Detailansicht
Perspektiven der Zeit, der Versuch einer Versöhnung von Zeitlehren, anhand von Augustinus und Aurobindo
David Kartheiser
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Philosophie
Betreuer*in
Arno Böhler
DOI
10.25365/thesis.79439
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-26949.36156.289940-6
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die Frage nach der Zeit ist eine der grundlegendsten und zugleich rätselhaftesten in der Philosophie (vgl., Gloy, 2006, S.162). Sie durchzieht metaphysische, erkenntnistheoretische und theologische Diskurse gleichermaßen und stellt eine zentrale Schnittstelle zwischen Bewusstsein und Welt, zwischen Endlichkeit und Ewigkeit dar (vgl., Gloy, 2006, S.162). Doch was ist Zeit? Ist sie eine objektive Gegebenheit, eine Struktur des Seins selbst, oder vielmehr eine Konstruktion des Geistes? Und wie verhält sich unser zeitliches Erleben zur metaphysischen Wirklichkeit? Diese Arbeit nimmt ihren Ausgangspunkt in der historischen Entwicklung des Zeitbegriffs und zeigt auf, wie sich das abendländische Verständnis von einer zyklischen Zeit hin zu einer linearen Vorstellung wandelte. In der Antike wurde Zeit primär als Wiederkehr des Immergleichen begriffen, was sich in der Vorstellung kosmischer Zyklen und natürlicher Rhythmen manifestierte (vgl., Gloy, 2006, S.162). Erst mit Augustinus wurde die Zeit zunehmend psychologisiert – von einer äußeren, objektiven Struktur hin zu einer inneren, subjektiven Erfahrung. Dieser paradigmatische Wechsel legte den Grundstein für die spätere kantische Auffassung, dass Zeit (neben dem Raum) eine apriorische Bedingung der Erfahrung sei – eine transzendentale Form der Anschauung, die nicht in den Dingen selbst, sondern in der Struktur unseres Bewusstseins verankert ist. Doch gerade diese kantische Trennung zwischen Erscheinung und Ding-an-sich führt zu einer Aporie: Wenn Zeit nur eine Bedingung der subjektiven Wahrnehmung ist, bleibt die wahre Beschaffenheit der Wirklichkeit für uns unerkennbar. Die Realität jenseits der Erscheinungen bleibt radikal entzogen – eine unüberwindbare Grenze zwischen dem erkennbaren Phänomen und dem unzugänglichen Noumenon. Die Konsequenz ist eine Spaltung zwischen Geist und Materie, Subjekt und Objekt, die in der modernen Philosophie zu einem grundlegenden Dualismus führt. Diese Arbeit setzt genau an dieser Problematik an und sucht nach einem Weg, die Kluft zwischen Erscheinung und Wirklichkeit, zwischen endlicher Zeit und Ewigkeit zu überbrücken. Dies geschieht in mehreren Schritten: Zunächst wird Augustinus (354-430) Psychologisierung der Zeit analysiert, um die Ursprünge der modernen Zeitvorstellung nachzuvollziehen. Anschließend wird Kants (1724-1804) transzendentale Theorie der Zeit untersucht, die zeigt, wie Zeit als eine apriorische Bedingung der Erkenntnis gedacht werden kann. Danach folgt eine kritische Auseinandersetzung mit der Raum-Zeit-Struktur in Kants System, die den Dualismus zwischen Erscheinung und Noumenon aufzeigt. Schließlich wird Sri Aurobindos (1872-1950) integrale Metaphysik herangezogen, um zu zeigen, wie eine Überwindung dieser Dichotomie möglich ist: Dieser interpretiert Materie und Geist nicht als Gegensätze, sondern als Manifestationen eines gemeinsamen Seins, wodurch sich eine neue Perspektive auf die Beziehung von Zeit, Ewigkeit und Wirklichkeit eröffnet. Das Ziel dieser Untersuchung ist es, eine Rückführung der Zeit aus ihrer abstrakten Linearität in eine tiefere, zyklische Struktur vorzunehmen – eine Bewegung, die nicht nur eine philosophische Rekonstruktion darstellt, sondern auch eine neue ethische und ontologische Haltung impliziert. Denn wenn Zeit nicht bloß eine subjektive Bedingung der Erfahrung ist, sondern einen ontologischen Grund in der Ewigkeit besitzt, dann ist auch das Sein selbst nicht fragmentiert, sondern durch eine verborgene Einheit geprägt. Die Überwindung des Dualismus zwischen Geist und Materie, zwischen Mensch und Welt, eröffnet damit eine neue Möglichkeit des Erkennens und Seins.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Religionsphilosophie Deutscher Idealismus Südost Asiatische Philosophie Sri Aurobindo Ghose St. Augustine Komparative Philosophie
Autor*innen
David Kartheiser
Haupttitel (Deutsch)
Perspektiven der Zeit, der Versuch einer Versöhnung von Zeitlehren, anhand von Augustinus und Aurobindo
Paralleltitel (Englisch)
Perspectives on time, the attempt to reconcile the doctrines of time, based on Augustine and Aurobindo
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
90 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Arno Böhler
Klassifikation
08 Philosophie > 08.37 Religionsphilosophie
AC Nummer
AC17670783
Utheses ID
76761
Studienkennzahl
UA | 066 | 941 | |
