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Wie Frauen wohnten: Geschlecht und Emanzipation im kollektiven Wohnbau "Heimhof Frauenwohnheim" in Wien
Fragmente einer Frauenbewegungsgeschichte
Lucia Wieger
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Gender Studies
Betreuer*in
Maria Mesner
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.73144
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-17315.59051.437169-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten Frauen in Wien nur wenige Möglichkeiten selbstständig, ohne ihre Familien, Ehemänner oder Arbeitgeber*innen zu wohnen. Eine Ausnahme war das Einküchenhaus Heimhof Frauenwohnheim, das im Oktober 1911 im 19. Wiener Gemeindebezirk eröffnet wurde. Das Heimhof Frauenwohnheim war ein genossenschaftlich organisiertes Wohnmodell, das „alleinstehenden, in bürgerlichen Berufen arbeitenden“ Frauen neben privaten Wohnzimmern auch kollektive Wohn- und Hauswirtschaftsräume bot. Die Idee zum Wiener Einküchenhaus war zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Wien im Kontext der radikalen bürgerlichen Frauenbewegung entstanden, die prekäre Wohn- und Arbeitsverhältnisse von erwerbstätigen Frauen kritisierte und diskutierte. In meiner Arbeit erforsche ich das Heimhof Frauenwohnheim im Kontext der radikalen bürgerlichen Frauenbewegung und frage nach Formen der Emanzipation und Konstruktionen von Geschlecht, die in diesem Projekt möglich wurden. Schon zu Beginn meiner Recherche stellt sich heraus, dass die Quellenlage zum Heimhof Frauenwohnheim lückenhaft und fragmentarisch ist. Quellen, die über das Zusammenleben im Heimhof erzählen könnten, konnte ich mit Ausnahme der auto/biographischen Aufzeichnungen der Adolfine Schumann keine finden. Ziel meiner Arbeit war es, diese Lücken zu erforschen und aufzuarbeiten. Die Analyse der ausgewählten historischen Quellen zeigt, dass das Wohnmodell Heimhof Frauenwohnheim zwar den Lebensalltag bürgerlicher Frauen erleichterte und ihnen selbstbestimmte Lebenskonzepte ermöglichte. Fragen nach der (Um)Verteilung von unbezahlter Hausarbeit der bürgerlichen Frauen zu bezahlten Tätigkeiten der Arbeiter*innen im Einküchenhaus blieben aber unreflektiert. Unterdrückende gesellschaftliche Strukturen konnten nur für bürgerliche Frauen verändert werden, die Klassenfrage im Heimhof Frauenwohnheim blieb weitgehend unhinterfragt.
Abstract
(Englisch)
In the early 20th century in Vienna, women had only few opportunities to live independently without relying on their families, husbands, or employers. One of the rare exceptions was the single-kitchen-building Heimhof Frauenwohnheim (Heimhof Residential Home for Women), which offered cooperatively organized housing to single, employed middle-class women. The building officially opened in 1911 in Vienna’s 19th district providing private rooms as well as collective spaces for living and communal houshold facilities for its residents. Heimhof Frauenwohnheim was established in the context of the radical women’s movement in the early 20th century in Vienna, which loudly criticised women’s precarious working and housing conditions. The single-kitchen-building aimed to liberate women from unwaged domestic work and to enable them to engage in emancipatory social and spatial relations. In my thesis, I discuss the single-kitchen-building Heimhof Frauenwohnheim as part of the radical women’s movement. I investigate if and how the housing project allowed for emancipatory social structures and gender constructions. In order to explore these questions, I draw on historical sources such as official records, as well as auto/biographical documents of residents. Early on in my research, it became clear that the sources about Heimhof Frauenwohnheim are only fragmentary and essential documents, which could give an account of the residents’ everyday life, their working and housing conditions, or relationships, are rare. Thus, one of the core aims of my research was to investigate and work with these gaps in sources. By analysing existing documents I can show how the single-kitchen-building Heimhof Frauenwohnheim fostered emancipatory changes in the lives of middle-class women. However, the Heimhof Frauenwohnheim project did not manage to critically address the distribution of household labor – as the unpaid domestic work of middle-class women was simply taken over by paid working class women. Therefore, oppressive social structures were only transformed for middle-class women, while issues of class and class relations were barely questioned by the ideas of the Heimhof Frauenwohnheim.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Frauenbewegung kollektive Wohnformen Emanzipation Geschlecht Wien
Schlagwörter
(Englisch)
women´s movement collective housing emancipation gender Vienna
Autor*innen
Lucia Wieger
Haupttitel (Deutsch)
Wie Frauen wohnten: Geschlecht und Emanzipation im kollektiven Wohnbau "Heimhof Frauenwohnheim" in Wien
Hauptuntertitel (Deutsch)
Fragmente einer Frauenbewegungsgeschichte
Publikationsjahr
2023
Umfangsangabe
248 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Maria Mesner
Klassifikationen
15 Geschichte > 15.60 Schweiz. Österreich-Ungarn. Österreich ,
71 Soziologie > 71.20 Formen des Zusammenlebens. Allgemeines ,
71 Soziologie > 71.24 Alleinstehende ,
71 Soziologie > 71.33 Frau ,
71 Soziologie > 71.38 Soziale Bewegungen
AC Nummer
AC16779368
Utheses ID
66051
Studienkennzahl
UA | 066 | 808 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1