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Weibliche Subjektivierungsprozesse als Theaterschaffende im Holocaust am Beispiel Stella Kadmons und ihrer Bühne "Der liebe Augustin"
Charlotte Morschhausen
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Interdisziplinäres Masterstudium Zeitgeschichte und Medien
Betreuer*in
Anke Charton
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.78334
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-12731.91027.907128-8
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Stella Kadmon (1902 bis 1989) prägte als Schauspielerin, Kabarettistin und Theaterdirektion die Wiener Theaterlandschaft des 20. Jahrhunderts entscheidend mit. Obwohl ihre Bühne Der Liebe Augustin die erste politisch-satirische Kabarettbühne der 1930er Jahre war, auf die zahlreiche Gründungen folgten, ist ihr Wirken im kulturellen Gedächtnis der Stadt wenig präsent. Auf diesen Umstand reagiert die vorliegende Arbeit und vollzieht einen Perspektivwechsel. Kadmon gründete den Lieben Augustin 1931 und schuf in Zusammenarbeit mit Autoren und anderen Spieler:innen einen Ermächtigungsraum. Darunter fiel auch die Ausformung eines Bühnen-Ichs, welches den Stereotyp des Vamps nutzte und gleichzeitig ironisch unterlief. Aus dieser Wechselwirkung zwischen Klischees auf der Bühne und der Einübung der Rolle als Theaterdirektorin entwickelte Kadmon eine Subjektposition, die ihr als jüdische und weibliche Darstellerin am institutionellen Theater verborgen geblieben wäre. 1938 wurde Kadmons Familie zur Flucht gezwungen. Stella Kadmons individuelle Fluchterfahrung ist durch eine Scheinehe gekennzeichnet sowie durch den Verlust beziehungsweise das Neuerfinden der eigenen Subjektposition. Kadmons Biografie bildet die Grundlage, um innerhalb dieser Arbeit zu feministischen, theatralen Ermächtigungsstrategien im Kontext des Holocausts zu forschen. Deshalb richtet sich die Forschungsfrage daran, welche Subjektivierungsprozesse das Theater entwickeln konnte, um einer jüdischen Schauspielerin Agency zuzuweisen. Theater erscheint dabei als Werkzeug, um vergeschlechtliche Handlungsmacht und Diskriminierung offenzulegen. Das Quellenmaterial des Lieben Augustins, insbesondere Theatertexte von Kadmons Auftritten, zeigt die Ambivalenz, die aus der gleichzeitigen Reproduktion und Subversion von Stereotypen entstand. Aufgrund des besonderen Bezugs zu historischen Kontexten, ist die vorliegende Arbeit an der Schnittstelle zwischen Theaterwissenschaft, Zeitgeschichte und Geschlechtergeschichte zu verorten. Der historiographische Kontext nimmt das Rote Wien als Ausgangspunkt, welches eine demokratische Sozialisierung sowie eine Freiheit der Kunst begünstigte. Von dort aus veränderte sich das gesellschaftliche Klima zu der austrofaschistischen und schließlich nationalsozialistischen Diktatur. Somit liegen Kadmons Subjektivierungsprozesse das Paradox zugrunde, Handlungsspielraum in einer Zeit zu generieren, in der dieser aufgrund autoritärer Herrschaftsverhältnisse (bis hin zum Genozid) besonders begrenzt war
Abstract
(Englisch)
As an actress, cabaret artist and theater director, Stella Kadmon (1902 to 1989) played a decisive role in shaping the Viennese theater landscape of the 20th century. Although her stage Der Liebe Augustin was the first political-satirical cabaret stage of the 1930s, which was followed by numerous other theaters, her work is little remembered in the cultural memory of the city. This thesis responds to this fact and changes the perspective. Kadmon founded Der Liebe Augustin in 1931 and created a space of empowerment in collaboration with authors and other players. This included the shaping of a stage ego that used the stereotype of the vamp and at the same time ironically subverted it. From this interaction between clichés on stage and the practice of her role as a theater director, Kadmon developed a subject position that would have remained hidden from her as a Jewish and female performer in institutional theater. In 1938, Kadmon's family was forced to leave Vienna. Stella Kadmon's individual migration experience is characterized by a fictional marriage and the loss or reinvention of her own subject position. Kadmon's biography forms the basis for researching feminist, theatrical empowerment strategies in the context of the Holocaust. The research question therefore focuses on which subjectivation processes the theater was able to develop in order to assign agency to a Jewish actress. Theater appears as a tool to reveal gendered agency and discrimination. The source material of Der Liebe Augustin, especially texts from Kadmon's performances, shows the ambivalence that arose from the simultaneous reproduction and subversion of stereotypes. Due to the special reference to historical contexts, the thesis can be located at the very intersection between theater studies, contemporary history and gender history. The historiographical context takes Red Vienna as a starting point, which favoured democratic socialization and freedom of art. From there, the social climate changed towards the Austrofascist and finally National Socialist regime. Kadmon's processes of subjectivation are thus based on the paradox of generating a space for empowerment at a time when this was particularly limited due to authoritarian power relations (including genocide).

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Stella Kadmon Theatergeschichte Weibliche Subjetivierungsprozesse Der Liebe Augustin Kabarettgeschichte Holocaust Gender Antisemitismus Rotes Wien
Schlagwörter
(Englisch)
Stella Kadmon theatre studies female subjectivation Der Liebe Augustin History of cabaret Holocaust Gender Antisemitism Rotes Wien
Autor*innen
Charlotte Morschhausen
Haupttitel (Deutsch)
Weibliche Subjektivierungsprozesse als Theaterschaffende im Holocaust am Beispiel Stella Kadmons und ihrer Bühne "Der liebe Augustin"
Paralleltitel (Englisch)
Female subjectivation as a performer in the Holocaust using the example of Stella Kadmon and her stage "Der liebe Augustin"
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
114 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Anke Charton
Klassifikationen
15 Geschichte > 15.24 Zweiter Weltkrieg ,
15 Geschichte > 15.99 Geschichte. Sonstiges ,
24 Theater > 24.06 Theatergeschichte
AC Nummer
AC17524424
Utheses ID
75526
Studienkennzahl
UA | 066 | 665 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1