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Martin Luther und das Judentum in der Forschungsgeschichte anhand ausgewählter deutscher Autoren des 20. und 21. Jahrhunderts
Rudolf Kirchgrabner
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Katholisch-Theologische Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Religionswissenschaft
Betreuer*in
Hans Gerald Hödl
DOI
10.25365/thesis.78086
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-19954.10676.811211-8
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Martin Luther wird bis heute vorgeworfen, dass er die Grundlagen für die Judenfeindschaft im NS-Staat gelegt hat. Ab dem 20. Jahrhundert wurden die Schriften von Luther darum genauer analysiert. Dabei stellten die meisten Autoren fest, dass die judenfeindlichen Aussagen von Luther aufgrund von theologischen Grundlagen getätigt wurden. Luthers Lehre, mit der er das damalige Christentum reformierte, geht davon aus, dass Jesus als der Messias für die Menschen sein Leben hingegeben hat. Damit hat er die Menschen bereits gerechtfertigt, es ist nur der Glaube an Jesus Christus notwendig. Andere Werke, um Gott zu beeinflussen, sind nicht mehr erforderlich. Diese Ansicht vertrat Luther zunächst in vielen Streitgesprächen gegenüber der römischen Kirche. Aber auch andere Gruppen wie die Schwärmer, Wiedertäufer oder die Türken konfrontierte Luther mit seiner Lehre. Eine besondere Stellung hatten dabei die Juden. Sie hatten ebenfalls das Alte Testament als Grundlage, Luther meinte aber, dass die Juden den Sinn des Alten Testaments nicht verstehen. Glaubte Luther zunächst, die Juden durch seine reformatorische Lehre überzeugen zu können, musste er später einsehen, dass nicht nur die falsche Behandlung der Juden daran schuld war, dass sie Jesus als den Messias ablehnen. Luther wurde immer mehr von den evangelischen Landesfürsten angefragt und musste seine Lehre gegen alle Gruppen, also auch gegen die Juden, verteidigen. Luther kam schlussendlich zur Überzeugung, dass es nur Gott möglich machen kann, die Juden zu bekehren. Ein Umgang mit den Juden würde auch die christliche Lehre beschädigen, sodass es besser sei, wenn die Juden die evangelischen Länder verlassen. Luther hatte nichts gegen das Volk der Juden, er war kein Antisemit. Seine Gegnerschaft war ausschließlich auf seine Auslegung der Heiligen Schrift zurückzuführen. Luther war der Überzeugung, dass er die Bibel richtig auslegt und dass Jesus als der Messias im Alten Testament bereits angekündigt wurde. Diese Lehre hat er von Anfang an vertreten, eine spätere Änderung seiner Ansicht kann nicht nachvollzogen werden. Diesen Unterschied zwischen den theologischen Problempunkten und den Juden als Volk haben die Machthaber in der NS-Zeit verwischt. Teilweise fand der NS-Staat auch Resonanzen in den Evangelischen Kirchen, wo der Reformator Luther und seine Aussagen einen großen Stellenwert haben. Diese Arbeit soll zeigen, dass bei einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit den Aussagen von Martin Luther keine Grundlage für den Antisemitismus im 20. Jahrhundert hergeleitet werden kann.
Abstract
(Englisch)
To this day, Martin Luther is accused of laying the foundations for hostility to Jews during the Nazi state. From the 20th century onwards, Luther's writings were analyzed in more detail. Most authors note that Luther's anti-Jewish statements were made on theological grounds. Luther's teaching, with which he reformed Christianity at the time, is based on the fact that Jesus gave his life as the Messiah for people. With this he has already justified people; all that is necessary is faith in Jesus Christ. Other works to influence God were no longer necessary. Luther initially represented this view in many disputes with the Roman Church. But Luther also confronted other groups such as the Enthusiasts, Anabaptists and the Turks with his teaching. The Jews had a special position in this. They also had the Old Testament as a basis, but Luther believed that the Jews did not understand the meaning of the Old Testament. While Luther initially believed that he could convince the Jews with his Reformation teaching, he later had to realize that it was not just the wrong treatment of the Jews that was to blame for them rejecting Jesus as the Messiah. Luther was increasingly asked by the Protestant rulers and had to defend his teachings against all groups, including the Jews. Luther ultimately came to the conclusion that only God could make it possible to convert the Jews. Dealing with the Jews would also damage Christian teaching, so it would be better if the Jews left the Protestant countries. Luther had nothing against the Jewish people, he was not an Anti-Semite. His opposition was due entirely to his interpretation of the Holy Scripture. Luther was convinced that he was interpreting the Bible correctly and that Jesus had already been announced as the Messiah in the Old Testament. He represented this doctrine from the beginning; any subsequent change in his view cannot be traced. Those in power during the Nazi era blurred the difference between the theological problems and the Jews as a people. The Nazi state also partly found resonance in the Evangelical Church, where the reformer Luther and his statements are very important. This work is intended to show that no basis for the Anti-Semitism of the 20th century can be derived from a scientific study of the statements of Martin Luther.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Martin Luther Judentum
Autor*innen
Rudolf Kirchgrabner
Haupttitel (Deutsch)
Martin Luther und das Judentum in der Forschungsgeschichte anhand ausgewählter deutscher Autoren des 20. und 21. Jahrhunderts
Paralleltitel (Englisch)
Martin Luther and Judaism in research history based on selected German authors of the 20th and 21st centuries
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
166 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Hans Gerald Hödl
Klassifikation
11 Theologie > 11.24 Jüdisch-christliche Beziehungen
AC Nummer
AC17481584
Utheses ID
74144
Studienkennzahl
UA | 066 | 800 | |
