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Politische Handlungsfreiheit im Zeichen der Algorithmisierung
Paul Nicola Schierle
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Politikwissenschaft
Betreuer*in
Benjamin Opratko
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.75157
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-10679.88919.372678-0
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die politische und gesellschaftliche Bedeutung von Algorithmen hat in jüngster Zeit rapide zugenommen, ohne dass die theoretische Aufarbeitung mit dem Prozess Schritt hätte halten können. In dieser Arbeit wird daher untersucht, inwiefern die zunehmende Verdatung von Elementen der menschlichen Lebenswelt und die ebenfalls zunehmende Anordnung und Wiederanordnung dieser Elemente durch algorithmische Systeme einen Einfluss auf die individuelle, kollektive und gesellschaftliche politische Handlungsfreiheit hat und voraussichtlich in Zukunft haben wird. Zu diesem Zweck wird der Begriff der Algorithmisierung eingeführt und die entsprechende Literatur von liberal-humanistischen, marxistischen und poststrukturalistischen Autor*innen einem systematischen Theorievergleich unterzogen. Hierbei zeigt sich, dass die untersuchte Literatur in der Algorithmisierung der Lebenswelt vorrangig eine Gefahr für die politische Handlungsfreiheit sieht, diese Bedrohung aber auf unterschiedlichen Ebenen, auf Basis verschiedener Politikverständnisse, mit unterschiedlichen Begriffen und einem jeweils eigenen Verständnis ihrer Mechanik analysiert, wodurch ein systematischer Vergleich erschwert wird. Die liberal-humanistische Literatur konzentriert sich hauptsächlich auf die Bedrohung der Souveränität des Menschen als Bürger*in durch den Überwachungskapitalismus; der Marxismus befasst sich einerseits mit einer Kritik der Entfremdung, der Kommodifizierung und der Kontrolle der Arbeit und andererseits mit dem Potenzial algorithmischer Systeme als Instrumente für die Einrichtung einer demokratischen Planwirtschaft, wohingegen poststrukturalistische Autor*innen algorithmische Systeme vor allem als Machtmittel denken, das durch Subjektivierung des Individuums und Strukturierung des Sozialen die individuelle Handlungsfreiheit und die Möglichkeit von Kritik und Widerstand gegen Machtverhältnisse infrage stellt. Gemeinsamkeiten der Stränge finden sich vor allem in einer geteilten Sorge vor der Schließung menschlicher Entscheidungs- und Handlungsräume durch eine Umwandlung vormals politischer Entscheidungen in technische Automatismen sowie – vor allem im liberalen Humanismus und Poststrukturalismus – in einem mangelnden Bewusstsein für die genaue Funktionsweise algorithmischer Systeme und damit einhergehend der Kontingenz ihrer Gestaltung. Zum Erhalt der politischen Handlungsfreiheit im Zeichen der Algorithmisierung ist, den Erkenntnissen der Arbeit nach, daher neben weiterer Verständnisarbeit eine theoretische und praktische Betonung der Gestaltbarkeit algorithmischer Systeme sowie eine Öffnung dieser Gestaltung für die Beteiligung der Bürger*innen notwendig.
Abstract
(Englisch)
The political and social significance of algorithms has increased rapidly in recent times, without theoretical analysis being able to keep pace with the process. This thesis therefore examines the extent to which the increasing datafication of elements of the human lifeworld and the likewise increasing arrangement and rearrangement of these elements by algorithmic systems has an influence on individual, collective and social political freedom of action and is likely to do so in the future. To this end, the concept of algorithmization is introduced and the corresponding literature by liberal-humanist, Marxist and post-structuralist authors is subjected to a systematic theoretical comparison. This shows that the literature examined primarily sees the algorithmization of the human environment as a threat to political freedom of action, but analyses this threat on different levels, on the basis of different understandings of politics, with different terms and each with its own understanding of its mechanics, which makes a systematic comparison difficult. Liberal humanist literature focuses mainly on the threat to the sovereignty of humans as citizens posed by surveillance capitalism; Marxism is concerned on the one hand with a critique of the alienation, commodification and control of labor, and on the other with the potential of algorithmic systems as instruments for the establishment of a democratically planned economy; and poststructuralist authors think of algorithmic systems primarily as a means of power that, by subjectivizing the individual and structuring the social, calls into question individual freedom of action and the possibility of criticism and resistance. Commonalities between the strands can be found mainly in a shared concern about the closure of spaces for human decision-making and action through the transformation of formerly political decisions into technical automatisms and - especially in liberal humanism and post-structuralism - in a lack of awareness of the exact functioning of algorithmic systems and the contingency of their design. In order to maintain political freedom of action in the face of algorithmization, the findings of this thesis suggest that, in addition to further work on the understanding of algorithmization, a theoretical and practical emphasis on the designability of algorithmic systems and an opening of this design to the participation of citizens is necessary.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Algorithmisierung Algorithmen Digitalisierung Liberalismus Marxismus Poststrukturalismus Politische Theorie Theorienvergleich
Schlagwörter
(Englisch)
Algorithmization Algorithms Digitization Liberalism Marxism Poststructuralism Political Theory Comparison of Theories
Autor*innen
Paul Nicola Schierle
Haupttitel (Deutsch)
Politische Handlungsfreiheit im Zeichen der Algorithmisierung
Publikationsjahr
2024
Umfangsangabe
173 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Benjamin Opratko
Klassifikation
89 Politologie > 89.05 Politische Theorie
AC Nummer
AC17054026
Utheses ID
69904
Studienkennzahl
UA | 066 | 824 | |
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