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Die Militärkanzlei des Kaisers Franz Joseph und die des Thronfolgers Franz Ferdinand
eine vergleichende Organisationsgeschichte
Wilfried Schimon
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Geschichte
Betreuer*in
Peter Becker
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.77151
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-13637.78157.644155-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Forschungsarbeiten des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung zur Kabinettskanzlei des Kaisers und Königs Franz Joseph laufen unter dem Stichwort „Im Büro des Herrschers“. Sie behandeln aber streng genommen nur die eine „Hälfte“, nämlich die zivile, dieses Büros. Daher erscheint es notwendig, auch die andere „Hälfte“ des Schreibtisches in Gestalt der Militärkanzlei zu beleuchten. Parallel zur Militärkanzlei des Kaisers und Königs, manche behaupten, gegen diese, agierte einige Jahre die Militärkanzlei des Thronfolgers Franz Ferdinand. Die Militärkanzlei des Kaisers und Königs besaß im Betrachtungszeitraum 1889-1914 nach jahrzehntelangem Bestehen bereits ein hohes Maß an Stabilität. Im Gegensatz dazu befand sich die Militärische Kanzlei bzw. die Militärkanzlei des Thronfolgers (1898-1914) erst im Aufbau und damit in einer dynamischen Entwicklung. Methodisch gesehen eignet sich die Organisationsgeschichte mit den Merkmalen nach Peter Preisendörfer sehr gut zur Beschreibung der beiden Kanzleien und ihrer Unterschiede und lässt die verschiedenen Amtsauffassungen des „Herrschers von gestern“ und des „Herrschers von morgen“ erkennen. Die den Gegenstand der Verwaltung im zivilen, wie militärischen Bereich bildenden Materien nahmen im betrachteten Zeitraum 1889-1914 an Anzahl und Komplexität zu, was sich auch auf die Entscheidungsnotwendigkeiten beim Monarchen auswirkte. Biographen werfen Kaiser Franz Joseph vor, zu sehr im Detail haften geblieben zu sein. Aber auch der Erzherzog und seine Kanzlei trachteten, ihren Informationszufluss zu erweitern und neue Kompetenzen an sich zu raffen, was sich in steigenden Aktenzahlen ausdrückte. Soweit es aus den organisationsgeschichtlichen Markmalen der beiden Kanzleien zu entnehmen ist, machte der Thronfolger Franz Ferdinand als „Herrscher von morgen“ nicht den Eindruck, „loslassen“ zu können und sich auf die Entscheidung weniger, wesentlicher Angelegenheiten beschränken zu wollen. Er trug den Erfordernissen der Zeit nicht durch vertrauensvolle Delegation von Entscheidungen geringerer Wichtigkeit auf untere Ebenen Rechnung. Kaiser Franz Joseph arbeitete den Aktendurchlauf mit Sorgfalt präzise selbst ab, wobei ihm seine Militärkanzlei nur zuarbeitete. Der Thronfolger hingegen war einen Großteil des Jahres unterwegs und schuf sich auf seiner Ebene zunächst mit der Militärkanzlei ein Hilfsorgan, das einen wesentlichen Teil seiner Arbeiten für ihn erledigte. Die Vorstände seiner Militärkanzlei, Brosch und Bardolff, erhielten dadurch eine weit über ihre formale Stellung hinausragende Bedeutung und Einflussmöglichkeit. Es deutet viel darauf hin, dass der Erzherzog auch als künftiger Kaiser und König keine strukturellen Änderungen in seiner Aufgabenwahrnehmung vorgehabt hätte und dass er dieser nur ein verfassungskonformes Kleid geben wollte. Dies sollte durch die Schaffung eines Reichskanzlers erfolgen. Die Personalpolitik in den Militärkanzleien gibt weitere Einblicke in das Amtsverständnis des Monarchen und des Thronfolgers. Während in der Militärkanzlei des Kaisers und Königs eine Mindestanzahl von Generalstabsoffizieren und Beamten die ungarische Sprache perfekt beherrschen musste, war in der Militärkanzlei des Thronfolgers eine ungarische Abstammung, die meist die Voraussetzung für perfekte ungarische Sprachkenntnisse war, ein Ausschließungsgrund für die Zuteilung. Dies weist aber bereits auf unterschiedliche Herangehensweisen des Kaisers und Königs einerseits und des Thronfolgers anderseits an die mit Ungarn offenen Fragen vor allem verfassungsrechtlicher Natur hin. Der Kaiser stellte sich auch unangenehmen Gesprächen mit den Ungarn, der Thronfolger wich ihnen aus. Es ist fraglich, ob die vom Thronfolger verfolgte Kommunikationsverweigerung bzw. die geplante Delegation der Kommunikation an einen Reichskanzler ein zielführenderer Weg gewesen wäre.
Abstract
(Englisch)
The research work of the Institute for Austrian Historical Research on the Cabinet Chancellery of the Emperor and King is carried out under the heading “In the Ruler's Office”. Strictly speaking, however, it only deals with one “half”, namely the civilian, of this office. It therefore seemed necessary to illuminate also the other “half” of the desk in the form of the Military Chancellery. For several years, the military chancellery of the Heir to the Throne Archduke Franz Ferdinand operated in parallel with the Emperor's Military Chancellery, and some claim that it was in opposition to it. After decades of existence, the Emperor's Military Chancellery already had a high degree of stability in the period 1889-1914. In contrast, the Military Chancellery of the Archduke was still being set up and was therefore undergoing dynamic development. From a methodological point of view, the Organizational History with the characteristics according to Peter Preisdörfer proofed very suitable for describing both Military Chancelleries and their differences and for showing the different ruling principles of the “ruler of yesterday” and the “ruler of tomorrow”. The matters that made up the subject of administration in the civil and military areas increased in number and complexity in the considered period of 1898-1914 and had also an impact on the monarch's decision-making needs. Biographers sometimes accuse Emperor and King Franz Joseph of sticking too much to the details. But the Archduke and his Cancellery sought to expand the flow of information and acquire new competences, which was reflected in the increasing number of files. As far as can be seen from the organizational historical characteristics of the two Chancelleries, the Heir to the Throne Franz Ferdinand, as the “ruler of tomorrow”, did not give the impression of being able to “let go” and of wanting to limit himself to deciding a few, essential matters. He did not take the needs of the time into account by trustingly delegating less important decisions to lower levels. Emperor Franz Joseph carefully and precisely processed the files himself, with his Military Chancellery only assisting him. The Heir to the Throne, on the other hand, was away from his desk for a large part of the year and initially created an auxiliary body at his level, the Military Chancellery, which carried out a lot of his work for him. This gave the commanders of his Military Chancellery Brosch and Bardolff an importance that far exceeded their formal position. There is strongly to suspect that the Archduke had no intention of making any structural changes to his duties and to his workstyle as future Ruler and that he only wanted to try to give his Chancellery a dress that conformed to the constitution. This should be done by creating an Imperial Chancellor (“Reichskanzler”). In general, the personnel policy in the Military Chancellery provides further insights into the understanding of the ruling principles of the Emperor and the Heir to the Throne. In the Military Chancellery of the Emperor and King at least a minimum number of general staff officers and civil servants had to have a perfect command of the Hungarian language. In contrast to this in the Military Chancellery of the Heir to the Throne, Hungarian ancestry, which was usually the prerequisite for perfect Hungarian language skills, was a reason for exclusion from assignment. This detail already points to different approaches of the Emperor and King on the one hand and the Heir to the Throne on the other hand to the outstanding questions with Hungary, especially of constitutional nature. The Emperor and King was ready to face also unpleasant discussions with the Hungarians, but the Heir to the Throne avoided them. It is questionable whether the Heir to the Throne's refusal to communicate and the planned delegation of communication to an Imperial Chancellor would have been the more effective approach.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Thronfolger Franz Ferdinand Kaiser und König Franz Joseph Militärkanzlei
Schlagwörter
(Englisch)
Archduke Franz Ferdinand Emperor and King Franz Joseph Military Chancellery Alexander Brosch von Aarenau Carl von Bardolff
Autor*innen
Wilfried Schimon
Haupttitel (Deutsch)
Die Militärkanzlei des Kaisers Franz Joseph und die des Thronfolgers Franz Ferdinand
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine vergleichende Organisationsgeschichte
Paralleltitel (Englisch)
The military chancellery of Emperor Franz Joseph and that of the heir to the throne Franz Ferdinand
Paralleluntertitel (Englisch)
a comparative organisational history
Publikationsjahr
2024
Umfangsangabe
194 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Peter Becker
Klassifikation
15 Geschichte > 15.60 Schweiz. Österreich-Ungarn. Österreich
AC Nummer
AC17380833
Utheses ID
73504
Studienkennzahl
UA | 066 | 803 | |
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