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Der Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel im Zusammenhang mit Food Addiction und spezifischen Ernährungsmustern
Daniel Kräftner
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Lebenswissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Ernährungswissenschaften
Betreuer*in
Jürgen König
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.76064
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-23257.73117.657520-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Hintergrund: Hochverarbeitete Lebensmittel prägen zunehmend das globale Ernährungssystem und ersetzen allmählich traditionelle Ernährungsmuster. Ein übermäßiger Konsum dieser Produkte kann zu negativen gesundheitlichen Auswirkungen führen, wie beispielsweise Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychischen Erkrankungen. Insbesondere Essstörungen im Sinne einer "Food Addiction" wurden mit einem erhöhten Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel in Verbindung gebracht. Die Klassifizierung von hochverarbeiteten Lebensmitteln ist mitunter uneinheitlich und kann je nach Untersuchungsgegenstand unter verschiedenen Gesichtspunkten definiert werden. Dies erschwert den Vergleich verschiedener Studien zu diesem Thema. Methodik: Das Ziel der vorliegenden Arbeit, war eine objektive Untersuchung in Bezug auf drei Hauptaspekte. Zunächst sollte die Wahrnehmung der Verbraucher bezüglich der Definition und Einteilung von hochverarbeiteten Lebensmitteln untersucht werden. Zum zweiten sollten die allgemeine Ernährungsqualität und die Häufigkeit des Verzehrs hochverarbeiteter Lebensmittel erhoben und auf Zusammenhänge mit anthropometrischen und gesundheitlichen Merkmalen, insbesondere dem Auftreten von Essstörungen im Sinne einer "Food Addiction", untersucht werden. Schließlich wurde versucht, die Probanden in Cluster zu gruppieren, um spezifische Ernährungsmuster sichtbar zu machen und diese auf mögliche Unterschiede und Besonderheiten hin zu analysieren. Für die Analyse wurden die Daten von 323 Teilnehmern verwendet. Resultate: Die Stichprobe bestand überwiegend aus weiblichen und jüngeren Umfrageteilnehmern. Die Auffassung des Begriffs „hochverarbeitete Lebensmittel“ variierte je nach Geschlecht und Ernährungsweise der Teilnehmer. Die Einschätzung des Verarbeitungsgrades verschiedener Lebensmittel nach der NOVA-Klassifikation wurde allgemein zutreffend vorgenommen, wobei hochverarbeitete Produkte am häufigsten falsch klassifiziert wurden. Personen mit einer allgemein gesünderen Ernährung zeigten weniger Symptome einer "Food Addiction" und verzehrten im Durchschnitt seltener hochverarbeitete Lebensmittel. Der häufige Konsum von hochverarbeiteten Lebensmitteln war generell mit einem höheren BMI und dem männlichen Geschlecht assoziiert und folgte einer U-förmigen Verteilung über die Altersgruppen. Durch die Anwendung der Hauptkomponentenanalyse wurden fünf deutlich erkennbare Ernährungsmuster identifiziert. Die Cluster "gemischt" und "klassisch" zeigen sowohl positive Ergebnisse hinsichtlich der allgemeinen Ernährung und des Verzehrs hochverarbeiteter Lebensmittel als auch eine geringe Häufigkeit von Essstörungen. Personen mit spezifischen Ernährungsmustern wie dem pflanzlichen, tierischen und Snack-Cluster zeigten eine geringere Ernährungsqualität. Sie konsumierten häufiger UPF und litten öfter an einer Essstörung. Fazit: Die Thematik der hochverarbeiteten Lebensmittel, insbesondere ihre Definition und die damit verbundenen gesundheitlichen Auswirkungen, ist zweifellos ein kontroverses Gebiet. Die Durchsicht der Literatur zeigt, dass dieses Thema aus einer Vielzahl von Blickwinkeln betrachtet werden kann und dass Ergebnisse diverser Studien sowohl von Ernährungswissenschaftlern und Medizinern als auch von Vertretern der Lebensmittelindustrie auf unterschiedliche Art und Weise interpretiert werden. Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zeigen, dass eine weniger vollwertige Ernährung und der häufige Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel mit einem erhöhten Risiko für suchtartiges Essverhalten verbunden ist. Dabei scheinen Faktoren wie Alter und BMI eine wichtige Rolle zu spielen. Die Entstehung solcher Erkrankungen unterliegt jedoch komplexen Mechanismen, deshalb sollte der Konsum hochverarbeiteter Produkte nicht als alleinige Ursache betrachtet werden, sondern als Teil eines insgesamt ungesunden Lebensstils. Oft sind das gesamte Ernährungsverhalten, das soziale Umfeld und eine Vielzahl von Lebensstilfaktoren ausschlaggebend und stehen in enger Wechselwirkung zueinander. Weitere Untersuchungen sind notwendig, um zusätzliche relevante Faktoren zu identifizieren und um ursächliche Zusammenhänge zwischen Ernährungsgewohnheiten und gesundheitlichen Aspekten zu ermitteln. Lebensmittelhersteller, Vertreter der Industrie und politische Entscheidungsträger sind gefordert, Maßnahmen und Strategien zu entwickeln, um die Bevölkerung für das Thema hochverarbeitete Lebensmittel zu sensibilisieren und die Gesundheit der Verbraucher sowie den Schutz des ökologischen Systems nachhaltig zu gewährleisten.
Abstract
(Englisch)
Background: Ultra-processed foods are increasingly characterising the global food system and are gradually replacing traditional dietary patterns. Excessive consumption of these products can lead to negative health effects such as obesity, cardiovascular disease and mental illness. In particular, eating disorders in the form of "food addiction" have been linked to an increased consumption of ultra-processed foods. The classification of ultra-processed foods is sometimes inconsistent and can be defined from different perspectives depending on the subject of the study. This makes it difficult to compare different studies on this topic. Methods: The aim of this study was to objectively analyse three main aspects. Firstly, to investigate consumer perceptions regarding the definition and categorisation of ultra-processed foods. Secondly, the general nutritional quality and the frequency of consumption of ultra-processed foods were to be surveyed and analysed for correlations with anthropometric and health characteristics, in particular the occurrence of eating disorders in the form of "food addiction". Finally, an attempt was made to group the test subjects into clusters in order to make specific dietary patterns visible and to analyse these for possible differences and peculiarities. Data from 323 participants were used for the analysis. Results: The sample consisted predominantly of female and younger survey participants. The perception of the term “ultra-processed food” varied depending on the gender and diet of the participants. The assessment of the degree of processing of different foods according to the NOVA classification was generally accurate, with ultra-processed products being misclassified most often. People with a generally healthier diet showed fewer symptoms of food addiction and consumed ultra-processed foods less frequently on average. Frequent consumption of ultra-processed foods was generally associated with higher BMI and male gender and followed a U-shaped distribution across age groups. By applying principal component analysis, five clearly recognisable dietary patterns were identified. The "mixed" and "classic" clusters showed both positive results in terms of general diet and consumption of ultra-processed foods, as well as a low incidence of eating disorders. Individuals with specific dietary patterns such as the plant-based, animal-based and snack clusters showed lower diet quality. They consumed ultra-pro-cessed foods more frequently and suffered more often from an eating disorder. Conclusion: The topic of ultra-processed foods, particularly their definition and associated health effects, is undoubtedly a controversial area. A review of the literature shows that this topic can be viewed from a variety of angles and that the results of various studies are interpreted in different ways by nutritionists and doctors as well as by representatives of the food industry. The results of this study show that a less wholesome diet and the frequent consumption of ultra-processed foods are associated with an increased risk of addictive eating behaviour. Factors such as age and BMI appear to play an important role here. However, the development of such diseases is subject to complex mechanisms, which is why the consumption of ultra-processed products should not be regarded as the sole cause, but as part of an overall unhealthy lifestyle. Often, overall dietary behaviour, the social environment and a variety of lifestyle factors are decisive and interact closely with each other. Further research is needed to identify additional relevant factors and to determine causal relationships between dietary habits and health aspects. Food manufacturers, industry representatives and political decision-makers are called upon to develop measures and strategies to sensitise the population to the issue of ultra-processed foods and to ensure the health of consumers and the protection of the ecological system in the long term.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
hochverarbeitete Lebensmittel suchtartiges Essverhalten Essstörung Ernährungsmuster NOVA
Schlagwörter
(Englisch)
ultra-processed foods food addiction dietary patterns
Autor*innen
Daniel Kräftner
Haupttitel (Deutsch)
Der Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel im Zusammenhang mit Food Addiction und spezifischen Ernährungsmustern
Paralleltitel (Englisch)
The consumption of ultra-processed foods in relation to food addiction and specific dietary patterns
Publikationsjahr
2024
Umfangsangabe
III, 87 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Jürgen König
Klassifikationen
30 Naturwissenschaften allgemein > 30.99 Naturwissenschaften allgemein. Sonstiges ,
44 Medizin > 44.21 Ernährung
AC Nummer
AC17215280
Utheses ID
71500
Studienkennzahl
UA | 066 | 838 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1