Detailansicht

Produktion und Perzeption des alveolaren Trill [r] in bairischen Varietäten Österreichs
eine artikulatorische Pilotstudie mittels UTI-Messung
Nina Weihs
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Deutsche Philologie
Betreuer*in
Eva Reinisch
Volltext in Browser öffnen
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.75254
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-24409.54373.491335-9
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Diese Pilotstudie untersuchte die akustischen und artikulatorischen Merkmale des alveolaren Trills [r] im österreichischen Standarddeutsch anhand drei Sprecherinnen aus Niederösterreich. Obwohl eine Sprecherin monolingual Österreichisch Deutsch aufgewachsen ist, wird diese manchmal auf eine eventuelle allochthone Herkunft angesprochen. Es galt mögliche Differenzen zu den anderen Sprecherinnen herauszuarbeiten, wovon eine Sprecherin bilingual Polnisch- Deutsch aufgewachsen ist und noch nie mit einer möglichen allochthonen Herkunft konfrontiert wurde. Durch die Triangulation von instrumentalphonetischen Analysen, darunter Spektrogramme für akustische Daten und Ultraschallbilder der Zungenkonturen (UTI) für artikulatorische Daten, sowie die Berücksichtigung der Sprachbiografien und des Spracherlebens der Sprecherinnen, wurde versucht, Unterschiede in der Produktion des alveolaren Trills zu ermitteln. Die Auswertung der akustischen Daten ergab, dass [r] in der Mehrheit der Realisierungen mit einem Verschluss artikuliert wurde. Der alveolare Trill zeigte sich als eine Kombination aus einer Schließungs- und Öffnungsphase, begleitet von einem vorangehenden Vocoid. Auffällige Unterschiede in der Dauer des Vocoiden wurden bei der als allochthon wahrgenommenen Sprecherin festgestellt, die kürzere Vocoide produzierte. In Bezug auf die artikulatorischen Daten wurde beobachtet, dass der alveolare Trill zumeist mit einer Streckung des Dorsums in Richtung der Alveolen gebildet wurde. Die als allochthon wahrgenommene Sprecherin zeigte im Vergleich zu den anderen Sprecherinnen eine geringere Bewegung der Zungenwurzel, während sie das Dorsum stark streckte. Weiters verwendet sie gehäuft das Zungenblatt anstatt der Zungenspitze zur Produktion des Verschlusses, was sich in einer Verlängerung der Konstriktionsphase auswirken könnte. Schließlich wurden bei der bilingualen Sprecherin potenzielle sprachliche Interferenzen beobachtet. Im Polnischen produzierte sie tendenziell kürzere Vocoide und zeigte im initialen Kontext in beiden Sprachen häufiger doppelte Verschlüsse. Die artikulatorischen Daten wiesen jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen ihren beiden Sprachen auf. Die Resultate legen nahe sich genauer mit der Dauer von Vocoiden und deren Wahrnehmung im österreichischen Standarddeutsch zu beschäftigen. Die methodische Herangehensweise könnte auch für ähnliche phonetische Untersuchungen in anderen Sprachkontexten interessante Ergebnisse zu Tage bringen.
Abstract
(Englisch)
This pilot study investigated the acoustic and articulatory features of the alveolar trill [r] in Austrian Standard German, focussing on three female speakers from Lower Austria. Although one speaker grew up monolingually Austrian German, she is sometimes asked about a potential allochthonous origin. The aim was to work out possible differences to the other speakers, one of whom grew up bilingually Polish-German and has never been confronted with a potential allochthonous origin. By triangulating instrumental phonetic analyses, including spectrograms for acoustic data and ultrasound images of the tongue contours (UTI) for articulatory data, as well as considering the speakers' language biographies and language experience, an attempt was made to identify differences in the production of the alveolar trill. The evaluation of the acoustic data revealed that [r] was realised by one single occlusion in the majority of the realisations. The alveolar trill appeared as a combination of closing and opening phases, accompanied by a preceding vocoid. Noticeable differences in the duration of the vocoid were found in the speaker perceived as allochthonous, who produced shorter vocoids. Regarding the articulatory data, it was observed that the alveolar trill was mostly formed with an elongation of the dorsum towards the alveoli. The speaker perceived as allochthonous showed less movement of the tongue root compared to the other speakers, while she stretched the dorsum considerably. Furthermore, she frequently used the tongue blade instead of the tip of the tongue to produce the closure, which could have the effect of prolonging the constriction phase. Finally, potential linguistic interference was observed in the bilingual speaker who speaks both Polish and German. She tended to produce shorter vocoids in Polish and showed more frequent two occlusions in both languages in the initial context. However, the articulatory data did not show any significant differences between her two languages. The results suggest a closer look at the duration of vocoids and their perception in Austrian Standard German. The methodological approach could also yield interesting results for similar phonetic analyses in other language contexts.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Rhotics in Österreich r-ähnliche Laute Trill Tap Phonetik Instrumentalphonetik akustische Phonetik artikulatorische Phonetik Ultraschall UTI Ultrasound Tongue Imaging Österreichisches Standarddeutsch Österreichisches Deutsch Sprachproduktion Linguizismus Sprachenblume Sprachbiographie Sprachnetzwerk
Schlagwörter
(Englisch)
rhotics in Austria r-like sounds trill tap phonetics instrumental phonetics acoustic phonetics articulatory phonetics ultrasound UTI Ultrasound Tongue Imaging Austrian Standard German Austrian German language production linguicism language flower language biography language network
Autor*innen
Nina Weihs
Haupttitel (Deutsch)
Produktion und Perzeption des alveolaren Trill [r] in bairischen Varietäten Österreichs
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine artikulatorische Pilotstudie mittels UTI-Messung
Publikationsjahr
2023
Umfangsangabe
111 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Eva Reinisch
Klassifikationen
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.20 Soziolinguistik. Allgemeines ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.23 Mehrsprachigkeit ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.53 Phonetik. Phonologie ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.69 Sprachwissenschaft. Sonstiges
AC Nummer
AC17083891
Utheses ID
69641
Studienkennzahl
UA | 066 | 817 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1