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Die Luftkur im Spiegel der "Wiener Medizinischen Presse" und der "Österreichischen Badezeitung" von 1865 bis 1880
Konzepte, Körperverständnis, Kurmedizin
Carina Hinterdorfer
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Geschichte
Betreuer*in
Sonia Johanna Horn
DOI
10.25365/thesis.79014
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30642.67811.280028-5
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zur Gründung von zahlreichen Luftkurorten in Europa, da die Therapie von Tuberkulosekranken in Gebirgsregionen seit den 1840er Jahren zu positiven Erfahrungen geführt hatte. Die vorliegende Maserarbeit beantwortet die Frage, warum Luft als Heilmittel gegen Tuberkulose angesehen wurde. Evident ist, dass Ärzte seit den 1860er und 1870er Jahren versuchten, ihre empirisch-praktischen Erfahrungen der kurörtlichen Praxen wissenschaftlich zu untermauern. In Wien entstanden die ersten Lehrstühle für Balneologie und Klimatologie. Die Forschungen waren geleitet von folgender Vorstellung: Ein Klimakurort zeichne sich durch ein konstantes, pathogenfreies Klima aus. Neue Erkenntnisse der Bakteriologie wurden in das Miasmenparadigma implementiert. Um gesundheitsfördernd zu sein, soll die Luft nicht nur frei von Ausdünstungen, sondern auch von jeglichen Organismen, sogenannten ‚Vibrionen‘ sein. Das Herausschälen von klimatologisch-meteorologischen Faktoren, die ein heilsames Klima ausmachen, fußte zwar auf einer standardisierten und datenbasierten Meteorologie, lieferte aber bis Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Etablierung des Faches der Bioklimatologie keine abschließenden Ergebnisse. Die Diversität des medizinischen Fachdiskurses zeigt sich auch anhand der ‚Wiener Medizinischen Presse' und der ‚Österreichischen Badezeitung' in den Jahren zwischen 1860 und 1880, weshalb dieses Korpus in meiner Arbeit detailliert mittels eines mix-method designs untersucht wird. 130 Artikel wurden quantitativ aufbereitet und anschließend mithilfe biographischer Lexika und Sekundärliteratur diskursanalytisch untersucht, um die Frage zu beantworten, wie die „wissenschaftliche Tatsache“ (Fleck 1935) der Luftkur entstand. Es werden die Thesen herausgearbeitet, dass die Kurmedizin, obwohl sie bereits eine jahrhundertealte europäische Heiltradition war, im Untersuchungszeitraum noch kaum auf einer wissenschaftlichen Grundlage beruhte. Viel eher waren es therapeutische Erfolge, die sich aus langjähriger Erfahrung speisten, die zur Etablierung der Luftkur führten. Ärzte waren sich uneinig, ob ein heilsameres Klima in den Bergen oder an der Küste zu finden war, und welche Rolle bestimmte meteorologische Faktoren für eine Gesundung spielten. Zentralstes Element der Luftkur war, so das Ergebnis meiner Analyse, ein konstantes Klima in milder Atmosphäre. In meiner Arbeit konnte ich zeigen, dass Kurreisen, die früher noch kulturell habitualisiert waren, im Zuge des Versuches, die „Volkskrankheit“ Tuberkulose einzudämmen, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine gesamtgesellschaftliche Maßnahme der Gesundheitsvor- und fürsorge wurden.
Abstract
(Englisch)
The positive results of treating tuberculosis patients in mountainous regions since the 1840s led to the establishment of numerous climatic health resorts in Europe during the second half of the 19th century. This master's thesis examines why air was considered so beneficial that it could cure diseases such as tuberculosis. From the 1860s and 1870s onwards, physicians attempted to scientifically substantiate their empirical and practical experiences from spa practices. In Vienna, the first academic chairs for balneology and climatology were established. The research were guided by the following idea: a climatic health resort was characterized by a constant, pathogen-free climate. New findings in bacteriology were implemented in the miasma paradigm. In order to be beneficial to health, the air should not only be free of vapours, but also of any organisms, so-called „vibrions.” Although the identification of climatological-meteorological factors that constitute a healthy climate was based on standardised and data-based meteorology, it did not provide definitive results until the beginning of the 20th century with the establishment of the discipline of bioclimatology. The diversity of medical discourse is also evident in the ‚Wiener Medizinische Presse' and ‚Österreichische Badezeitung' in the years between 1860 and 1880, which is why this corpus is analysed in detail in my work using a mix-method design. 130 articles were processed quantitatively and then analysed using biographical encyclopaedias and secondary literature in order to answer the question of how the „scientific fact” (Fleck 1935) of the air cure emerged. The thesis that spa medicine, although it was already a centuries-old European healing tradition, was hardly based on a scientific foundation during the period under investigation, is elaborated. Rather, it was therapeutic successes based on many years of experience that led to the establishment of the air cure. Physicians disagreed on whether a healing climate was to be found in the mountains or along the coast, as well as on the role specific meteorological factors played in recovery. According to my analyses, the most central element of the air cure was a constant climate in a mild atmosphere. In my work, I was able to show that spa trips, which were previously still culturally habitualised, became a measure of preventive and curative health care for society as a whole in the second half of the 19th century in an attempt to contain the „widespread disease” of tuberculosis.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Medizingeschichte Kulturgeschichte Zeitschriftenforschung Luftkurorte Lungentuberkulose Klimatherapie Höhenklima Kurmedizin Wiener Medizinische Presse Österreichische Badezeitung
Schlagwörter
(Englisch)
Spa Medicine
Haupttitel (Deutsch)
Die Luftkur im Spiegel der "Wiener Medizinischen Presse" und der "Österreichischen Badezeitung" von 1865 bis 1880
Hauptuntertitel (Deutsch)
Konzepte, Körperverständnis, Kurmedizin
Paralleltitel (Englisch)
The air cure reflected in the "Wiener Medizinische Presse" and the "Österreichische Badezeitung", 1865-1880
Paralleluntertitel (Englisch)
concepts, notions of the body, and spa medicine
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
135 Seiten : Diagramme
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Sonia Johanna Horn
Klassifikation
44 Medizin > 44.01 Geschichte der Medizin
AC Nummer
AC17610354
Utheses ID
75495
Studienkennzahl
UA | 066 | 803 | |
