sprachlichen Fähigkeiten für das Selbstwertgefühl weitere Bedingungsfaktoren zugrunde liegen. Einerseits war es das pädagogische Umfeld, das es M. in einer regulären Mittelschule ermöglicht hat, in Kontakt zu deutschsprachigen Schüler*innen zu treten, rasch die deutsche Sprache zu erlernen, eine neue Sprachgemeinschaft für sich zu erschließen, seine Identität in der Gesellschaft als „zugehörig“ neu zu verhandeln und dadurch ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Umstände, die Z. mit dem Eintritt ins österreichische Bildungssystem durch PROSA, eine private Bildungsinitiative für Jugendliche mit Flucht- und Migrationserfahrung, im Alltag verwehrt geblieben sind. Darüber hinaus haben sich die Lebenssituation von Z. und M. sowie das Alter, in dem sie sich die beiden zum Interviewzeitpunkt befanden, als wesentlich für das subjektive Erleben und empfundene Selbstwertgefühl herausgestellt.
Abstract
(Englisch)
This thesis aimed to shed light on the interactions between gender, migration and language on young migrants’ self-esteem. The research design consisted of topic-centred biographical narrative interviews, which were interpreted with an intersectional research perspective. By focusing on the interviewees` subjective experiences in educational institutions, the question was investigated whether it is more difficult for young migrant women to actively participate in class because their self-esteem is more strongly influenced by their language skills than that of young men. To make gender differences tangible and to create the best possible basis for comparison, biographical narrative interviews were conducted with Z. (24) and her brother M. (14), whose narratives were used as a contrasting case. Both came to Vienna from Baghdad, Iraq, in 2016. Through the educational biographical narratives, it has become apparent that neither gender-related differences nor linguistic abilities alone showed any influence on self-esteem. Nevertheless, both Z. and her brother M. seem to make their self-esteem dependent on their linguistic abilities: Z. in a negative sense, placing a lot of emphasis on living up to the presumed expectations of others in her role as an ‘adapted migrant’ cannot live up to her own standards. M. in a positive sense, being proud of himself as he has managed to learn German in a short time and can approach other people with confidence. The case comparisons made clear that these different meanings of their linguistic abilities for the related self-esteem are based on further conditional factors. On the one hand, it was the educational environment that enabled M., as a student in a regular middle school, to meet German-speaking pupils, to quickly learn the German language, to get access to a new language community, to renegotiate his identity in society as `belonging` and thus to develop a healthy self-esteem. Circumstances that were denied to Z. by entering the Austrian education system through PROSA, a private education initiative for young migrants. In addition, the living situation of Z. and M. as well as the age, they were at the time of the interview, turned out to be essential for their subjective experience and perceived self-esteem.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Gender Migration Sprache Intersektionalität Selbstwert
Autor*innen
Daniela Hinderer
Haupttitel (Deutsch)
Wechselwirkungen von Gender, Migration und Sprache auf das Selbstwertgefühl
Hauptuntertitel (Deutsch)
biografische Narrative über Erfahrungen in Wiener Bildungsinstitutionen
Publikationsjahr
2022
Umfangsangabe
68 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Sara Paloni
AC Nummer
AC16706746
Utheses ID
64864
Studienkennzahl
UA | 066 | 589 | |
