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Customary international law limits to bases of international civil court jurisdiction
Florian Ettmayer
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Rechtswissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium der Rechtswissenschaften Rechtswissenschaften
Betreuer*in
Michael Waibel
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.78935
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-24524.38849.289386-8
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Während die meisten Gerichtsstände des internationalen Zivilverfahrens allgemeine Akzeptanz genießen, gibt es bestimmte Gerichtsstände, die wiederholt kritisiert und als „exorbitant“ bezeichnet wurden. Sie werden aus internationaler Sicht als unangemessen oder schlicht unzulässig angesehen. Der Vorwurf der Exorbitanz schließt einen Aspekt mit ein, der unzureichend erforscht ist: Bestimmte Gerichtsstände mögen nicht nur unfair und international unerwünscht sein, sondern auch gegen das Völkergewohnheitsrecht verstoßen. Nach ca. 200 Jahren der Theoriebildung sind die Meinungen zu diesem Thema weiterhin geteilt. Das kürzlich veröffentlichte Restatement Fourth of U.S. Foreign Relations Law, das von namhaften Wissenschaftlern unterstützt wird, behauptet, dass das Völkergewohnheitsrecht die Staaten in ihrer Wahl der Gerichtsstände im internationalen Zivilverfahren überhaupt nicht einschränkt. Ebenso namhafte Wissenschaftler haben dem widersprochen. Dennoch ist das Restatement Fourth geeignet, den Diskurs entscheidend in die Richtung „keine Grenzen“ zu lenken. Drei Aspekte stechen bei der Betrachtung der westlichen Literatur zu diesem Thema hervor. Erstens stammen so gut wie alle Beispiele für die Staatenpraxis aus den USA und Europa, vor allem aus Deutschland und dem Vereinigten Königreich. Zweitens setzen sich jene, die völkergewohnheitsrechtliche Grenzen befürworten, kaum (oder gar nicht) mit konkreten Beispielen für opinio iuris auseinander. Drittens untersuchen sie nicht, welche Bedeutung deduktiven Argumenten, welche aus Grundprinzipien wie der Souveränität gewonnen werden, zukommen soll. Diese Dissertation analysiert eine Stichprobe von 75 Rechtsordnungen, untersucht ein umfassendes Quellenmaterial aus über zwei Jahrhunderten und berücksichtigt (mit viel Zurückhaltung) deduktive Argumente als unterstützende Erkenntnisquelle. Die Arbeit gelangt zu den folgenden Schlussfolgerungen: Exorbitante Gerichtsstände, wie sie derzeit bestehen, verstoßen nicht gegen das Völkergewohnheitsrecht. Es gibt keine Verbotsnorm, die sie verbietet, sondern sie entsprechen einer Erlaubnisnorm. Die 75 untersuchten Rechtsordnungen zeigen, dass exorbitante Gerichtsstände weit verbreitet sind. Außerdem besteht keine ausreichende ihnen entgegengesetzte opinio iuris. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Völkergewohnheitsrecht der Ausübung internationaler Zivilgerichtsbarkeit keine Schranken setzt. Vielmehr bewegen sich die exorbitanten Gerichtsstände im Rahmen des vom Völkergewohnheitsrecht Erlaubten. Aus Staatenpraxis und opinio iuris kann folgende Regel gewonnen werden: Internationale Zivilgerichtsbarkeit (konkret ein Ausschnitt davon, der als ICA-Jurisdiction definiert wird - siehe Kapitel 1 Abschnitt 4) muss auf der Grundlage einer hinreichend engen, d.h. bona fide und vor allem nicht willkürlichen, Nahebeziehung zwischen den Parteien und/oder dem Streitgegenstand auf der einen Seite und mindestens einem der konstitutiven Elemente des Gerichtsstaats (Staatsvolk, Staatsgebiet, Staatsgewalt) auf der anderen Seite ausgeübt werden.
Abstract
(Englisch)
While most grounds of international civil jurisdiction are acceptable to most stakeholders, certain rules have been met with recurring criticism and have been labelled ‘exorbitant’, meaning inappropriate from an international standpoint or simply impermissible. The charge of exorbitance has a dimension, which is understudied: certain rules of civil court jurisdiction may not only be unfair and undesirable internationally, but they may also violate customary international law. After approximately 200 years of theorising, opinion on this issue remains divided. The recently published Restatement Fourth of U.S. Foreign Relations Law, supported by eminent scholars, claims that customary international law does not limit states in their choice of bases of international civil law jurisdiction at all. Equally eminent scholars have disagreed. Nevertheless, the Restatement Fourth is well-positioned to push the divided scholarly opinion decisively in the direction of ‘no limits’. Three aspects are striking when considering the collection of Western scholarly opinion on the subject. First, virtually all examples of state practice are from the U.S. and Europe, predominantly from Germany and the U.K. There is no truly representative empirical study. Second, the proponents of customary international law limits offer little (or no) analysis of concrete examples of opinio juris. Third, they do not define the proper role for deductive arguments from principles such as sovereignty. This doctoral thesis analyses a sample of 75 legal systems, reviews expressions of opinio juris canvassed from a wide array of source material spanning more than two centuries and considers (with much restraint) deductive forms of reasoning as an aid in the analysis. It comes to the following conclusions: Exorbitant bases as they exist today do not violate customary international law. There is no prohibitive rule against them; instead, they conform to a permissive rule. The broad sample of analysed legal systems shows that exorbitant bases are pervasive. Moreover, there is no evidence of opposing opinio juris to any relevant degree. Yet, this does not mean that customary international law allows unbridled international civil court jurisdiction. Rather, the exorbitant bases remain within established rules. State practice and statements of opinio juris can be synthesised into the following rule: All international civil court jurisdiction (specifically a subgroup referred to in the doctoral thesis as ICA-Jurisdiction – see Chapter 1 Section 4) must be exercised based on a rule of a sufficiently close connection, i.e. one that is non-arbitrary and otherwise in good faith, between the parties and/or the subject matter of the lawsuit on the one side and at least one constitutive element of the state exercising ICA-Jurisdiction (population, territory, government) on the other side.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Völkergewohnheitsrecht Zuständigkeitsrecht Zivilgerichtsbarkeit
Schlagwörter
(Englisch)
customary international law law of jurisdiction civil jurisdiction
Autor*innen
Florian Ettmayer
Haupttitel (Englisch)
Customary international law limits to bases of international civil court jurisdiction
Paralleltitel (Deutsch)
Völkergewohnheitsrechtliche Schranken der Gerichtsstände im internationalen Zivilverfahren
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
VI, 224 Seiten : Illustrationen
Sprache
Englisch
Beurteiler*innen
Matthias Lehmann ,
Alex Mills
Klassifikation
86 Recht > 86.93 Völkerrechtliche Sondergebiete
AC Nummer
AC17603370
Utheses ID
74693
Studienkennzahl
UA | 783 | 101 | |
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