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Ordering and mastering Corona
the articulation of knowledge, values, and justification for action in a science advice document by the Robert Koch-Institut
Paul Nikolai Buntfuß
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Science-Technology-Society
Betreuer*in
Christian Haddad
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.77801
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-20240.35364.569937-5
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die COVID-19-Pandemie machte die Rolle wissenschaftlicher Beratung in politischer Handlungsfähigkeit deutlich. Von Wissenschaft wurde erwartet eine Deutung der der Krise, als die das neuartige Virus gemeinhin verstanden wurde, vorzunehmen und dabei Gegenmaßnahmen zu empfehlen. Um diese Prozesse zu analysieren, untersuche ich in dieser Abschlussarbeit ein zentrales Dokument, mit dem das Robert Koch-Institut (RKI), die deutsche Ressortforschungseinrichtung für Gesundheitsfragen, der Bundesregierung wissenschaftliche Beratung gibt. Dieses Dokument wird als eine Ergänzung zu den nationalen Pandemieplänen (kurz ‚Ergänzung‘) bezeichnet und soll den Staat auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse auf Maßnahmen vorbereiten. Meine Masterarbeit richtet sich mit diesem Fall damit auf eine Untersuchung des Verhältnisses von Wissen, Werten und politischem Handeln in der wissenschaftlichen Politikberatung. Um der besonderen Stellung wissenschaftlicher Politikberatung zwischen Wissenschaft und Politik, die im RKI als Ressortforschungseinrichtung besonders deutlich wird, gerecht zu werden, verwende ich einen spezifischen konzeptionellen Ansatz. In Anlehnung an die bestehende Literatur verstehe ich wissenschaftliche Politikberatung als durch eine politisch-epistemische Doppelstruktur gekennzeichnet. Sie ist also sowohl auf die Themen gerichtet, zu denen sie berät, als auch auf die politischen EmpfängerInnen der Beratung, die eine Interpretation des Themas und eine Entscheidungshilfe für ihr Handeln erwarten. Dafür verwende ich eine theoretische Perspektive, die auf der Arbeit von Boltanski & Thévenot (2006) basiert, um parallellaufende Ordnungsprozesse von Wissen und Handeln zu untersuchen. Aufgrund der Interpretationsabhängigkeit von Krisen ist mein Ansatz auf die Prozesse ausgerichtet, in denen das Phänomen, das gemeinhin als COVID-19-Krise verstanden wird, seine Form erhält. Ich spreche daher von Corona, um die Unbestimmtheit und aufgewandte Interpretationsleistung zu erfassen. Dazu verwende ich einen analytischen Fokus auf Artikulationen von Problemstellungen (issues) und verbinde ihn mit meiner theoretischen Perspektive. Unterstützt wird dies durch meinen methodischen Ansatz, der auf einer praxisorientierten Dokumentenanalyse beruht. In einer iterativen analytischen Herangehensweise entwickle ich eine Heuristik, die Dokumente als aktiv versteht. Mit dieser Heuristik beschreibe ich die Ergänzung als ein Werkzeug, das die drei unterschiedlichen, aber eng miteinander verbundenen Funktionen des Repräsentierens, Orientierens und Intervenierens erfüllt. In der Beschreibung dieser Funktionen präsentiere ich eine Lesart des Dokuments als Möglichkeiten bietend, über Corona zu sprechen (Repräsentation), die Dynamik des Phänomens und die eigene Position darin einzuschätzen, (Orientierung), und unter der spezifischen Position eingreifend zu handeln (Intervention). Basierend auf diesen Erkenntnissen wende ich in einem zweiten Schritt meine theoretische Perspektive an, indem ich vorschlage, die Ergänzung so zu lesen, dass sie den politischen Empfängern ein spezifisches Verständnis von Corona vermittelt. Dieses spezifische Verständnis wird in meiner Analyse durch das im Dokument enthaltene Konzept eines infektionsepidemiologischen Geschehens erfasst, das es zu bewältigen gilt. Ich argumentiere, dass bei diesem Konzept Wissen, Werte und Handeln durch ineinandergreifende Prozesse der Verallgemeinerung zusammen geordnet werden. Werte werden durch dieses Konzept im Sinne des Schutzes vor Infektion ausgedrückt. Darüber hinaus dient dieses Konzept als Rechtfertigungsprinzip, das sowohl die Rechtfertigung für Intervention in Corona an sich als auch die Form spezifischer Interventionen liefert. Mit der Ergänzung, so argumentiere ich, bietet das RKI der deutschen Regierung eine besondere Ressource: Ein Repertoire an Praktiken und Rechtfertigungen von Praktiken, um Corona zu deuten und zu bewältigen. Mit dieser Analyse kann ich zeigen, wie in meinem Fall der wissenschaftlichen Beratung zu Corona die Prozesse der Koproduktion von Wissen und Werten funktionieren. Darüber hinaus beleuchte ich den Zusammenhang zwischen der Artikulation von Problemstellungen und Rechtfertigung politischen Handelns. Ich zeige, wie in diesem Zusammenhang von dem Dokument andere Formen von Wissen sowie der Ausdruck anderer Werte ausgeschlossen wird. Diese Selektion von Wissen und Werten ist wechselseitig konstitutiv mit den empfohlenen Interventionsmöglichkeiten, weshalb ich dafür plädiere, dies für die Frage nach Neutralität in der wissenschaftlichen Politikberatung zu berücksichtigen. Diese Masterarbeit spricht daher zur STS-Literatur zu wissenschaftlicher Politikberatung und schlägt vor, eine Betonung von Koproduktion mit einem Fokus auf jene Prozesse zu verbinden, durch die Wissen, Werte und politisches Handeln in der Praxis miteinander verknüpft werden.
Abstract
(Englisch)
The COVID-19 pandemic emphasized the role of scientific policy advice in political action. Here, science was called upon to make sense of the crisis, as which the novel virus was commonly understood, and to recommend countermeasures. To analyze these processes, I look in this thesis at the case of a central document, by which the Robert Koch-Institut (RKI), the German public health departmental research organization, gives science advice to the German government. This document is referred to as a supplement to the national pandemic preparedness plans (short ‘supplement’) and aims to prepare the state for action based on scientific knowledge. Therefore, my thesis uses this case to investigate the relation between knowledge, values, and political action in science advice. To deal with the special position of science advice between science and politics, which is especially well visible in the RKI as a departmental research organization, I mobilize a specific conceptual approach. Based on the existing literature, I understand science advice as characterized by a political-epistemic double structure. I therefore consider it directed at both the issues it gives advice on and the political recipients of the advice, expecting an interpretation of the issue and decision-support to act on it. Therefore, I use a theoretical perspective based on the work by Boltanski & Thévenot (2006) to look at processes of ordering knowledge and action concurrently. Due to the interpretation-dependency of crises, my approach looks at the processes in which the phenomenon commonly understood as COVID-19 crisis gets its shape. I therefore speak of Corona, to capture its undefined nature and the work of interpreting it. To do so, I use an analytical focus on issue-articulations and combine it with my theoretical perspective. This is supported by my methodological approach, using practice-oriented document analysis. In an iterative analysis, I develop a heuristic which builds on the understanding of documents as active. With this heuristic, I describe the supplement as a tool, fulfilling the three distinct but interconnected functions of representing, orienting and intervening. By describing these functions, I read the science advice document as providing ways to speak about Corona (representation), to assess its dynamic and the own position within it (orientation) and to act on it, considering the specific position (intervention). These findings allow me to apply my theoretical perspective to the supplement, by which in a second step I propose to read it as providing a specific understanding of Corona to its political recipients. This specific understanding is captured in my analysis by the document’s concept of an infection-epidemiological ongoing happening, which is to be mastered. I argue that with this concept, knowledge, values and action are ordered concurrently within the supplement by interlocking processes of generalization. Values are expressed by this concept in terms of protection from infection. Furthermore, this concept serves as a principle of justification, providing both the justification for intervention into Corona per se as well as the shape of specific interventions. With the supplement, I therefore argue, the RKI offers a special resource to the German government: A repertoire of practices and justifications of practices to make sense of Corona and master it. With this analysis, I can show how in my case of Corona science advice, the processes of co-production of knowledge and values work. I furthermore explore their connection to the issue-articulation and justification of political action. In this connection I show how the supplement precludes different forms of knowledge as well as the mobilization of other values. This selection of knowledge and values is mutually constitutive with the range of recommended options of intervention, which is why I argue for reconsidering the question of neutrality in science advice. This thesis therefore speaks to the STS literature on science advice and suggests combining the emphasis on co-production with a focus on the processes by which knowledge, values, and political action are linked in practice.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
STS Wissenschaftliche Politikberatung COVID-19 Corona Ko-Produktion Rechtfertigung Expertise
Schlagwörter
(Englisch)
STS Science advice COVID-19 Corona Co-Production Justification Expertise
Autor*innen
Paul Nikolai Buntfuß
Haupttitel (Englisch)
Ordering and mastering Corona
Hauptuntertitel ()
the articulation of knowledge, values, and justification for action in a science advice document by the Robert Koch-Institut
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
131 Seiten
Sprache
Englisch
Beurteiler*in
Christian Haddad
Klassifikation
70 Sozialwissenschaften allgemein > 70.99 Sozialwissenschaften allgemein. Sonstiges
AC Nummer
AC17450685
Utheses ID
74619
Studienkennzahl
UA | 066 | 906 | |
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