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Worker power in global production networks - the case of Mexican Maquiladora workers and the 20/32 movement
Robert Markus Blöschl
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Internationale Entwicklung
Betreuer*in
Cornelia Staritz
DOI
10.25365/thesis.76636
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-23405.24590.179831-2
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Am 25. Januar 2019 streikten mehr als 40.000 Arbeiter:innen in Fertigungsbetrieben der Grenzstadt Matamoros. Aufgrund ihrer Forderungen nach einer Prämienzahlung von 32.000 mexikanischen Pesos und einer Lohnerhöhung von 20% wurden sie bald unter dem Namen Bewegung 20/32 bekannt. Innerhalb weniger Tage hatten die Arbeiter:innen in mehreren Unternehmen ihre Ziele erreicht. Ein solcher Aufstand war ungewöhnlich in einem Land, das jahrzehntelang Arbeiter:innenmacht minimiert hatte und die Interessen der Unternehmen und der Politik über die der Arbeiter:innen gestellt hatte. Diese Masterarbeit soll daher die Frage beantworten, warum und wie der Arbeiter:innenwiderstand in Form der Bewegung 20/32 entstanden ist und inwieweit er bessere Arbeitsbedingungen für die Maquiladora-Arbeiter:innen in Matamoros erreichen konnte. Ausgehend von den Konzepten der globalen Produktionsnetzwerke und der Arbeiter:innenmacht wird in dieser Arbeit eine theoretische Perspektive eingenommen, die Arbeitsbeziehungen in den Fokus stellt. Sie stützt sich auf umfangreiche Feldforschung in Mexiko und beleuchtet die Machtdynamiken innerhalb des Maquiladora-Produktionsnetzwerks. Zwischen September und Oktober 2022 wurden insgesamt 16 Expert:inneninterviews mit Arbeiter:innen, Gewerkschaftsaktivist:innen, Gewerkschaftsführer:innen, Maquiladora-Manager:innen, Lokalpolitiker:innen und Wissenschaftler:innen geführt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Arbeiter:innen innerhalb eines komplexen Systems von Machtbeziehungen, in dem die lokalen Gewerkschaften eine widersprüchliche Rolle spielen, soziales Upgrading erreichen konnten. Obwohl die Arbeiter:innen durch eine historisch gewachsene Abhängigkeitsstruktur an die Gewerkschaft gebunden sind, verfügen sie aufgrund ihrer spezifischen Fähigkeiten über Marktmacht (marketplace bargaining power). In Matamoros ist die größte lokale Gewerkschaft eine mächtige Akteurin, die einen vorteilhaften Kollektivvertrag ausverhandelt hat, der den Arbeiter:innen institutionelle Macht verleiht. Eine Änderung des nationalen Arbeitsrechts, die durch externen Druck im Zusammenhang mit den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen ausgelöst wurde, gab den Arbeiter:innen die Möglichkeit zu streiken. Ihre Produktionsmacht (workplace bargaining power) ergibt sich aus der Integration der mexikanischen Maquiladora-Industrie in die US-Wirtschaft. Durch ihre Streikaktivität konnten die Arbeiter:innen die Lieferketten empfindlich stören und dadurch Druck auf Kapitalfraktionen ausüben. Die Gegenstrategien der Kapitalfraktionen reichten von Entlassungen bis zu Repressionen, konnten die Bewegung jedoch nicht stoppen. Um ihre Verbandsmacht (associational power) zu stärken, nutzten die Arbeiter:innen informelle Organisierungsstrategien, die sie bei früheren Protesten erlernt hatten. Eine homogene Belegschaft mit einer Identität entlang von Klassen- und Geschlechtergrenzen trug zu ihrem Erfolg bei und führte dazu, dass sich die Arbeiter:innen effektiver organisierten als die zersplitterte Kapitalseite. Letztendlich gab es erhebliche Verbesserungen bei den messbaren Arbeitsstandards, aber strukturelle Probleme wie die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und die Misshandlung durch Vorgesetzte bleiben bestehen. Dies wirft die Frage nach der zukünftigen Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung in Mexiko auf.
Abstract
(Englisch)
On January 25, 2019, more than 40,000 workers at manufacturing plants in the border city of Matamoros went on strike. Based on the workers' demands for a bonus payment of 32,000 Mexican pesos and a 20% wage increase, they soon became known as the 20/32 Movement. Within days, workers in several companies had achieved their goals. Such an uprising was unusual in a country that for decades has minimized worker power and has put corporate and political interests above those of workers. Thus, this master’s thesis seeks to answer why and how worker resistance in the form of the 20/32 Movement emerged and to what extent it was able to achieve better working conditions for maquiladora workers in Matamoros. Based on the concepts of global production networks and worker power, this thesis adopts a labor-centered theoretical perspective. Drawing on extensive fieldwork in Mexico, it sheds light on the power dynamics within the maquiladora production network. A total of 16 expert interviews were conducted between September and October 2022 with workers, labor activists, union leaders, maquiladora managers, local politicians and scholars. The results suggest that workers could achieve social upgrading within a complex system of power relations in which local unions play a contradictory role. Although workers are tied to the union through an evolved structure of dependency, their specific set of skills gives them marketplace bargaining power. In Matamoros, the largest local union is a powerful actor which negotiated a favorable collective bargaining agreement that gave workers institutional power. A change in federal labor law, triggered by external pressure in the context of free trade agreement negotiations, gave workers leverage to strike. Their workplace bargaining power derived from the tight integration of the Mexican maquiladora industry into the US economy. Through strike activity workers could severely disrupt supply chains and exert pressure on capital fractions. Counter-strategies by capital fractions ranged from layoffs to repression but failed to stop the movement. To strengthen their associational power, workers used informal organizing strategies they had learned in past protests. A homogeneous workforce with an identity along class and gender lines contributed to their success and led to workers organizing more effectively than the fragmented capital side. Ultimately, there have been significant improvements in measurable standards, but structural problems such as gender inequality and abuse by supervisors remain. This raises the question of the future trajectory of the labor movement in Mexico.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Globale Produktionsnetzwerke Maquiladora-Industrie Arbeitermacht Machtressourcen Gewerkschaften Mexiko
Schlagwörter
(Englisch)
Global Production Networks Maquiladora Industry Worker Power Labor Agency Power Resources Trade Unions Mexico
Autor*innen
Robert Markus Blöschl
Haupttitel (Englisch)
Worker power in global production networks - the case of Mexican Maquiladora workers and the 20/32 movement
Publikationsjahr
2024
Umfangsangabe
III, 108 Seiten : Illustrationen
Sprache
Englisch
Beurteiler*in
Cornelia Staritz
AC Nummer
AC17325000
Utheses ID
72451
Studienkennzahl
UA | 066 | 589 | |
