Detailansicht
Demokratischer Widerstand
Figuren und Praktiken politischer Kontestation
Anna Wieder
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium der Philosophie Philosophie
Betreuer*in
Angela Kallhoff
DOI
10.25365/thesis.76497
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-25609.77032.224939-0
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die Dissertation analysiert die Bedeutung politischen Widerstands für die Demokratietheorie. Traditionell fragen politische Philosoph:innen nach der demokratischen Legitimität und Angemessenheit widerständigen Handelns. Die vorliegende Studie schlägt einen Perspektivenwechsel vor, indem sie das Politische nicht ausgehend von den Strukturen der Ordnung, sondern von den Praktiken ihrer Infragestellung her untersucht. Leitmotivisch greife ich auf das demokratieskeptische Motiv des „demokratischen Exzesses“ zurück, das auf die vermeintliche Maßlosigkeit demokratischer Ansprüche auf Freiheit, Gleichheit, Solidarität und Volkssouveränität verweist, und zeige auf, dass es sich radikaldemokratisch aneignen lässt. Der Exzesscharakter widerständig-demokratischen Handelns wird dabei nicht nur begrifflich rekonstruiert, sondern anhand paradigmatischer Figuren und Imaginarien politischen Widerstands reflektiert. Gegenstand der Analyse sind Widerstandsfiguren, die verschiedene Formen und Aspekte demokratischen Exzesses markieren: von Antigone über den Kyniker Diogenes und die Sansculotten der Französischen Revolution bis hin zum zivilen Ungehorsam in der aktuellen Klimaprotestbewegung sowie den feministischen Milizen in Rojava und der Zapatistischen Befreiungsbewegung. Dabei arbeitet die Studie heraus, inwiefern die mit diesen Figuren assoziierten Praktiken nicht nur im Sinne der Demokratie vollzogen werden, sondern intrinsisch demokratische und demokratisierende Moment sichtbar machen. Entlang dieser Analysen wird eine Konzeption demokratischen Widerstands entfaltet, die mit traditionellen Ideen der Legitimation politischen Handelns bricht. Figuren demokratischen Widerstands machen in ihren Praktiken deutlich, dass nicht nur Aufbegehren, sondern auch, und womöglich unter radikaldemokratischen Bedingungen in erster Linie, Ordnungsstreben seine Grundlagen und Rechtfertigungsmuster befragen muss. Demokratischer Widerstand umfasst Praktiken, die performativ auf die Erweiterung von Freiheit, Gleichheit, Solidarität und Volkssouveränität hinwirken, ohne eine eindeutige Bedeutung dieser Begriffe festzuschreiben und außer Streit zu stellen. Ein solches Konzept demokratischen Widerstands erlaubt, Horizonte der Vertiefung und Erweiterung demokratischer Ansprüche zu erschließen. Damit liefert die Arbeit nicht nur einen Beitrag zur Demokratietheorie im engeren Sinn, sondern entwickelt ein Konzept demokratischen Widerstands, das für die Selbstreflexion politischen Denkens produktiv gemacht werden kann.
Abstract
(Englisch)
The dissertation examines the significance of political resistance for democratic theory. Traditionally, political philosophers have questioned the legitimacy and appropriateness of acts of resistance for democracy. This study proposes a change in perspective by analysing the political not on the basis of the framework of order, but on the basis of the practices that challenge it. As a leitmotif, I draw on the democracy-sceptical motif of ‘democxratic excess’, which refers to the supposed excessiveness of democratic claims to freedom, equality, solidarity and popular sovereignty, and show that it can be appropriated in a radical democratic way. The excessive character of resistant democratic action is not simply reconstructed in abstract, conceptual terms, but reflected on the basis of paradigmatic figures and imaginaries of political resistance. The subject of the analysis are figures of resistance that mark various forms of democratic excess: from Antigone to the Cynic Diogenes and the revolutionary Sansculottes during the French Revolution to civil disobedience in the current climate protest movement as well as the feminist militias in Rojava and the Zapatista liberation movement. In each case, the study elaborates on the extent to which the practices associated with these figures are not only carried out in the spirit of democracy, but also have an intrinsically democratic aspect. Based on these analyses, a concept of democratic resistance is developed that breaks with the traditional hierarchy of legitimisation of political action. In their practices, figures of democratic resistance demonstrate that not only defiance, but also, and possibly under democratic conditions first and foremost, the pursuit of order needs to question its foundations and justifications. Accordingly, democratic resistance refers to practices that performatively promote the expansion of freedom, equality, solidarity and popular sovereignty without stipulating an unambiguous meaning of these terms and rendering them indisputable. A concept of democratic resistance thus opens up horizons for deepening and expanding democratic claims. Thus the study not only contributes to democratic theory in the narrower sense, but also develops a concept of democratic resistance that serves as a productive tool for self-reflection in political thought.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Widerstand Demokratie Radikale Demokratie Politische Bewegungen Ziviler Ungehorsam Revolution Antigone Kynismus Parrhesia
Schlagwörter
(Englisch)
Resistance Democracy Radical Democracy Political Movements Civil Disobedience Revolution Antigone Cynicism Parrhesia
Autor*innen
Anna Wieder
Haupttitel (Deutsch)
Demokratischer Widerstand
Hauptuntertitel (Deutsch)
Figuren und Praktiken politischer Kontestation
Paralleltitel (Englisch)
Democratic resistance
Paralleluntertitel (Englisch)
figures and practices of political contestation
Publikationsjahr
2024
Umfangsangabe
233 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Christine Abt ,
Franziska Martinsen
AC Nummer
AC17284721
Utheses ID
71509
Studienkennzahl
UA | 792 | 296 | |
