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Verschlungene Narrative
Anthropophagie als Metapher in den Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm
Thomas Macher
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Lehramt Sek (AB) Unterrichtsfach Deutsch Unterrichtsfach Psychologie und Philosophie
Betreuer*in
Pia Janke
DOI
10.25365/thesis.77620
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-23392.21650.243735-8
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die Persona des Menschenfressers hat in der Kulturgeschichte der Menschheit einen Fixplatz, der seinesgleichen sucht. Ebenso wie der Kannibale verschlingt, ist er nicht nur gleichsam Verschlungenes, in Form seiner Verkörperung innerhalb der Literatur, sondern auch eng mit der DNA des Geschichtenerzählens an sich verschlungen. Eine der frühesten literarischen Gattungen macht sich die Wirkungsmacht dieser Figur zunutze: Das Märchen, das nahezu so alt ist, wie die menschliche Kultur selbst. Egal, ob im alten Ägypten, im antiken Griechenland, zur Zeit der deutschen Romantik oder in der Moderne – Geschichten dieser Art berichte(te)n von strahlenden Held*innen, König*innen und bitterarmen Existenzen, der Grausamkeit der Natur und den Widrigkeiten des Erwachsenwerdens, von Ungeheuern, Hexen und Monstern aus den eigenen Reihen und eben auch von innerartlichem Verzehr. Ebenso verschieden wie der Inhalt der Geschichten ist dabei die Ausprägungsform der kannibalistischen Praktik: In aller Heimlichkeit oder öffentlich, gänzlich ohne jegliche Scham, werden Jungfrauen für den späteren Verzehr gesalzen oder Kinder zubereitet und anderen unwissentlich serviert.
Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung wird die metaphorische Dimension der Anthropophagie anhand beispielhaft ausgewählter Märchen der Brüder Grimm untersucht. Die Analyse geht dabei über eine bloße Essensmotivik hinaus und behandelt ethnologische, psychoanalytische und zwangsläufig auch gesellschaftspolitische Fragen, die sich unter anderem mit Geschlechterverhältnissen beschäftigen. Die kannibalistischen Vorkommnisse in den Märchen helfen letztlich dabei zu offenbaren, wie kathartische Grenzüberschreitung und Tabubruch in Form des Zubereitens und Essens von Menschen als Stilmittel eingesetzt werden. Dabei sind nicht nur die kulturelle Geschichte des Kannibalismus, sondern auch grundlegende literaturwissenschaftliche Spezifika der Metapher, der Märchenforschung und der Anthropologie von Relevanz. Dieses Instrumentarium erlaubt es, zusammen mit ethnologischen und psychoanalytischen Exkursen, die Wirksamkeit des genannten literarischen Topos zu ergründen. Die Ergebnisse lassen sich verschiedenen Deutungskategorien zuordnen (unter anderem Marginalisierung, Geschlechterverhältnissen oder der Verarbeitung von Hungersnöten) und sind dabei so verschieden wie frappant. Je nach Betrachtungsweise lassen sich die unterschiedlichsten Schlüsse aus dem Bedürfnis nach dem Verzehr von Menschenfleisch ziehen.
Abstract
(Englisch)
The persona of the man-eater has a fixed place in cultural history of mankind that is second to none. Just as the cannibal devours, he is not only devoured himself in the form of his embodiment within literature, but also closely intertwined with the DNA of storytelling. One of the earliest literary genres harnesses the seminal impact of this character: The fairy tale, which is almost as old as human culture itself. Whether in Ancient Egypt, Ancient Greece, at the time of German Romanticism or in the modern age – stories of this kind tell of shining heroes, queens and poor existences, the cruelty of nature and the adversities of growing up, of ogres, witches and monsters from within our own ranks and not surprisingly also of mutual intraspecific consumption. Just as varied as the content of the stories is the form of the cannibalistic practice: in secret or in public, without any shame whatsoever, virgins are salted for later consumption or children are prepared and served to others unknowingly.
In this study, the metaphorical dimension of anthropophagy is examined using a selection of fairy tales by the Brothers Grimm as examples. The analysis goes beyond a mere eating motif and deals with ethnological, psychoanalytical and inevitably socio-political questions that deal with gender relations, among other things. The cannibalistic incidents in the fairy tales ultimately help to reveal how cathartic taboo-breaking in the form of preparing and subsequently eating people is used as a stylistic device. Not only the cultural history of cannibalism, but also fundamental literary specifics of the metaphor, fairy tale research and anthropology are needed for examining this matter. These instruments, combined with ethnological and psychoanalytical excursions, make it possible to explore the effectiveness of the named literary topos. The results can be assigned to various categories of interpretation (including marginalization, gender relations or working through the traumatic experiences of famine) and are as diverse as they are striking. Depending on how one looks at it, a wide variety of conclusions can be drawn from the desire to eat human flesh.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Märchen Kannibalismus Brüder Grimm Romantik Metapher
Schlagwörter
(Englisch)
fairy tale cannibalism Brothers Grimm romanticism metaphor
Autor*innen
Thomas Macher
Haupttitel (Deutsch)
Verschlungene Narrative
Hauptuntertitel (Deutsch)
Anthropophagie als Metapher in den Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm
Paralleltitel (Englisch)
Devoured narratives
Publikationsjahr
2024
Umfangsangabe
II, 96 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Pia Janke
Klassifikationen
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.90 Literatur in Beziehung zu anderen Bereichen von Wissenschaft und Kultur ,
18 Einzelne Sprachen und Literaturen > 18.10 Deutsche Literatur
AC Nummer
AC17418725
Utheses ID
74183
Studienkennzahl
UA | 199 | 506 | 525 | 02
