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Managing gay, bisexual and queer identities in Nepal
strategies of visibility, belonging and resistance within family and society
Marie Sophie Schild
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Interdisziplinäres Masterstudium Kultur und Gesellschaft des modernen Südasiens
Betreuer*in
Rolf Bauer
Mitbetreuer*in
Alaka Chudal
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.78571
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-13855.14578.700193-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Diese Masterarbeit untersucht die Erfahrungen von Personen in Nepal, die sich als homosexuell (gay), bisexuell und queer (GBQ) identifizieren. Der lokale Fokus liegt auf dem Kathmandu-Tal. In der nepalesischen Verfassung sind Rechte für sexuelle Minderheiten seit 2015 verankert. Trotz politischer Anerkennung und rechtlicher Fortschritte bleibt das alltägliche Leben für viele PoMSOGIESC+ in Nepal herausfordernd. Gesellschaftliche und familiäre Strukturen haben weiterhin Diskriminierung, Marginalisierung und emotionale Konflikte zur Folge. Die Arbeit untersucht, wie GBQ Personen mit vorherrschenden heteronormativen Erwartungen umgehen. Die Studie, die dieser Arbeit zugrunde liegt, basiert auf einer dreimonatigen Feldforschung, die im Kathmandu-Tal zwischen Juni und September 2024 durchgeführt wurde. Die Forschung stützt sich in erster Linie auf autobiografische Erzählungen von zehn Nepales*innen, die sich entweder als homo-, bisexuell oder queer identifizieren. Mit den Teilnehmenden wurden halbstrukturierte und narrative Interviews sowie informeller Gespräche geführt, die für ihre sexuelle Identität spezifische Erfahrungen in Bezug auf Gesellschaft und Familie abbilden. Darüber hinaus umfasst die Feldforschung teilnehmende Beobachtung während des Pride Month im Juni und anderer PoMSOGIESC+ Veranstaltungen im Juli und August. Die gesammelten Daten wurden dokumentiert, protokolliert, transkribiert und anschließend anhand der reflexiven thematischen Analyse nach Virginia Braun und Victoria Clarke (2006, 2013, 2022) ausgewertet. In der Analyse bildeten sich vier Hauptthemen hervor: (1) Heteronormativität, Heterosexismus und Beschränkungen des Geschlechts und des sexuellen Ausdrucks; (2) Familie als Struktur und Begrenzung; (4) Stadien der homo-, bisexuellen und queeren Identitätsentwicklung und (4) Prozesse des Coming-out und ‚Coming-with‘. Thema (1) untersucht, inwiefern Heteronormativität und Heterosexismus innerhalb der Gesellschaftsstrukturen Nepals den geschlechtlichen und sexuellen Ausdruck von GBQ Personen im Kathmandu-Tal beeinflussen. Unter Bezugnahme auf Theorien wie Doing Gender von Candace West und Don Zimmerman (1987) und Gender Performativity von Judith Butler (1988) wird hervorgehoben, wie die Teilnehmer*innen dieser Studie ihr Verhalten an vorherrschenden Normen anpassen – oft als Strategie des Selbstschutzes. Die Teilnehmenden berichten von Erfahrungen mit Mobbing, Diskriminierung und verinnerlichtem Anpassungsdruck, insbesondere wenn sie ihre feminine Seite außerhalb der erwarteten konventionellen Geschlechterrollen zum Ausdruck bringen. Die Ergebnisse veranschaulichen, wie gesellschaftliche Erwartungen das äußere Auftreten wie auch die Identität beeinflussen und zeigen ein Spannungsfeld zwischen Konformität und Widerstand auf. Thema (2) befasst sich damit, wie Familie als zentrale Institution in Nepal einen signifikanten Einfluss auf die Erfahrungen von GBQ Personen sowie auf den Ausdruck ihrer sexuellen Identität ausübt. Die Teilnehmer*innen beschrieben familiäre Erwartungen – insbesondere in Bezug auf die heterosexuelle Ehe und die Geschlechtskonformität – als große Hindernisse für ihr Coming-out. Auf den Druck dieser Erwartungen reagierten sie mit Schweigen und Passivität, emotionaler Distanz und/oder Verzweiflung. Einige Teilnehmende entwickelten Bewältigungsstrategien, andere erlebten Akzeptanz, was die Vielfalt familiärer Reaktionen auf Queerness verdeutlicht. Die Ergebnisse zeigen, dass heteronormative Ideale in Bezug auf Ehe, Fortpflanzung und Geschlechtskonformität Ausgrenzung verstärken. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse auch, dass die Familie als wichtige Quelle der Unterstützung positioniert werden kann. Familie wird sowohl ein Ort der Fürsorge als auch der Einschränkung für GBQ Personen in Nepal sichtbar. Thema (3) untersucht die Entwicklung der homo-, bisexuellen und queeren Identität der Studienteilnehmer*innen. Dabei wird sich auf die Rahmengerüste der Identitätsentwicklung von Anthony D’Augelli (1994a, 1994b) und Shoshana Rosenberg (2018) gestützt. Die Ergebnisse zeigen, dass Identitätsbildung nicht linear verläuft, sondern sozial eingebettet und intersektional geprägt ist. Identitätsbildung wird maßgeblich von persönlichen Erfahrungen, gesellschaftliche Normen und den Zugang zu unterstützenden Netzwerken beeinflusst. Obwohl die Identitätsfindung jedes Teilnehmenden einzigartig ist, zeigen sich gemeinsame Phasen: Frühes Bewusstwerden, Erkundung, Selbstakzeptanz und Momente des Verbergens. Zuletzt befasst sich Thema (4) mit den unterschiedlichen Coming-out-Erfahrungen von GBQ Personen in Nepal. Diese sind von den vorherrschenden sozialen Normen und der zentralen Rolle der Familie in einem kollektivistischen Umfeld geprägt. Während nur wenige Teilnehmer*innen ihre Identität vollständig offenlegten, praktizierten die meisten ein selektives Coming-out aus Angst vor Diskriminierung, sozialer Ausgrenzung und Störung der familiären Harmonie. Die Analyse kontrastiert klassische Coming-out-Konzepte mit dem kulturell-spezifischen Model des ‚Coming-with‘, bei dem Personen ihre Familien für queere Themen sensibilisieren und ihre Identitäten nach und nach preisgeben. Die Ergebnisse zeigen, wie die Teilnehmer*innen das Coming-out in unterschiedlichen Kontexten gestalten, und machen dabei sowohl die emotionalen Herausforderungen als auch das Veränderungspotenzial deutlich, das in einem schrittweisen und persönlichen Umgang mit Queer-Sein liegt.
Abstract
(Englisch)
This master thesis explores the lived experiences of people, who identify as gay, bisexual and queer (GBQ) in Nepal, with a focus on Kathmandu Valley. Despite political recognition and legal advancements – including the granting of rights to sexual and gender minorities in Nepal’s 2015 Constitution – societal and familial structures continue to uphold discrimination, marginalisation and emotional struggles for GBQ individuals as they navigate prevailing expectations. The study is based on three months of fieldwork in Kathmandu Valley between June and September 2024. The research primarily draws on autobiographical narratives of ten Nepalese GBQ individuals, gathered through semi-structured, narrative interviews and informal dialogues to explore their experiences in relation to society and family life. Moreover, the research includes participant observations during Pride Month in June and other PoMSOGIESC+ events in July and August. The collected data was meticulously, documented, protocolled, transcribed and analysed using reflexive thematic analysis as outlined by Virginia Braun and Victoria Clarke (2006, 2013, 2022). The research investigates on four main themes: (1) Heteronormativity, heterosexism, and constraints on gender and sexual expression; (2) family as framework and boundary; (3) becoming oneself – stages of gay, bisexual and queer identity development and (4) between coming out and ‘coming with’. The first theme focuses on how heteronormativity and heterosexism within Nepali societal structures, shape, constrain and frequently suppress the gender and sexual expression of GBQ individuals. Drawing on theories Doing Gender by Candace West and Don Zimmerman (1987) and Gender Performativity by Judith Butler (1988), it is highlighted how participants of this study modify their behaviour to align with prevailing norms, often as a strategy of self-protection. A significant number of participants reported experiences of bullying, discrimination, and internalised pressure to conform, especially when expressing femininity outside expected conventional gender roles. The findings illustrate how societal expectations affect both external expression and internal identity, revealing the tension between conformity and resistance. The second theme investigates how family, as a central and often close-knit institution in Nepal, significantly, exerts an influence on the experiences of GBQ individuals as well es the expression of their gender and sexual identity. Participants described familial expectations – particularly those around heterosexual marriage and gender-conformity – as major obstacles to coming out, often resulting in their silence, emotional distance, or despair. While some developed coping strategies to navigate these pressures, others experienced forms of acceptance, highlighting the diversity of familial responses to non-heteronormativity, for example queerness. The findings emphasise how, for instance, heteronormative ideals surrounding marriage, reproduction and gender-conformity reinforce exclusion, while simultaneously positioning the family as a key source of support. As such, the family emerges as both a site of care and constraint for GBQ individuals in Nepal. The third theme examines the development of gay, bisexual and queer identity of the study’s participants, drawing on frameworks proposed by Anthony D’Augelli (1994a, 1994b) and Shoshana Rosenberg (2018). The findings highlight the non-linear, socially embedded, and intersectional nature of identity formation, which is shaped by personal experiences, societal norms, and access to supportive networks. Although each participant’s journey is unique, shared stages – such as early awareness, exploration, self-acceptance and moments of concealment – emerge across most narratives. The fourth theme explores the varied disclosure experiences of GBQ individuals in Nepal, shaped by prevailing social norms and the central role of family in collectivistic environments. While only a few participants were fully open about their identities, most practiced selective disclosure due to fears of discrimination, social exclusion, and disruption of familial harmony. The analysis contrasts classical ‘coming out’ frameworks with the culturally presupposed model of ‘coming with’, in which individuals sensitise their families to queer-related topics and at the time gradually introduce their identities within their families. By tracing how participants navigate disclosure across different relationships and contexts, the findings highlight both emotional challenges and the possibilities for change that come with more gradual, personal ways of being openly queer.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Sexuelle Minderheiten Sexuelle Orientierung Sexualität Identität Sozialer Wandel Queer Theory Heteronormativität Ethnographie Nepal
Autor*innen
Marie Sophie Schild
Haupttitel (Englisch)
Managing gay, bisexual and queer identities in Nepal
Hauptuntertitel (Englisch)
strategies of visibility, belonging and resistance within family and society
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
459 Seiten
Sprache
Englisch
Beurteiler*in
Rolf Bauer
Klassifikationen
71 Soziologie > 71.21 Familie. Verwandtschaft ,
71 Soziologie > 71.60 Soziale Fragen. soziale Konflikte. Allgemeines ,
73 Ethnologie > 73.44 Sexualität. Geschlecht
AC Nummer
AC17558221
Utheses ID
76201
Studienkennzahl
UA | 066 | 685 | |
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