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Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsbildung von Zweisprachigen
ein Vergleich zwischen deutsch-spanischen und deutsch-polnischen Sprechern
Karoline Gawrzynski
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Georg Kremnitz
DOI
10.25365/thesis.890
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30238.41990.623861-8
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Lange Zeit blieb Zweisprachigkeit sowohl beim Individuum als auch als gesellschaftliches
Phänomen in der Wissenschaft unbeachtet. Erst am Beginn des 19 Jahrhunderts begann man
sich näher mit dem Thema zu beschäftigen. So gehen aus den ersten wissenschaftlichen
Untersuchungen der 20er und 30er Jahre hauptsächlich negative Aspekte des Bilingusimus
hervor: ein kognitives Defizit, weniger Motivation und Leistungsfähigkeit, niedrigere
Intelligenz und schlechte Beherrschung beider Sprachen. Erst nach 1960 stellt man
zunehmend auch positiven Einfluss der Zweisprachigkeit auf die Persönlichkeit fest.
Annahmen von einer höheren Intelligenz, Leichtigkeit beim Erlernen weiterer Sprachen,
größeres Kulturverständnis und eine Reihe positiver Charaktereigenschaften traten an Stelle
der existierenden Vorurteile.
Die Schwierigkeit einer näheren Beschäftigung mit dem Thema Bilinguismus liegt nicht nur
im Fehlen einer definitorischen Basis sondern vor allem in der Tatsache, dass
Zweisprachigkeit durch sehr individuelle Faktoren bedingt ist und von jedem anders gelebt
und empfunden wird. Daher besitzen jegliche Forschungsergebnisse zum Thema
Zweisprachigkeit nur selten Allgemeingültigkeit, sondern sind vielmehr Versuche, durch
nähere Auseinandersetzung mit dem Thema zu einem besseren Verständnis des Phänomens
zu gelangen. Vorteilhaft ist, wenn ihre Untersuchung durch einen interdisziplinären Ansatz
erfolgt, an dem mehrere Wissenschaften beteiligt sind.
Neben zahlreichen Definitionen des Begriffs, die von minimaler bis vollendeter linguistischer
Kompetenz reichen, finden sich auch eine beträchtliche Anzahl von Erscheinungsformen des
Bilinguismus. Fest steht lediglich, dass es sich bei der Beschreibung von Bilinguismus um die
Existenz bzw. das gleichzeitige Auftreten von zwei oder mehrern Sprachen handelt.
Anhand sechs durchgeführter Interviews mit Bilingualen zweier unterschiedlicher
Sprechergruppen (Deutsch/Polnisch und Deutsch/Spanisch) wurde versucht, Vorteile und
Nachteile einer natürlichen Zweisprachigkeit zu erörtern und ihren Einfluß auf Persönlichkeit
und Identitätsbilung zu untersuchen. Besonders Augenmerk lag dabei auf der Frage, ob das
Beherrschen zweier im Bezug auf Prestige unterschiedlicher Sprachen auch Unterschiede in
den Forschungssergebnissen liefern würde. Diese ergaben, dass die Schwierigkeiten, die bei
der Bildung von Identität auftreten, nicht durch die Sprachsituation selbst, sondern vielmehr
aus den sozialen und kulturellen Implikationen der Sprache resultieren. Obwohl das Beherrschen einer prestigeärmeren Sprache deutlich negativere Effekte auf ihren Gebrauch
hat, können sowohl Sprecher prestigeärmerer als auch prestigereicherer Sprachen mit
Identifikationsproblemen beziehungsweise dem Gefühl zu keiner ethnischen oder nationalen
Gruppe zu gehören, konfrontiert sein. Ausschlaggebend für ihr Auftreten oder das Gegenteil,
eine erfolgreiche Integration beider Sprachen und Kulturen in die eigene Persönlichkeit, sind
in erster Linie Reaktionen der unmittelbaren Umgebung. Es ist anzunehmen, dass die
Konfrontation mit zwei Sprachen und Kulturen von Beginn an (etwa im Falle eines
bilingualen/bikulturellen Elternhauses) dem Zweisprachigen diesen Balanceakt erleichtert.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Bilinguismus Identität
Autor*innen
Karoline Gawrzynski
Haupttitel (Deutsch)
Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsbildung von Zweisprachigen
Hauptuntertitel (Deutsch)
ein Vergleich zwischen deutsch-spanischen und deutsch-polnischen Sprechern
Publikationsjahr
2008
Umfangsangabe
165 S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Georg Kremnitz
Klassifikationen
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.06 Sprachwissenschaft: Allgemeines ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.23 Mehrsprachigkeit
AC Nummer
AC07005097
Utheses ID
669
Studienkennzahl
UA | 236 | 352 | |
