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Spannungsfeld Land
(Post-)Koloniale Landumverteilungsprogramme in Kenia
Dominik Ivancic
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Geschichte
Betreuer*in
Peter Becker
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.76135
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-12882.86144.758022-7
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die koloniale Landnahme Kenias führte zu einer gravierenden Umstrukturierung der kenianischen Landstruktur. Durch Enteignungen und das Ziehen von ethnisch definierten „Reservatsgrenzen“ wurden einerseits die sogenannten „White Highlands“ geschaffen, auf denen weiße Siedler*innen Landwirtschaft betrieben und andererseits den verschiedenen ethnischen Gruppierungen in Kenia enge Grenzen gesetzt, die in manchen Fällen – z. B. bei den Kikuyu – zu einem großen Mangel an Land führten. Die Landlosigkeit, die dabei entstand, konnte zwar am Anfang der Kolonialzeit zunächst durch das sogenannten Squatter-System – Landarbeiter*innen erhielten auf den Gütern von weißen Siedler*innen neben einer Bezahlung Land zur Verfügung gestellt – gemildert werden. Durch eine intensivere Bewirtschaftung, Mechanisierung und Umstrukturierungen wurden allerdings vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg immer weniger Squatter auf den Landwirtschaften benötigt und nach und nach wurden sie in die „Reservate“, die zum Teil immer überfüllter wurden, abgeschoben. Gleichzeitig kam es zu einer größeren Stratifikation der kenianischen Gesellschaft, neben großer Armut, gab es auch eine Minderheit an wohlhabenderen Personen. Fehlender Landbesitz und fehlende Erwerbsmöglichkeiten führten gemeinsam mit der antikolonialen Grundstimmung zum Ausbrauch von Gewalt – dem sogenannten „Mau-Mau“ Krieg, einem Aufstand, der vor allem von Kikuyu geführt wurde. Großbritannien konnte zwar den Aufstand, der sich immer mehr zu einem Bürgerkrieg zwischen loyalen, wohlhabenden und antikolonialen, landlosen Kikuyu entwickelte, gewaltsam unterdrücken, dennoch läutete der Krieg das Ende der Kolonialzeit in Kenia ein. Um eine Enteignung von weißen Siedler*innen nach der Unabhängigkeit zu vermeiden, entwickelte Großbritannien zunächst gemeinsam mit den weißen Siedler*innen, später auch unter Einbezug der neuen nationalistischen Politiker, Landumverteilungsprogramme, das größte davon war das Million-Acre Settlement Scheme. Land von Siedler*innen wurde mit Hilfe von Krediten und Zuschüssen Großbritanniens aufgekauft und zunächst an Wohlhabende, schließlich auch an Landlose übergeben, die die Kredite zurückzahlen mussten. Diese Programme wurden auch nach der Unabhängigkeit weitergeführt. Dabei mussten sehr unterschiedliche Interessen berücksichtigt und Kompromisse geschlossen werden, da weder die weißen Siedler*innen noch die kenianischen Politiker bzw. die kenianische Gesellschaft homogene Blöcke darstellten. Aus diesem Grund wurden diese Programme je nach Perspektive sehr unterschiedlich bewertet. In dieser Arbeit werden einerseits die Entstehung der strukturellen Landlosigkeit und ihre Auswirkungen untersucht, und andererseits die Landumverteilungsprogramme in Kenia am Ende der Kolonialzeit und nach der Unabhängigkeit sowie ihre Bewertung durch unterschiedliche Gruppierungen, u. a. Kolonialbeamte, Politiker und die neuen Siedler*innen, analysiert. Hierbei werden Oral History Interviews mit Kolonialbeamten, Tagebücher und weitere Quellen des Project Voices Archivs und Memoiren von Politikern herangezogen, die mit Hilfe der Sekundärliteratur, die auch die Perspektiven der betroffenen Bevölkerung wiedergibt, ein umfassendes Bild auf die Landumverteilungsmaßnahmen ermöglichen.
Abstract
(Englisch)
The colonisation of Kenya involved a reorganisation of the agrarian structure and the land tenure system. Through land alienation and the demarcation of ethnically defined “reserves” the so-called “White Highlands” were created, where white settlers farmed. Various Kenyan groups, on the other hand, were confined to specific reserves where land became an increasingly scarce resource, especially for the Kikuyu. First, the developing landlessness was compensated by the so-called squatter-system: Farm labourers on white farms were provided with land for their own produce and with small wages. Especially after World War II, however, mechanisation and more intense agriculture reduced the need for squatters, who were then forced to return to the “reserves”, some of which were already overcrowded. At the same time, Kenya became a more socially stratified society – besides a growing landless population, living in poverty, a land-owning, prosperous class developed. The lack of land and employment together with anti-colonial sentiment caused the so-called “Mau Mau” war, which involved mainly Kikuyu. This revolt, which turned into a civil war between loyal, wealthy Kikuyu and landless, anti-colonial Kikuyu, was forcibly suppressed by the UK. Still, this war was the beginning of the end of the British colonial period in Kenya. For fear of a forceful dispossession of the land of white settlers after the Kenyan independence, the UK developed land programmes, first together with the white settlers, afterwards also together with the new national politicians. These programmes, the biggest one being the Million-Acre Settlement Scheme, were continued after the Kenyan independence. Land of white settlers was bought with the help of loans and grants, and forwarded first to wealthy Kenyans, later to landless Kenyans, who had to pay back the loans. In developing these programmes, the UK had to consider different interests of white settlers, the new Kenyan politicians and the Kenyan society, which was further complicated, since these parties were very heterogeneous themselves. For that reason, the programmes were evaluated quite differently by the various groups. This master thesis analyses the development of structural landlessness in Kenya and its consequences, as well as the land programmes at the end of the colonial and the beginning of the postcolonial period. Moreover, it focuses on the assessment of those programmes by different groups, like colonial officers, politicians and the new settlers. For this purpose, oral history interviews with former colonial officers, diaries and other sources of the Project Voices archive as well as memoirs of politicians were analysed. Together with secondary literature, which includes the perspectives of the affected people, these sources helped to develop a comprehensive picture of the land programmes.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Landumverteilung Kenia Kolonialismus Million-Acre Settlement Scheme Swynnerton Plan Project Voices Dekolonisation Siedler*innen Siedlungskolonialismus Kleinbäuerliche Wirtschaft Subsistenzwirtschaft Mau-Mau Squatter Kikuyu White Highlands Kolonialbeamte Landwirtschaft Großbritannien
Schlagwörter
(Englisch)
Land programmes Agriculture Kikuyu Colonial Officers Kenya White Highlands Decolonisation Mau Mau UK Great Britain Project Voices Million-Acre Settlement Scheme Squatter Swynnerton Plan Land transfer Subsistence agriculture Settler colonialism Settlers Colonialism
Autor*innen
Dominik Ivancic
Haupttitel (Deutsch)
Spannungsfeld Land
Hauptuntertitel (Deutsch)
(Post-)Koloniale Landumverteilungsprogramme in Kenia
Paralleltitel (Englisch)
(Post)colonial land programmes in Kenya
Publikationsjahr
2024
Umfangsangabe
157 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Peter Becker
Klassifikationen
15 Geschichte > 15.64 Großbritannien. Irland ,
15 Geschichte > 15.92 Afrika südlich der Sahara
AC Nummer
AC17230845
Utheses ID
71672
Studienkennzahl
UA | 066 | 803 | |
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