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Der Diskurs über die Reformierung der Abtreibungsparagrafen im Parlament der Ersten Republik
Carina Prantner
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Geschichte
Betreuer*in
Maria Mesner
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.78544
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-15619.15122.847123-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die ersten weiblichen sozialdemokratischen Nationalratsabgeordneten, allen voran Adelheid Popp, forderten im österreichischen Parlament der Ersten Republik zwischen 1919 und 1933 wiederholt die Reformierung der Paragrafen 144 bis 148 und scheiterten jedes Mal damit. Diese Paragrafen regelten von 1852 bis 1974 die „Abtreibung der Leibesfrucht“ im Strafgesetz und sahen bei einer „zu Stande gebrachten“ Abtreibung eine Strafe mit schwerem Kerker zwischen einem und fünf Jahren vor. In den entsprechenden Protokollen der Nationalratssitzungen bildet sich ein Diskurs zwischen Befürworter_innen und Gegner_innen der Forderungen ab, der vor dem gesellschaftspolitischen Hintergrund der Zwischenkriegszeit gelesen werden muss. Dieser Diskurs ist unter anderem mit Fragen von Bevölkerungspolitik, Eugenik, Klasse, Religion, Sexualmoral, patriarchalen Machtstrukturen und Geschlechterrollen aufgeladen, die sich aus den Quellen strukturiert herausarbeiten und clustern lassen. Die Entwicklung der Forderungen lässt sich im Wesentlichen in drei Phasen gliedern: Die ersten Jahre waren geprägt vom Einsatz für eine Fristenlösung sowie vom Widerstand gegen die Blockadehaltung des Justizausschusses. Ab 1924 zeichnete sich innerhalb der SDAP ein Kurswechsel ab – weg von der radikalen Fristenlösung hin zu einem gemäßigteren Indikationenmodell, das sich stärker an der innerparteilichen Mehrheitsmeinung orientierte und vermeintlich eine höhere Chance auf Erfolg bei der politischen Gegenseite versprach. Christlichsoziale und deutschnationale Abgeordnete sahen in einer Neuregelung jedoch keinen Bedarf. Sie verwiesen auf den bestehenden Notstandsparagrafen, der aus ihrer Sicht ausreichte, um medizinisch begründete Abtreibungen abzudecken. Der letzte Versuch erfolgte 1932 mit einem Antrag auf Berücksichtigung bestimmter sozialer Indikationen, der ebenfalls keine Mehrheit fand. Die Bemühungen der SDAP, die Abtreibungsgesetzgebung in der Zwischenkriegszeit zu reformieren, scheiterten an der fehlenden parlamentarischen Mehrheit, die notwendig gewesen wäre, um die eingebrachten Anträge zu beschließen. Die zwischen 1920 und 1933 regierenden Parteien – allen voran die Christlichsoziale Partei sowie die Großdeutsche Volkspartei – zeigten kein Interesse an einer Reform, vertraten eine dezidiert abtreibungskritische Haltung und blockierten oder lehnten entsprechende Initiativen der sozialdemokratischen Abgeordneten konsequent ab.
Abstract
(Englisch)
The first female Social Democratic members of the National Council, most notably Adelheid Popp, repeatedly called for the reform of paragraphs 144 to 148 in the Austrian Parliament of the First Republic between 1919 and 1933, but failed each time. These paragraphs regulated abortions in the criminal code from 1852 to 1974 and prescribed a severe prison sentence with particularly hard conditions of one to five years for a “completed” abortion. The official records of the National Council sessions reveal a discourse between supporters and opponents of the reform demands, which must be interpreted in the broader sociopolitical context of the interwar period. This discourse was shaped by issues such as population policy, eugenics, class, religion, sexual morality, patriarchal power structures, and gender roles, all of which can be systematically identified and grouped from the sources. The development of the reform demands can essentially be divided into three phases: The early years were characterized by calls for a time-limit solution (Fristenlösung) and resistance to the obstructionist stance of the judiciary committee. From 1924 onwards, a shift in strategy became apparent within the Social Democratic Workers’ Party (SDAP) – moving away from the radical time-limit solution toward a more moderate indications model, which was more aligned with the internal party majority and was thought to have a better chance of success with the political opposition. However, Christian Social and German Nationalist members of parliament saw no need for legal change. They pointed to the existing emergency clause (Notstandsparagraf), which they believed was sufficient to allow for medically justified abortions. The final attempt came in 1932 with a proposal to consider certain social indications, which again failed to gain a majority. The SDAP’s efforts to reform abortion legislation during the interwar period ultimately failed due to the lack of a parliamentary majority needed to pass the submitted proposals. The governing parties between 1920 and 1933 – particularly the Christian Social Party and the Greater German People’s Party – showed no interest in reform, maintained a decidedly anti-abortion stance, and consistently blocked or rejected the Social Democratic initiatives.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Abtreibung Abtreibungsrecht Adelheid Popp Erste Republik Zwischenkriegszeit Parlament Nationalrat Bevölkerungspolitik Sozialdemokratie SDAP Abtreibungsgesetzgebung Abtreibungsparagrafen Frauenrechte Frauengeschichte
Autor*innen
Carina Prantner
Haupttitel (Deutsch)
Der Diskurs über die Reformierung der Abtreibungsparagrafen im Parlament der Ersten Republik
Paralleltitel (Englisch)
The discourse on the reform of abortion laws in the parliament of the First Republic
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
96 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Maria Mesner
Klassifikationen
15 Geschichte > 15.37 Europäische Geschichte 1914-1945 ,
15 Geschichte > 15.60 Schweiz. Österreich-Ungarn. Österreich
AC Nummer
AC17550504
Utheses ID
76230
Studienkennzahl
UA | 066 | 803 | |
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