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So ähnlich und doch so verschieden
ein Vergleich zweier deutscher Übersetzungen des Romans "Der Spieler" von Fjodor Dostojewski
Daria Shulgina
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Zentrum für Translationswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Translation Deutsch Russisch
Betreuer*in
Waltraud Kolb
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.75047
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-12673.54786.213959-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
In der vorliegenden Masterarbeit wird das Thema Neuübersetzen anhand des Romans Der Spie-ler von Fjodor Michailowitsch Dostojewski behandelt. Dabei werden zwei deutschsprachige Übersetzungen des Romans – die eine vom deutschen Übersetzer Hermann Röhl aus dem Jahr 1919, die andere vom österreichischen Übersetzer Alexander Nitzberg aus dem Jahr 2016 – verglichen. Dafür wird das Vergleichsmodell von Christiane Nord, welche sowohl textinterne als auch textexterne Faktoren miteinbezieht, herangezogen. Der Vergleich wird unter Berücksichtigung des Zeitfaktors durchgeführt – immerhin liegen beide Übersetzungen beinahe 100 Jahre auseinander. Überdies wird auf die Übersetzungsproblematik beim Vorliegen eines mehrsprachi-gen Ausgangstextes eingegangen. Das Neuübersetzen und die damit einhergehende Problematik wurde in den letzten Jahrzehnten verstärkt zum Gegenstand der translationswissenschaftlichen Forschung, nicht zuletzt durch die sogenannte „retranslation hypothesis“ (dt. Neuübersetzungshypothese), welche in der translatorischen Welt viel Ansehen erlangte, aber auch viel Kritik erntete. Auf das Konzept der Neuübersetzungshypothese wird auch in dieser Arbeit Bezug genommen. Die beiden Übersetzungen werden im Rahmen der Analyse auf die Übereinstimmung mit der Neuübersetzungshypothese geprüft. Die Neuübersetzungshypothese wird oft als Übersetzungsuniversalie, also eine Tendenz, betrachtet. Im Rahmen der Untersuchung stellt sich heraus, dass auch andere Übersetzungsuniversalien, die in vielen Übersetzungen identifiziert werden können, in den untersuchten Übersetzungen eine Rolle spielen. Die erste Forschungsfrage beschäftigt sich mit der Neuübersetzungshypothese und prüft, ob deren Annahme auch in diesem Fall anwendbar ist: Kann man behaupten, dass die Neuüber-setzung von Alexander Nitzberg der Neuübersetzungshypothese entsprechend näher am Original liegt? Die zweite Forschungsfrage bezieht sich auf Mehrsprachigkeit im Zusammenhang mit Translation: Welche translatorischen Entscheidungen treffen Röhl und Nitzberg beim Übersetzen von Dostojewskis Mehrsprachigkeit (Russisch-Französisch-Deutsch)? Die dritte Forschungsfrage prüft das Vorhandensein von Übersetzungsuniversalien: Lassen sich in den beiden Übersetzun-gen bestimmte Übersetzungsuniversalien, also Übersetzungsmuster, erkennen? Im Laufe der vergleichenden Analyse wurden 21 Textpassagen aus dem gesamten Text analysiert. Für die meisten Textpassagen wurde festgestellt, dass die frühere Übersetzung von Hermann Röhl sowohl auf lexikalischer als auch auf semantischer und syntaktischer Ebene näher am Original liegt als die Übersetzung von Alexander Nitzberg. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass die Übersetzung von Hermann Röhl aus dem Jahr 1919 sehr ausgangstextbezogen ist: Röhl übersetzt teilweise fast wortwörtlich aus dem Russischen. Nitzberg übersetzt viel freier und weicht öfter und auf allen Ebenen vom Originaltext ab. So widerspricht diese Fallstudie die Neuübersetzungshypothese von Antoine Berman. Die Verfasserin möchte allerdings hervorheben, dass die Nähe der früheren Übersetzung am Original im Umkehrschluss keine allgemeingültige Aussage darstellen soll. Vielmehr geht es um eine Tendenz, die beispielsweise hier in den meisten analysierten Textpassagen festgestellt wurde. In Bezug auf Übersetzungsuniversalien lässt sich sagen, dass diese in beiden Übersetzungen zu finden sind. Hermann Röhl übersetzt oft explizierend und greift vor allem auf syntaktischer Ebene zur Übersetzungsuniversalie der Explikation. Alexander Nitzberg übersetzt weniger oft explizierend, setzt aber oft Vereinfachungen und Generalisierungen ein, wodurch seine Übersetzung für die heutige Leserschaft zugänglicher wird. Nicht zuletzt liefert die Betrachtung der Übersetzungen in Hinblick auf die Mehrsprachigkeit die Erkenntnis, dass vor allem die deutsch-russische Mehrsprachigkeit die meisten translatorischen Schwierigkeiten bereitet. Diese ist im russischsprachigen Text an der Textoberfläche erkennbar. Da die Sprache des Zieltextes Deutsch ist und mit der eingebetteten Sprache übereinstimmt, geht die explizite Mehrsprachigkeit verloren, wenn man diese nicht beispielsweise an-hand von einer inquit-Form kennzeichnet. Bei dieser Analyse wurde deutlich, dass im Laufe der beiden Übersetzungen die deutsch-russische Mehrsprachigkeit zum Teil verloren geht, da weder Röhl noch Nitzberg diese explizit kennzeichnen. Bezüglich der französisch-russischen Mehrsprachigkeit lässt sich sagen, dass Nitzberg diese besser ins Deutsche übertragen kann als Röhl.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Neuübersetzen Dostojewski Berman Übersetzungsuniversalien Mehrsprachigkeit Neuübersetzungshypothese
Autor*innen
Daria Shulgina
Haupttitel (Deutsch)
So ähnlich und doch so verschieden
Hauptuntertitel (Deutsch)
ein Vergleich zweier deutscher Übersetzungen des Romans "Der Spieler" von Fjodor Dostojewski
Publikationsjahr
2023
Umfangsangabe
126 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Waltraud Kolb
Klassifikation
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.45 Übersetzungswissenschaft
AC Nummer
AC17037762
Utheses ID
69512
Studienkennzahl
UA | 070 | 331 | 360 |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1