Detailansicht

Die Bestattungskultur der Wiener Minoriten im Spätmittelalter
bildliche und textliche Formen von Stifter*innenmemoria als mediale Legitimationsstrategie monastischer Selbstvergewisserung
Bernadette Abrahamek
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Historische Hilfswissenschaften und Archivwissenschaft
Betreuer*in
Andreas Zajic
Volltext in Browser öffnen
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.81070
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-25006.15844.919094-2
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Minoriten zählen zu einer der ältesten Ordensniederlassungen in Wien mit einer über 800-jährigen Geschichte. Ihrer Gründungssage nach wurden sie vom Babenberger Herzog Leopold VI. im Jahr 1224 in die Stadt geholt, wo sie zunächst nur geringes Ansehen aufgrund ihrer auf das Evangelium bezogenen Lebensweise, die ganz im Zeichen der Armut und der Seelsorge stand, vorweisen konnten. Trotz der anfänglichen Herausforderungen gelang es den Minoriten in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, sich im urbanen Raum Wiens zu etablieren und ein reputables Netzwerk mit bedeutenden sozialen Gruppen, wie Adeligen, Bürgern, Höflingen und Handwerkern aufzubauen. Die Strategien, derer sie sich bedienten, bezogen sich primär auf seelsorgerische Tätigkeiten, wie die Buße, Predigt und Pflege der Totenmemoria. Letztgenannte Tätigkeit machte die Minoriten schließlich zu einer beliebten Anlaufstelle, die sich vor allem in der steigenden Anzahl an Bestattungen innerhalb des Klosters in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts deutlich widerspiegelte. Dies veranlasste die Minoriten in den späten 1350er-Jahren, zunächst ein Nekrologium bzw. Jahrzeitbuch zu verfassen, um stets den Überblick über die materiellen Zuwendungen und memorialen Gegenleistungen zu bewahren. Nachdem die Stiftungen und Begräbnisse ab der zweiten Hälfte des genannten Jahrhunderts allerdings rapide abnahmen, drohte die Gefahr, die noch nicht lange bestehende soziale Position als wichtige religiöse Institution im städtischen Raum wieder zu verlieren. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wurden in den 1370er-Jahren zwei Sepultare verfasst, von denen das Jüngere eine Repräsentationshandschrift mit farbigen Wappenminiaturen darstellt. Die vorliegende Masterarbeit befasst sich mit den in diesen Quellen – primär den beiden Gräberverzeichnissen und dem Nekrologium – überlieferten bildlichen und textlichen Formen von Stifter*innenmemoria im Kontext klösterlicher Bestattungskultur. Die ermittelten Medien, die primär gedächtnisstiftende Objekte (z.B. Inschriften auf Grabplatten und Epitaphien, Wappenfresken, Funeralinsignien) und kommemorative Handlungen (z.B. Seelenmessen) darstellen, wurden mit einem raumtheoretischen Ansatz analysiert, um eine (Teil-)Rekonstruktion der diversen klösterlichen Bestattungsorte und deren Funktionen zu ermöglichen. Dies führte schließlich zu den zentralen Ergebnissen, dass die Minoriten einerseits mit diesen Medien physische und soziale Erinnerungsräume schufen, die das Totengedächtnis der jeweiligen Wohltäter*innen dauerhaft erhalten sollten. Andererseits konnte in vorliegender Untersuchung auch dargelegt werden, dass die Arbeit der Minoriten mit diesen Medien ebenso als Mittel zur monastischen Selbstvergewisserung diente, um die eigene bedeutende soziale Stellung im urbanen Raum weiterhin legitimieren und festigen zu können.
Abstract
(Englisch)
The Minorites are regarded as one of the oldest religious orders in Vienna, existing for more than 800 years. Dating back to the first half of the 13th century, the newly-established and novel order had to assert its position in the urban space from the very beginning. Despite facing various challenges for many years, the Minorites were able to build a notable network with actors from reputable social groups, thereby becoming one of the most prestigious religious institutions in the first half of the 14th century. A major strategy employed by the friars was pastoral care, which included confession, homily, and funeral culture. Especially the latter helped them to gain popularity, as the friars were renowned for their assured commemorative cultural care. So, by endowing burials within the monastery and providing them with generous donations, the number of sepulchres increased significantly during the century. This process prompted the Minorites to create an obituary in the 1350s and two registers containing records of all the existing tombs inside the monastery in the 1370s. In particular, the second register has caught the attention of previous research, as it includes miniatures of coats of arms from buried benefactors as a pictorial memorial. Therefore, this master’s thesis focuses on the different forms of the benefactor’s memory which were implemented by the friars. These were used not only to construct a physical commemorative space, predominantly marked by the inscriptions of graves and epitaphs, but also a social space which evokes the visualisation of the dead and represents an individual or collective identity. By providing the donators with proper places to create their own private commemorative spaces, in addition to illustrating the respective coats of arms in the second register or on the walls of the cloister, the Minorites ultimately utilised their benefactor’s memorial media to represent their own social position in the urban space.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Minoriten Historische Hilfswissenschaften Memorialforschung Bestattungskultur Spätmittelalter Wien Stiftungen Medien Kloster Space Kodikologie Paläographie Wappen
Schlagwörter
(Englisch)
Minorites Vienna Late Medieval Monastery Memorial Culture Auxiliary Sciences of History Sepulchral Culture Heraldry Donations Space Palaeography Codicology
Autor*innen
Bernadette Abrahamek
Haupttitel (Deutsch)
Die Bestattungskultur der Wiener Minoriten im Spätmittelalter
Hauptuntertitel (Deutsch)
bildliche und textliche Formen von Stifter*innenmemoria als mediale Legitimationsstrategie monastischer Selbstvergewisserung
Paralleltitel (Englisch)
The minorites in Late Medieval Vienna
Paralleluntertitel (Englisch)
monastic self-assurance on the basis of sepulchres and pictorial/textual forms of benefactor's memory
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
206 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Andreas Zajic
Klassifikationen
15 Geschichte > 15.10 Historische Hilfswissenschaften ,
15 Geschichte > 15.14 Diplomatik. Epigraphik ,
15 Geschichte > 15.33 Hoch- und Spätmittelalter
AC Nummer
AC17589465
Utheses ID
76334
Studienkennzahl
UA | 066 | 804 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1