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Anerkennungsdilemma Arbeitsplatzgarantie?
anerkennungstheoretische Betrachtung einer Arbeitsplatzgarantie im Spannungsfeld zwischen Langzeitarbeitslosigkeit, geförderter und nicht geförderter Beschäftigung
Hannah Quinz
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium Sozialwissenschaften: Soziologie
Betreuer*in
Jörg Flecker
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.79677
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-20865.30544.584244-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
In einer Gesellschaft, in der die Mehrheit der Bevölkerung auf Erwerbsarbeit angewiesen ist, um den Lebensunterhalt zu bestreiten und soziale Anerkennung zu erfahren, bildet (Langzeit-)Arbeitslosigkeit als strukturelles Phänomen einen Grundwiderspruch. Die Erfüllung der normativen Pflicht zur Erwerbsarbeit stellt eine wesentliche Voraussetzung für gesellschaftliche Anerkennung dar. Dennoch hat sich die Langzeitarbeitslosigkeit auf einem hohen Niveau verfestigt, sodass eine oft vulnerable Gruppe von Menschen im allgemeinen Arbeitsmarkt de facto von Erwerbsarbeit ausgeschlossen bleibt. Dem soll öffentlich geförderte Beschäftigung entgegenwirken und Langzeitarbeitslosen staatlich subventioniert Zugang zu Erwerbsarbeit ermöglichen. Die vorliegende Untersuchung geht von der Prämisse aus, dass Menschen nach Anerkennung durch Erwerbsarbeit streben und Langzeitarbeitslosigkeit häufig zu fehlender Anerkennung führt. Sie fragt danach, wie sich Anerkennungschancen und problematiken arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen in Form von öffentlich geförderter Beschäftigung für Menschen in Langzeitarbeitslosigkeit aus der subjektiven Perspektive gefördert Beschäftigter im Zeitverlauf gestalten. Gegenstand dieser Studie ist ein arbeitsmarktpolitisches Modellprojekt als staatliche Arbeitsplatzgarantie, durch welches in der niederösterreichischen Gemeinde Gramatneusiedl öffentlich geförderte Arbeitsplätze für langzeitarbeitslose Menschen befristet geschaffen wurden. Im Rahmen einer qualitativen Panelstudie wurden im Verlauf von zwei Jahren wiederholt problemzentrierte Interviews mit Teilnehmer:innen des Modellprojekts geführt und in Anlehnung an das Kodierverfahren der Grounded Theory im Längsschnitt analysiert. Mit einem nach Axel Honneth anerkennungstheoretisch sensibilisierten Blick zeigt sich empirisch eine Typologie unterschiedlicher Ausgangssituationen entlang der erwerbsbiografisch bedingten Lebenssituation sowie dem Selbstbild der Teilnehmer:innen durch Erfahrungen von Nichtanerkennung und Missachtung in der Langzeitarbeitslosigkeit. Ausgehend davon bildet sich durch die formelle Wiederbeschäftigung und die konkrete Arbeitstätigkeit im gemeinnützigen Beschäftigungsprojekt im Verlauf der Zeit ein Kontinuum von ambivalenten Anerkennungs- und Missachtungserfahrungen ab. Die Untersuchung zeigt, dass Anerkennungsverhältnisse geförderter Beschäftigung vielschichtig, ambivalent und dilemmatisch sind und legt Anerkennungsdynamiken frei. Sie leistet damit einen Beitrag zum Verständnis von Anerkennungschancen und -problematiken geförderter Beschäftigung für langzeitarbeitslose Menschen mit Blick auf die zeitliche Entwicklung und macht einen konzeptionellen Vorschlag, wie die Anerkennungstheorie für die Durchdringung dieser Spannungsverhältnisse fruchtbar gemacht werden kann.
Abstract
(Englisch)
In a society in which the majority of the population is dependent on paid work to earn a living and gain social recognition, the fundamental contradiction inherent in the structural phenomenon of (long-term) unemployment becomes evident. The fulfilment of the normative obligation to paid work is an essential prerequisite for social recognition. Nevertheless, long-term unemployment has become entrenched at a significant level, resulting in an often vulnerable group of people being excluded from paid work in the general labour market. The purpose of publicly subsidised employment is to address this imbalance by providing individuals who have been unemployed for extended periods with state-subsidised access to paid employment. The present study is based on the assumption that individuals aspire to recognition through employment, and that long-term unemployment often leads to a lack thereof. It therefore examines the opportunities and problems of a job guarantee within the context of long-term unemployment and subsidised and non-subsidised employment. The subject of this study is a labour market policy model project as a job guarantee, through which publicly subsidised jobs for long-term unemployed people were created for a limited period in the Lower Austrian municipality of Gramatneusiedl. Within the framework of a qualitative panel study, a series of problem-centred interviews were conducted with participants of the model project over the course of two years. These interviews were analysed longitudinally using the coding method of grounded theory. With a view sensitised to recognition theory according to Axel Honneth, a typology of different starting situations emerges empirically along the biographically determined life situation as well as the self-image of the participants through experiences of non-recognition and disrespect in long-term unemployment. Based on this, a continuum of ambivalent experiences of recognition and disrespect is formed over time through formal re-employment and the actual work activity in the non-profit employment project. The study shows that recognition relationships in subsidised employment are multi-layered, ambivalent and dilemmatic and reveals recognition dynamics. This theoretical framework provides a valuable contribution to the understanding of the opportunities and challenges associated with recognition in subsidised employment for the long-term unemployed. It offers a comprehensive analysis of the development over time and makes a conceptual proposal for how recognition theory can be fruitfully applied to understand these tense relationships.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Arbeitsmarktsoziologie Langzeitarbeitslosigkeit geförderte Beschäftigung Anerkennung und Identität qualitative Längsschnittanalyse Anerkennungstheorie
Schlagwörter
(Englisch)
labour market sociology long-term unemployment subsidised employment recognition and identity recognition theory qualitative longitudinal analysis
Autor*innen
Hannah Quinz
Haupttitel (Deutsch)
Anerkennungsdilemma Arbeitsplatzgarantie?
Hauptuntertitel (Deutsch)
anerkennungstheoretische Betrachtung einer Arbeitsplatzgarantie im Spannungsfeld zwischen Langzeitarbeitslosigkeit, geförderter und nicht geförderter Beschäftigung
Paralleltitel (Englisch)
Job guarantee and the dilemma of recognition?
Paralleluntertitel (Englisch)
a recognition-theoretical analysis of a job guarantee in the context of long-term unemployment, subsidised and non-subsidised employment
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
262 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Emma Dowling ,
Ursula Holtgrewe
Klassifikation
71 Soziologie > 71.89 Sozialpolitik. Sonstiges
AC Nummer
AC17717638
Utheses ID
76635
Studienkennzahl
UA | 796 | 310 | 122 |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1