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Der Kunstgütertransfer von Südtirol und Slowenien ins Deutsche Reich als Sicherstellung deutschen Kulturgutes durch die SS-Forschungs-und Lehrgemeinschaft "Das Ahnenerbe"
Hermann Brugger
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium der Philosophie Kunstgeschichte
Betreuer*innen
Lioba Theis ,
Bertrand Perz
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.81805
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29510.34775.112836-8
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Dissertation „Der Kunstgütertransfer von Südtirol und Slowenien ins Deutsche Reich als Sicherstellung deutschen Kulturgutes durch die SS-Forschungs-und Lehrgemeinschaft Das Ahnenerbe“ erforscht den geschichtlichen Kontext, die Handlungen der involvierten Personen und den tatsächlichen Ablauf. Dabei werden die Tätigkeiten des Ahnenerbes bei der „Sicherung deutschen Kulturgutes“ während der Umsiedelungen in Südtirol und in Slowenien untersucht. Die Umsiedlungen in Südtirol und in Slowenien während des Zweiten Weltkrieges haben Gemeinsamkeiten, aber auch wesentliche Unterschiede in den Zielsetzungen. Gemeinsam ist den beiden Gebieten, dass sie ursprünglich zu Österreich gehörten und nach dem Ersten Weltkrieg zu Italien bzw. zu Jugoslawien kamen. Die Umsiedlung in Südtirol mit der vorangegangenen Abstimmung, der sogenannten Option, war ein Tribut Hitlers an Mussolini, um die Achse Berlin-Rom zu sichern. Die Besetzung und Zerschlagung Jugoslawiens 1941 führte zu einer Raubaufteilung Sloweniens zwischen Italien, Deutschland und Ungarn. Die Umsiedlung der Volksdeutschen in der dann seit 1941 italienisch verwalteten Provinz Laibach ist vom Ablauf her vergleichbar mit Südtirol. In den von den Gauen Kärnten und Steiermark verwalteten slowenischen Gebieten, der Oberkrain und der Untersteiermark, wurde eine Germanisierungspolitik durchgeführt. Für die Feststellung, Aufnahme und Bearbeitung des Kulturgutes setzte der Umsiedlungsbeauftragte Himmler das Ahnenerbe ein. Gleich zu Beginn intervenierten namhafte Kunsthistoriker und Museumsdirektoren und veranlassten die Sicherung deutscher Kulturgüter, damit ein vorzeitiger Verkauf wertvoller Werke deutscher Kunst an unberufene Interessenten unterbunden wird und deutschen Museen erhalten bleiben konnte. Die Abläufe der offiziellen Transfers von Kunstwerken bei den Umsiedlungen entsprechend den geltenden Umsiedlungsverträgen und die der inoffiziellen Transfers werden untersucht. Die Forschungsfrage lautet, ob es bei der „Sicherung und beim Aufkauf gefährdeter Kunstgüter“ eine Ebene der unrechtmäßigen Entziehung und Verbringung von Kulturgut seitens Ahnenerbe mit Hilfe der lokalen Organisationen gab. Die Tätigkeiten des Ahnenerbes und der involvierten Akteure werden anhand der Schriftwechsel des NS-Verwaltungsapparates recherchiert. Die Vorgänge werden durch eine detaillierte Untersuchung der Quellen in den genannten Archiven analysiert: dem Archivio di Stato di Bolzano, dem Bundesarchiv Berlin/Koblenz (BArch), dem Bundesdenkmalamt Tirol (BDA Tirol), dem Denkmalamt Bozen, dem Germanischen Nationalmuseum (GNM), dem Kärntner Landesarchiv (KLA), dem Landesarchiv Autonome Provinz Bozen, dem Österreichischen Staatsarchiv (ÖStA), dem Steiermärkischen Landesarchiv (StLA), dem Tiroler Landesarchiv (TLA), dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (TLMF) sowie in den Online-Datenbanken (Fold3, Tagebücher Posse, Tagebücher Sievers etc.). Zur Dokumentation der Kulturguttransfers wird, um die wesentlichen Aspekte der Erwerbssituation, der Transaktionsformen und der Translokation wiederzugeben, die Methodik der systematischen Provenienzforschung angewendet. Es konnte nachgewiesen werden, dass bei der Sicherung und beim Aufkauf gefährdeter Kunstgüter eine Ebene der unrechtmäßigen Entziehung und Verbringung von Kunstgütern existierte. Im Falle Südtirols war Innsbruck der zentrale Aufbewahrungsort mit der Abmachung, dass „ordnungsgemäß angekaufte Gegenstände ohne Rückforderungsrecht der Volksgruppe den Museen in Innsbruck verbleiben“. Die Akteure waren der Reichsgau Tirol-Vorarlberg, das Ferdinandeum, die Arbeitsgemeinschaft der Optanten (AdO) und das Ahnenerbe, spez. die Kulturkommission. Die Vorgangsweise in der italienisch verwalteten Provinz Laibach lief unter ähnlichen Bedingungen wie in Südtirol ab. In Südtirol und in der Provinz Laibach war die Vorgangsweise ein Balanceakt mit dem Bündnispartner Italien. In der Oberkrain und in der Untersteiermark musste auf keinen Bündnispartner Rücksicht genommen werden. In diesen Gebieten wurde im Auftrag der österreichischen Gauleitungen über den Generaltreuhänder des Ahnenerbes alles beschlagnahmt, was im jüdischen, feindlichen und kirchlichen Besitze war. Wobei die regionalen Museumsleute eine Wunschliste erstellten und die entsprechenden Hinweise gaben. Die örtlichen Museen bekamen daraufhin die Oberaufsicht für die Sammelstellen, wo die Objekte im Großen auch verblieben. Bei den Recherchen in den Archiven konnten einige essentielle Auflistungen von Objekten erhoben werden, die sowohl bei der Zuordnung als auch bei der Suche von Kunstobjekten wichtig sind. Bei 50 Fallgeschichten konnte der Weg von Objekten in „Zeit und Raum“ exemplarisch dokumentiert werden. Was bleibt, sind die Objekte im fragwürdigen Besitz der verschiedenen Museen als Kultur- und Sammlungsgut. Es gilt noch vieles aufzuarbeiten, und sei es nur, dass die Herkunftsgeschichten der Kunstobjekte dokumentiert werden.
Abstract
(Englisch)
The dissertation ‘Der Kunstgütertransfer von Südtirol und Slowenien ins Deutsches Reich als Sicherstellung deutscher Kulturgutes durch die SS-Forschungs- und Lehrgemeinschaft, Das Ahnenerbe’ (‘The Transfer of Art Objects from South Tyrol and Slovenia to the German Reich as Securing German Cultural Goods by the SS Research and Teaching Association, The Ancestral Heritage’) investigates the historical context, the actions of the people involved and the actual course of events. It examines the activities of the Ahnenerbe in ‘securing German cultural goods’ during the resettlements in South Tyrol and Slovenia. The resettlements in South Tyrol and Slovenia during the Second World War have similarities, but also significant differences in their objectives. What the two regions have in common is that they originally belonged to Austria and became part of Italy or Yugoslavia after the First World War. The resettlement in South Tyrol with the previous vote, the so-called option, was Hitler's tribute to Mussolini in order to secure the Berlin-Rome axis. The occupation and dismemberment of Yugoslavia in 1941 led to the splitting up of Slovenia between Italy, Germany and Hungary. The resettlement of the ethnic Germans in the province of Ljubljana, which had been under Italian administration since 1941, is comparable to the situation in South Tyrol. A Germanisation policy was implemented in the Slovene areas administered by the Gauen Carinthia and Styria, Oberkrain and Lower Styria. Himmler, the resettlement commissioner, set up the Ahnenerbe (ancestral heritage organisation) to identify, record and process the cultural goods. Right at the beginning, well-known art historians and museum directors intervened and arranged for German cultural goods to be secured so that the advance sale of valuable works of German art to unauthorised buyers could be prevented and preserved for German museums. The processes of the official transfers of artworks during the resettlements in accordance with the applicable resettlement agreements and the unofficial transfers are analysed. The research question is whether there was a level of illegitimate removal and transfer of cultural objects by Ahnenerbe with the help of local organisations in the ‘securing and purchasing of endangered art objects’. The activities of Ahnenerbe and the actors involved are researched on the basis of the correspondence of the Nazi administrative organisations. The events are analysed through a detailed review of the sources in the mentioned archives: the Archivio di Stato di Bolzano, the Bundesarchiv Berlin/Koblenz (BArch), the Bundesdenkmalamt Tirol (BDA Tirol), the Denkmalamt Bozen, the Germanisches Nationalmuseum (GNM), the Kärntner Landesarchiv (KLA), the Landesarchiv Autonome Provinz Bozen, the Austrian State Archives (ÖStA), the Styrian State Archives (StLA), the Tyrolean State Archives (TLA), the Tyrolean State Museum Ferdinandeum (TLMF) as well as in the online databases (Fold3, Posse diaries, Sievers diaries etc.). In order to document the transfers of art objects, the methodology of systematic provenance research is used to reflect the essential aspects of the acquisition situation, the forms of transaction and the translocation. It was possible to prove that a level of illegitimate removal and transfer of art objects existed in the securing and purchase of endangered art objects. In the case of South Tyrol, Innsbruck was the central depository with the agreement that ‘duly purchased objects would remain in the museums in Innsbruck without the ethnic group's right to reclaim them’. The parties involved were the Reichsgau Tirol-Vorarlberg, the Ferdinandeum, the Arbeitsgemeinschaft der Optanten (AdO) and the Ahnenerbe, specifically the Cultural Commission. The procedure in the Italian-administered province of Ljubljana was similar to that in South Tyrol. In South Tyrol and in the province of Ljubljana, the procedure was a balancing act with the alliance partner Italy. In the Oberkrain and in Lower Styria, no allies had to be taken into consideration. In these areas, everything that was owned by Jews, the enemy and the Church was confiscated on behalf of the Austrian Gauleitung via the Generaltreuhänder of the Ahnenerbe. The regional museum people prepared a favour list and provided the relevant information. The local museums were then given overall responsibility for the collection centres, where the objects largely remained. During the research in the archives, some essential lists of objects were collected, which are important for both the classification and the search for art objects. In 50 case studies, the path of objects in ‘time and space’ was documented in an exemplary manner. What remains are the objects in the doubtful possession of the various museums as cultural goods and collections. There is still a lot of work to be done, even if it is only to document the origin stories of the art objects.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Kulturguttransfer Südtirol Slowenien Zweite Weltkrieg Umsiedlung Das Ahnenerbe Kulturkommission NS Raubkunst Provenienz Forschung Ferdinandeum Joanneum Sievers Posse
Schlagwörter
(Englisch)
transfer of art objects South Tyrol Slovenia Second World War resettlements The ancestral heritage Provenance Research Looted art Cultural Commission Ferdinandeum Joanneum Sievers Posse
Autor*innen
Hermann Brugger
Haupttitel (Deutsch)
Der Kunstgütertransfer von Südtirol und Slowenien ins Deutsche Reich als Sicherstellung deutschen Kulturgutes durch die SS-Forschungs-und Lehrgemeinschaft "Das Ahnenerbe"
Paralleltitel (Englisch)
The transfer of art objects from South Tyrol and Slovenia to the German Reich as securing German cultural goods by the SS research and teaching association, "The Ancestral Heritage"
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
377 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Eva Pfanzelter ,
Kerstin von Lingen
Klassifikation
20 Kunstwissenschaften > 20.89 Kunstgeschichte. Sonstiges
AC Nummer
AC17988857
Utheses ID
74747
Studienkennzahl
UA | 792 | 315 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1