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Zwischen politischem Katholizismus, bürgerlichem Liberalismus und ideellem Konservativismus?
die Christlichsoziale Partei und ihre ideengeschichtliche Ausrichtung im Alten Österreich
Matthias Widhalm
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Lehramt Sek (AB) UF Deutsch UF Geschichte und Politische Bildung
Betreuer*in
Peter Becker
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.74640
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-24162.57174.615799-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Das lange 19. Jahrhundert war für die weitere politische Entwicklung der Habsburgermonarchie eines der prägendsten. Es folgte den Wirren der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege, welche die Staatenwelt Europas unwiederbringlich verändert hatten. Neue staatspolitische, gesellschaftliche und ideengeschichtliche Ansichten waren gesät; der Konstitutionalismus wurde vom Bürgertum energisch vorangetrieben. Zugleich befanden sich Wirtschaft und Gesellschaft in einem radikalen Umbruch. Die Industrielle Revolution wandelte die konventionellen Sozialgefüge. All diese Faktoren sollten in den Forderungen der bürgerlichen Revolution des Jahres 1848 kulminieren. Der Wunsch nach einer konstitutionellen Monarchie war ein zentrales Begehren der Revolutionäre. Trotz anfänglicher Zugeständnisse war es dem Haus Habsburg-Lothringen vorerst gelungen, zum Neoabsolutismus (1851-1860) zurückzukehren. Erst die militärischen Niederlagen der Francisco-Josephinischen Ära (1848-1916) zwangen den Kaiser zu partizipatorischen Konzessionen. Hiermit begann der österreichische Frühparlamentarismus. Der politische Katholizismus sollte zu einer der wichtigsten Strömungen desselben werden. Seine Grundzüge gehen im Wesentlichen ebenfalls auf die Französische Revolution zurück. In der Habsburgermonarchie sollten Klemens Maria Hofbauer und Karl von Vogelsang zu seinen geistigen Vordenkern werden. Der politische Katholizismus blieb lange in verschiedene Bewegungen gespalten. Erst im Jahr 1893 konnte ein Großteil in der Christlichsozialen Partei gesammelt werden. Sie vereinte in sich bürgerliche, konservative, liberale und katholische Ansichten. Zu den bekanntesten Persönlichkeiten dieser ‚Gründergeneration‘ zählten Dr. Karl Lueger, Karl von Vogelsang, Alois von Liechtenstein, Albert Geßmann und Franz Martin Schindler. Ihr Zusammenspiel ermöglichte ihren Aufstieg zur Massenpartei. Ihr unumstrittener Anführer war Dr. Karl Lueger; eine bis heute höchst strittige Person. Er entstammte ursprünglich dem liberalen Lager, wandelte sich aber schlussendlich zu einem der größten Gegner des Liberalismus‘. Er war in gleichem Maße ein begnadeter Redner und Demagoge. Ihm war kaum an einer ideologischen Festigung seiner Partei gelegen; er scheute sie geradezu. Sein Streben galt voll und ganz dem Amt des Wiener Bürgermeisters. Um es zu erringen, tradierte er bestehende Feindbilder. Sein effizientestes Mobilisierungsmittel war der religiös-ökonomische Verbalantisemitismus. Da es Lueger vermieden hatte, seiner Partei nachhaltige Strukturen zu schaffen, folgte auf seinen Tod (1910) der Abstieg der mächtigen Stadtpartei. Ihre Föderalisierung schritt unaufhörlich voran. In den chaotischen Herbsttagen des Jahres 1918 erfolgte der Aufstieg einer neuen Führungsgeneration des Christlichsozialen. Sie unterschied sich weltanschaulich spürbar von den einstigen Gefolgsmännern Luegers. Der Umbau des Staates nach christlich-ständischem Muster war ihre Maxime; ihr berühmtester Vertreter war der Prälat Ignaz Seipel. In diesem Sinne ist die vorliegende Masterarbeit beflissen, anhand qualitativ-vergleichender Analysen autobiographischer, programmatischer, literarischer und philosophisch-theologischer Textzeugnisse aufzuzeigen, welche Geistesströmungen und Faktoren die Ansichten und Programme der Christlichsozialen Partei dominierten. Der zeitliche Rahmen erstreckt sich dabei von ihren weltanschaulichen Wurzeln im langen 19. Jahrhundert bis zur Ausrufung der Ersten Republik (1918). Folgerichtig ist die Frage leitend, welche Kräfte die ideologische Ausrichtung der Christlichsozialen Partei im alten Österreich beherrschten.
Abstract
(Englisch)
The long 19th century was probably the most formative period for the development of modern parliamentarism in the Habsburg Monarchy. It followed the radical changes of the French Revolution and the Napoleonic Wars, which had irreversibly shaped the political system of Europe. New political, societal, and ideological perspectives emerged. The wish for a constitution was mainly promoted by the bourgeoisie. At the same time, economy and society were undergoing radical transformations. The Industrial Revolution was transforming traditional social structures. All these factors culminated in the demands of the revolution of 1848. The desire for a constitutional monarchy was a central demand of the revolutionaries. Despite initial compromises, the House of Habsburg-Lorraine had managed to return to ‘Neoabsolutism’ (1851-1860). But due to the military defeats of the ‘Francisco-Josephine-Era’ (1848-1916) emperor Francis Joseph I. had to grant bit by bit participatory concessions. Those were the beginning of the Austrian early parliamentary system. ‘Political Catholicism’ would become one of its most significant movements. Its roots dated back to the days of the French Revolution. In the Habsburg Empire Klemens Maria Hofbauer and Karl von Vogelsang became its intellectual forerunners. For decades, ‘Political Catholicism’ has been divided into various movements. In 1893 most of these movements were unified in the Christian Social Party, which combined bourgeois, conservative, liberal, and Catholic views. Dr. Karl Lueger, Karl von Vogelsang, Alois Liechtenstein, Albert Geßmann, and Franz Martin Schindler were among the most influential personalities of this ‘founding generation’. Only their synergy enabled its rise to a mass party. Dr. Karl Lueger was the undisputed leader of this movement. Until the present day he remains a highly controversial historic figure. Originating from the Liberals, he became one of their biggest opponents. He was an eloquent speaker and demagogue; however, he was not particularly interested in the ideological or structural consolidation of his party. In fact, he avoided it for many years. His main goal was to become the mayor of Vienna. To achieve this aim, he mainly used a policy basing on populism and stereotypes. The most efficient mobilization tool was undoubtedly his mostly religiously and economically motivated verbal anti-Semitism. After his death in 1910, the powerful Christian Social Party collapsed. The federalization of the Christian Social Party continued. In the chaotic days of autumn 1918, a new generation of Christian Social leaders emerged. They were ideologically distinct from Lueger's former followers. Their maxim was the transformation of the state according to the sample of Christian theories of state. Their most famous representative was Ignaz Seipel. Consequently, this master's thesis intends to show through qualitative-comparative analyses of autobiographical, programmatic, literary, and philosophical-theological texts, which intellectual trends and factors dominated the views and writings of the Christian Social Party. Its time frame ranges from the ideological roots of ‘Political Catholicism’ in the long 19th century to the proclamation of the First Republic in 1918. So, the focus should be on the multiple factors which dominated the ideological formation of the Christian Social Party in ‘Old Austria’.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Karl Lueger Bürgermeister Wien Christlichsozial Christlichsoziale Christlichsoziale Partei Volksverein politischer Katholizismus Ultramontanismus Jahrhundertwende Wien Alois Aloys Liechtenstein Alfred Ebenhoch konservativ Vogelsang Freiherr von Franz Martin Schindler Theologie Ignaz Seipel Ideologie katholisch Soziallehre Sozialethik Enzyklika Rerum Novarum Leo XII
Schlagwörter
(Englisch)
Karl Lueger Mayor Vienna Christian Social Christian Social Christian Social Party Volksverein political Catholicism Ultramontanism turn of the century Vienna Alois Aloys Liechtenstein Alfred Ebenhoch conservative Vogelsang Freiherr von Franz Martin Schindler theology Ignaz Seipel ideology Catholic social teaching social ethics encyclical Rerum Novarum Leo XIII Emp
Autor*innen
Matthias Widhalm
Haupttitel (Deutsch)
Zwischen politischem Katholizismus, bürgerlichem Liberalismus und ideellem Konservativismus?
Hauptuntertitel (Deutsch)
die Christlichsoziale Partei und ihre ideengeschichtliche Ausrichtung im Alten Österreich
Publikationsjahr
2023
Umfangsangabe
160 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Peter Becker
Klassifikationen
02 Wissenschaft und Kultur allgemein > 02.00 Wissenschaft und Kultur allgemein. Allgemeines ,
02 Wissenschaft und Kultur allgemein > 02.10 Wissenschaft und Gesellschaft ,
10 Geisteswissenschaften allgemein > 10.01 Geschichte der Geisteswissenschaften ,
10 Geisteswissenschaften allgemein > 10.02 Philosophie und Theorie der Geisteswissenschaften ,
11 Theologie > 11.50 Kirchengeschichte. Dogmengeschichte ,
11 Theologie > 11.54 Katholizismus ,
11 Theologie > 11.62 Christliche Ethik ,
15 Geschichte > 15.06 Politische Geschichte ,
15 Geschichte > 15.07 Kulturgeschichte ,
15 Geschichte > 15.08 Sozialgeschichte ,
15 Geschichte > 15.36 Europäische Geschichte 1815-1914 ,
15 Geschichte > 15.43 Deutsche Geschichte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ,
15 Geschichte > 15.60 Schweiz. Österreich-Ungarn. Österreich ,
89 Politologie > 89.05 Politische Theorie ,
89 Politologie > 89.1 89.1 ,
89 Politologie > 89.12 Liberalismus ,
89 Politologie > 89.13 Christliche Demokratie
AC Nummer
AC16979982
Utheses ID
67845
Studienkennzahl
UA | 199 | 506 | 511 | 02
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1