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Culinary memories and identity establishing food practices in the area of Dinaric-tribal Montenegro
Itana Cupic
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium DDP CREOLE-Cultural Differences and Transnational Processes
Betreuer*in
Maria Dabringer
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.73636
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-31455.09044.660575-6
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende ethnographische Studie konzentriert sich auf aktuelle gesellschaftliche Zusammenhänge in Montenegro vor dem historischen Hintergrund einer sogenannten ‘Kriegerkultur’. Die damit verbundene politische Instabilität führte in breiten Bevölkerungsgruppen zu Gleichgültigkeit und einer gewissen Widerstandsfähigkeit gegenüber Veränderungen und Neuheiten. Die Studie wurde von 2021 bis 2022 im zentralmontenegrinischen, ‘dinarisch-tribalen’ Gebiet des Landes durchgeführt. ‘Kulinarische Erinnerungen’ und Konsumpraktiken werden in den Blick genommen, um sozioökonomische Prozesse und Dynamiken im Hinblick auf identitätsstiftende lokale Lebensmittelpraktiken in einem globalisierten Kontext zu diskutieren, was als ein zentrales Anliegen der Anthropologie gelten kann. Ziel der Studie ist es, identitätsstiftende Prozesse rund um die lokalen Lebensmittelpraktiken in einem globalisierten Kontext aufzudecken, unter besonderer Berücksichtigung aktueller Entwicklungen wie u.a. staatliche Unterstützungsprogramme, Lebensmittelverteilung oder auch Repräsentationen der Konsumkultur, welche insgesamt die Vielfalt lokaler und globaler Ernährungsmuster zeigen. Der erste Teil dieser Arbeit konzentriert sich auf Theorien, welche wichtige Elemente anthropologischer Ansätze untermauern. Diese wurden im Prozess der Codierung der (biografischen) Interviews sowie in gesprächen mit Expert*innen wichtig und bilden damit den Kern der vorliegenden Masterthese. Unter Zuhilfenahme theoretischer Ansätze werden in dieser Arbeit empirisch erhobene Datenmaterialien analysiert und Themen behandelt wie u.a. die Produktion, Distribution und Konsumption von Nahrungsmitteln, der spezifische Gebrauch von Produkten, Arbeitsbedingungen und das Erleben von Hunger und Mangel in Gebieten mit sogenannten ‘stammesähnlichen’ Sozialstrukturen. Identitätszuschreibungen und die Auseinandersetzung mit Erinnerungen der Informant*innen, die Diskussion des Begriffs der ‘erfundenen Traditionen’ sowie Fragen der nationalen Zugehörigkeit sind wichtige Elemente dieser Arbeit. Dabei spielt auch das Fehlen anthropologischer Literatur über Montenegro und die Entwicklung der Wissenschaft in der Mittelmeerregion eine nicht unwesentliche Rolle. Ein weiterer Abschnitt versucht die immense Bedeutung der historischen, geographischen, politischen und sozialen Rahmenbedingungen in der erforschten Region zu erklären, ohne die das montenegrinische Ernährungssystem nicht ethnographisch erfasst werden kann. Dies beinhaltet auch die detaillierte Erkundung der wichtigsten wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, der politischen Dynamiken rund um die Annäherung des Landes in die Europäische Union und die Analyse der historischen Entwicklung einer nationalen Identität des kürzlich erst unabhängig gewordenen Landes. Diese Informationen sind entscheidend, um den notwendigen Kontext für das Verständnis der Geschichte und Gegenwart des anthropologischen Feldes zu liefern. Das Ziel ist es, den Leser*innen ein historisch eingebettetes Verständnis der dinarisch-montenegrinischen Konsumkultur zu ermöglichen, was durch die Analysen der biografischen Interviews im zweiten Teil der Arbeit unterstützt wird. Ein weiterer Teil der Arbeit konzentriert sich auf Daten, die auf Basis teilnehmender Beobachtungen und biografisch-themenzentrierter Interviews mit Bürgerninnen Montenegros aus den dinarischen Gebieten des ‘Alten Montenegros’ erhoben wurden. Diese Region stellt ein wichtiges Segment für die Konstituierung des nationalen Selbstbewusstseins dar. Diese Tatsache ist entscheidend, um die identitätsstiftenden Aspekte sowohl des öffentlichen als auch des privaten Sektors der montenegrinischen Gesellschaft zu verstehen. Daher soll die Studie durch die Verwendung eines induktiven Ansatzes und die Analyse von ‘Konsum-Erinnerungen’ Menschen in ihren Lebenszusammenhängen sichtbar und das Ernährungssystem auf Grundlage biographischer Erfahrungen verständlich machen. Die Zusammenschau von Literatur und empirischen Daten ermöglicht es, die Forschungsfragen zu beantworten. Darüber hinaus wird es möglich, die montenegrinische Gesellschaft durch die Essgewohnheiten und deren Analyse zu verstehen. Die Studie zeigt u.a. auch, welche der noch immer bestehenden patriarchalen Strukturen (Mann = öffentlich / Frau = häuslich) in der ‘stammesähnlichen’ strukturierten Region die Essgewohnheiten im Alltag der Bewohnerinnen des ‘Alten Montenegros’ und insbesondere in der Hauptstadt Podgorica beeinflussen. Schließlich diskutiert die Studie zusätzliche Aspekte wie z.B. die Auswirkungen globaler Dynamiken sowie makroökonomischer Faktoren auf das lokale Ernährungssystem. Daher widmet sich der dritte Teil der Analyse den Expert*innen-Interviews, die mit Vertreter*innen von montenegrinischen Institutionen geführt wurden. Darüber hinaus wird gezeigt, wie sich im aktuellen global-lokalen Ernährungssystem der urbanen Räume historische als auch rezente sozio-ökonomische Entwicklungen spiegeln und damit als Teil der montenegrinischen Identität gelten können. In diesem Zusammenhang ist das Konzept der ‘erfundenen Traditionen’ von besonderer Bedeutung und hilft dabei, zu verstehen, wie spezifische Ängste, die sich auf historische Entwicklungen und damit verbundene Erinnerungen gründen, die aktuellen Entwicklungen der Ernährungssysteme in Zentralmontenegro beeinflusst haben.
Abstract
(Englisch)
This ethnographic study focuses on a society with a historical context of ‘warrior culture’ that due to experienced political instability resulted in indifference and a certain resistance towards change and novelty. Conducted between 2021 and 2022 in the ‘Dinaric-Tribal’ Central Montenegro area, it focuses on culinary memories and food practices as a means to achieve socio-ecomonic processes and dynamics as regards identity-establishing local food practices in a globalized context, which is central to anthropology. The research aims to uncover the processes of identity-establishing local food practices in a globalized context, including current developments such as support programs, food distribution, and food representations that display the diversity of local-global food patterns. The first part of this work is focused on theories that underpin key elements of anthropological approaches that emerged as important in the process of coding the biographical interviews, creating the main body of the thesis. These concepts cover topics such as food, work, and hunger in 'tribal' areas, food, identity, and memories, as well as the concept of invented traditions, and nationality. Additionally, it addressed the lack of anthropological literature on Montengro and the development of science in the Mediterranean region. A subsequent section emphasizes the importance of gaining a comprehensive understanding of the historical, geographical, political, and social contexts that shaped Montenegrin food system. This includes a detailed exploration of the major economic trends, political orientations toward integration with the European Union, and the establishment of a national identity of the newly independent country. This contextual information is crucial in providing the necessary context for the forthcoming claims about the past and present, allowing readers to gain a sense of understanding of the periods and events that will emerge during the analyses of biographical interviewees in the second part of the thesis. The second part focuses on observations and biographical interviews with citizens of Montenegro, coming from the Dinaric areas of 'Old Montenegro'. This region represents a strong segment to understand the identity-establishing aspects of both the public and private sectors of Montenegrin society. Therefore, by using an inductive approach and analyzing memories, the study aims to bring visibility to the respondents and the nutrition system. The synopsis of literature and empirical data makes it possible to answer the research questions. Furthermore, it becomes possible to understand Montenegrin society through eating habits and their analysis. The study shows which of the currently still existing patriarchal domestic ideologies (male=public/female=domestic) in the ‘tribal’ region influence the food patterns in the everyday life of the inhabitants of ‘Old Montenegro’ and especially Podgorica (capital of both the country and Central region). Finally, the study proceeds to discuss additional aspects e.g., global flows of macro-economic factors and the impacts of global dynamics on the local food system. Therefore, the third part is dedicated to analyzing the narratives of institutions and the urban-public domain regarding food representations and culinary heritage, as part of a coherent cultural identity. In this context, the concept of ‘invented traditions’ is of special importance and helps to understand how specific anxieties resulting from historical developments and associated memories may have influenced the current developments of food systems in Central Montenegro.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Anthropologie der Ernährung Essensgeschichte Konsumption Mittelmeerraum Stammes Dinarisch Montenegro Erinnerungen
Schlagwörter
(Englisch)
Anthropology of Food Food History Food Consumption Mediterranean Area Tribal Dinaric Montenegro Memories
Autor*innen
Itana Cupic
Haupttitel (Englisch)
Culinary memories and identity establishing food practices in the area of Dinaric-tribal Montenegro
Paralleltitel (Deutsch)
Kulinarische Erinnerungen und Identitätsbildende Ernährungspraktiken im Gebiet des dinarischen Stammes Montenegro
Publikationsjahr
2023
Umfangsangabe
135 Seiten : Illustrationen
Sprache
Englisch
Beurteiler*in
Maria Dabringer
Klassifikation
73 Ethnologie > 73.29 Materielle Kultur. Sonstiges
AC Nummer
AC16867494
Utheses ID
66965
Studienkennzahl
UA | 066 | 656 | |
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