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Prospect of forgiveness as a predictor of guilt and shame
Luka Katic
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Joint-Degree Middle European interdisc. master prog. in Cognitive Science
Betreuer*in
Giorgia Silani
DOI
10.25365/thesis.79352
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-21541.98374.317045-2
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Diese Arbeit zielt darauf ab, ein überarbeitetes konzeptuelles Verständnis der Differenzierung zwischen den selbstbewussten Emotionen Scham und Schuld zu entwickeln. Kapitel 1 beginnt mit der Darstellung der gemeinsamen Merkmale dieser Emotionen: Beide sind negativ bewertete affektive Zustände, deren Erfahrung Menschen typischerweise zu verringern versuchen. Zudem setzen beide Selbstreflexion voraus, um ausgelöst zu werden, und gelten daher als selbstbewusste Emotionen. Sie sind inhärent moralischer Natur, geprägt durch ethische Überlegungen, und haben einen sozialen Ursprung, da sie typischerweise in zwischenmenschlichen Kontexten entstehen – insbesondere im Zusammenhang mit einem tatsächlichen oder wahrgenommenen Opfer. Im Anschluss daran liefert Kapitel 1 eine kritische Übersicht über bestehende theoretische Unterscheidungen zwischen Scham und Schuld. Aus phänomenologischer Sicht ist Scham durch eine selbstfokussierte Bewertungshaltung gekennzeichnet, während sich Schuld auf ein spezifisches Verhalten oder eine bestimmte Übertretung bezieht. Dispositionelle Perspektiven deuten darauf hin, dass Individuen eine Neigung zu einer der beiden Emotionen zeigen können, beeinflusst durch Persönlichkeitsmerkmale oder kulturelle Hintergründe. Aus kognitiver Sicht wird Schuld durch Selbstvorwürfe ausgelöst und unterscheidet sich von Scham insbesondere durch den Grad der Ich-Beteiligung. Die Attributionstheorie differenziert weiter, indem sie Schuld mit mangelnder Anstrengung und Scham mit wahrgenommener Unzulänglichkeit in der Fähigkeit verknüpft. Motivational betrachtet führt Schuld typischerweise zu reparativem Verhalten, während Scham eher Rückzug oder Vermeidung zur Folge hat. Klinisch gesehen ist Scham stärker mit schwerwiegenden Formen von Psychopathologie assoziiert als Schuld. Das Kapitel schließt mit einer kulturvergleichenden historischen Analyse zur Entstehung und Entwicklung beider Emotionen. Kapitel 2 führt ein neues theoretisches Rahmenkonzept ein, das die antizipative Natur emotionaler Verarbeitungsprozesse betont. Anstelle eines alleinigen Fokus auf gegenwärtige Bewertungen rückt das Modell die Bedeutung zukunftsorientierter emotionaler Antizipation in den Vordergrund und beleuchtet die bislang vernachlässigte Rolle der Fremdreflexion – insbesondere die Frage, wie die erwartete Reaktion des Opfers zur emotionalen Differenzierung beiträgt. Zentrale Rolle spielt in diesem Rahmen das Konzept der Vergebung, das als entscheidender Mechanismus für die Auslösung, Intensität und Auflösung sowohl von Scham als auch von Schuld verstanden wird. Aufbauend auf diesem theoretischen Fundament präsentiert Kapitel 3 das Konzept der Wahrgenommenen Aussicht auf Vergebung (Perceived Prospect of Forgiveness, PPF), das im Rahmen der Theorie der kognitiven Bewertung verortet ist. Das Kapitel untersucht, ob PPF entweder als eigenständige Bewertungsdimension oder als zentrales relationales Thema im Erleben von Scham und Schuld fungieren kann. Kapitel 4 diskutiert die theoretischen, methodologischen und anwendungsbezogenen Implikationen des vorgeschlagenen Modells und gibt Hinweise für zukünftige Forschungsarbeiten zur weiteren Validierung und Ausarbeitung des hier eingeführten konzeptuellen Rahmens.
Abstract
(Englisch)
This thesis seeks to advance a revised conceptual understanding of the differentiation between the self-conscious emotions of shame and guilt. Chapter 1 begins by outlining the shared attributes of these emotions: both are negatively valenced affective states that individuals are typically motivated to alleviate, and both require self-reflection for their elicitation, thus qualifying as self-conscious emotions. They are inherently moral in nature, shaped by ethical considerations, and social in origin, typically emerging within interpersonal contexts, particularly involving a perceived or actual victim. Subsequently, Chapter 1 critically reviews existing theoretical distinctions between shame and guilt. From a phenomenological standpoint, shame is characterized by a self-focused evaluative stance, whereas guilt centres on the specific behaviour or transgression. Dispositional perspectives suggest that individuals may exhibit a propensity toward either emotion, influenced by personality traits or cultural background. Cognitively, guilt is elicited by self-blame and differs from shame based on its ego-involvement. Attribution theory further differentiates the two by linking guilt to failures of effort and shame to perceived inadequacies in ability. Motivationally, guilt tends to elicit reparative behaviours, while shame is more likely to lead to withdrawal or avoidance. Clinically, shame has been more robustly associated with severe forms of psychopathology compared to guilt. The chapter concludes with a cross-cultural historical analysis of the emergence and evolution of both emotions. Chapter 2 introduces a novel theoretical framework that emphasizes the anticipatory nature of emotional processing. Rather than focusing solely on the present evaluative state, the framework highlights the significance of future-oriented emotional anticipation and introduces the overlooked role of other-reflection, specifically, how the anticipated response of the victim may influence emotional differentiation. Central to this framework is the concept of forgiveness, posited as a critical mechanism affecting the elicitation, intensity, and resolution of both shame and guilt. Building on this theoretical foundation, Chapter 3 presents the concept of Perceived Prospect of Forgiveness (PPF), formulated within the structure of Cognitive Appraisal Theory. The chapter explores the potential of PPF to function either as a distinct appraisal dimension or as a core relational theme integral to the experience of shame and guilt. Chapter 4 discusses the theoretical, methodological, and applied implications of the proposed model, offering directions for future research to further validate and expand the conceptual framework introduced herein.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Schuld Scham Vergebung Bewertungstheorie Emotion zentrales relationales Thema
Schlagwörter
(Englisch)
Shame Guilt Forgiveness Appraisal Theory Emotion Core relational theme
Haupttitel (Englisch)
Prospect of forgiveness as a predictor of guilt and shame
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
102 Seiten : Illustrationen
Sprache
Englisch
Beurteiler*in
Giorgia Silani
AC Nummer
AC17647903
Utheses ID
75950
Studienkennzahl
UA | 066 | 013 | |
