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Die mediale Darstellung von Femiziden in Österreich
eine Analyse von Instagram-Beiträgen und Nutzer:innen-Kommentaren
Orhan Tcegmed
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Politikwissenschaft
Betreuer*in
Karin Liebhart
DOI
10.25365/thesis.79840
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-25834.19065.444045-5
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
In Österreich erlebt jede dritte Frau körperliche und/oder sexuelle Gewalt innerhalb oder außerhalb von intimen Beziehungen (vgl. AÖF 2023). Nach Angaben der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser wurden im Jahr 2022 insgesamt 29 Frauen getötet, davon 27 mutmaßlich durch (Ex-)Partner, Bekannten oder Familienmitglieder und im darauffolgenden Jahr waren es 26 Frauen (vgl. AÖF 2022, 2023). Diese Angaben verdeutlichen den dringenden Bedarf an effektiven Schutz- und Präventionsmaßnahmen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die mediale Berichterstattung: Die Art und Weise wie über geschlechtsspezifische Gewalt berichtet wird, beeinflusst maßgeblich die gesellschaftliche Wahrnehmung und das kollektive Bewusstsein (Wolf 2021: 48). Leitfäden für Medienschaffende fordern eine sensible Berichterstattung über Gewalt an Frauen und raten, Stigmatisierung, Täter-Opfer-Umkehr sowie verzerrte Darstellungen zu vermeiden. Außerdem wird empfohlen, Informationen in einen gesellschafts- und sozialpolitischen Zusammenhang einzuordnen. Vermittelt werden sollen zudem Hintergrundinformationen über das Ausmaß, die Auswirkungen und die Konsequenzen von geschlechtsspezifischer Gewalt sowie Anlaufstellen für Betroffene (vgl. Wolf 2021: 32f.). Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Arbeit die Forschungsfrage, wie Femizide in Österreich auf dem Instagram-Account des österreichischen Nachrichtenportals „Zeit im Bild“ dargestellt werden und welche sprachlichen und bildlichen Rhetoriken zur Benennung dieser Taten eingesetzt werden. Im Fokus der Untersuchung steht die Berichterstattung über mutmaßliche Femizide – im sozialen Nahraum – in Österreich im Zeitraum 2022 bis 2023, exemplarisch analysiert anhand von 23 Instagram Beiträge der „Zeit im Bild“. Anhand eines Mixed-Method Ansatzes werden textliche und bildliche Darstellungen sowie die Kommentare der Nutzer:innen analysiert, um einerseits die Verantwortlichkeit der Medienberichterstattung und andererseits die Wahrnehmung der Instagram-User:innen zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigen, dass das Gewaltdelikt auf unterschiedlicher Weise dargestellt wird – von der Formulierung wie „Mord- und/oder Femizidverdacht“ bis hin zu dramatisierenden Ausdrucksweisen wie „Fund einer Frauenleiche“ oder „Bluttat“. In einem einzigen Posting wurde auf bestehende Hilfsangebote für betroffene Personen in Österreich hingewiesen. Dieses Ergebnis ist sowohl erschreckend als auch alarmierend, in Anbetracht der Rolle der Medienverantwortung. Die wiederkehrenden Bildkompositionen auf das Handeln der Polizeikräfte schaffen ein einseitiges Bild von Kontrolle, Macht und Ordnung. Kritisch zu betrachten wäre allenfalls die vollständige Abwesenheit weiblicher Einsatzkräfte, da sie geschlechterbezogene Stereotype zu „Sicherheit“ und „Stärke“ verstärken könnte. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Narrativ eine allgegenwärtige und jederzeit einsatzbereite Exekutive vermittelt wird. Positiv zu bewerten ist, dass die „Zeit im Bild“ weder Opfer noch Täter, deren Angehörige oder das private Umfeld nicht publik machen, wodurch ein respektvoller Umgang mit den betreffenden Personen gewährleistet wird. Die qualitative Inhaltsanalyse der Kommentare zeigt wiederkehrende Fragen, die auch in anderen Kontexten erörtert werden. Kontrovers wurde über die Ernennung beziehungsweise nicht Offenlegung der Zugehörigkeit des Täters diskutiert. Auffällig waren Kommentare, die die erste Strophe der österreichischen Bundeshymne zu „Land der Berge, Land der Femizide“ oder „Land der toten Töchter“ abwandelten. Die Umformung könnte einen Kontrast zwischen dem idyllischen, friedlichen Land der Berge und Seen und einem realitätsnahen, von Femiziden geprägten Land Österreich darstellen. Im Kommentarbereich werden auch Präventionsmaßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen thematisiert. Die Nutzer:innen äußern außerdem unterschiedliche emotionale Reaktionen, die von Traurigkeit über Wut bis hin zur Unsicherheit reichen. Trotz der gegenwärtigen strukturellen Problematik bleibt die politische Umsetzung der Präventionsmaßnahmen der österreichischen Bundesregierung für viele Kommentator:innen bislang enttäuschend.
Abstract
(Englisch)
In Austria, approximately one in three women is subjected to physical and/or sexual violence, whether in the context of intimate relationships or in other settings (cf. AÖF 2023). According to the “Autonome Österreichische Frauenhäuser“ a total of 29 women were killed in 2022, 27 of them allegedly by (ex-)partners or relatives and 26 women in the following year (cf. AÖF 2022, 2023). These figures highlight the urgent need for prevention measures. Media reporting plays a key role in this context, the way in which it is reported has a significant impact on society’s perception and collective awareness of gender-based violence (cf. Wolf 2021: 48). Guidelines for media professionals emphasize the importance of responsible reporting on gender-based violence and advise avoiding stigmatization, perpetrator-victim reversal and unrealistic portrayal. It is also recommended that information be placed in as social and socio-political context. Background information on the extent, effects and consequences of gender-based violence as well as contact points for those affected should also be provided (cf. Wolf 2021: 32f). Against this background, this study examines the research question of how femicides in Austria are portrayed on the Instagram account of the Austrian news portal “Zeit im Bild” and which linguistic and visual rhetoric is used to describe these acts. The study focuses on reporting on femicide in Austria in the period 2022 to 2023, analyzed using the Instagram postings of the Austrian news portal “Zeit im Bild” as an example. This research employs a mixed-methods approach to critically examine textual and visual representations, as well as associated user comments, in order to explore the dual dimensions of media accountability in the portrayal of femicide and the interpretative responses of Instagram users. The findings show that the violent crime was titled very differently – from the formulation of “suspected murder and/or femicide” to the more dramatizing phrase “discovery of a woman’s body” or “act of blood”. The fact that only one post mentioned the availability of support services for persons in Austria are both striking and raises critical questions regarding the media’s role and responsibility in addressing such issues. The recurring image compositions on the actions of the police forces create a one-sided image of control, power and order. The complete absence of female officers should be viewed critically, as it could reinforce gender-related stereotypes of “security” and “strength”. To sum up, it can be said that the narrative conveys an omnipresent executive force that is always ready for action. A positive aspect is that “Zeit im Bild” does not publicize victims or perpetrators, their relatives or their private environment, which ensures that the people concerned are treated with respect. Many recurring questions identified in the qualitative content analysis also fuelled broader discussions. There was controversy about whether to disclose the perpetrator’s affiliation. The author’s comments also address and discuss preventive measures to combat violence against women. Comments that changed the first verse of the Austrian national anthem to “Land of mountains, land of femicide” or “Land of dead daughters” were striking. The transformation could present a contrast between the idyllic, peaceful land of mountains and lakes and a realistic Austria characterized by femicide. Preventive measures to combat violence against women are also discussed in the comments sections. Users conveyed various emotional responses, spanning from sadness and anger to fear. Despite the current structural problems, the political implementation of the Austrian federal government’s prevention measures has so far been disappointing for many commentators.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Femizid Österreich geschlechtsspezifische Gewalt Gewalt an Frauen Mediale Darstellung über geschlechtsspezifische Gewalt Istanbulkonvention Zeit im Bild Instagram-Beiträge Instagram-Kommentare Berichterstattung über Femizide Präventionsmaßnahmen gegen geschlechtsspezifischer Gewalt Einzelbildanalyse quantitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz qualitative Inhaltsanalyse nach Rössler
Autor*innen
Orhan Tcegmed
Haupttitel (Deutsch)
Die mediale Darstellung von Femiziden in Österreich
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine Analyse von Instagram-Beiträgen und Nutzer:innen-Kommentaren
Paralleltitel (Englisch)
The media portrayal of femicides in Austria
Paralleluntertitel (Englisch)
an analysis of Instagram posts and user comments
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
130 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Karin Liebhart
AC Nummer
AC17730487
Utheses ID
76372
Studienkennzahl
UA | 066 | 824 | |
