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The consequences of using the anti-coercion instrument as a defensive measure in a looming EU-US trade war
Tijn Bosma
Art der Arbeit
Master-Thesis (ULG)
Universität
Universität Wien
Fakultät
Postgraduate Center
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
außerordentliches Masterstudium Europäisches und Internationales Wirtschaftsrecht [Vollzeit Englisch]
Betreuer*in
Gabriel Lentner
DOI
10.25365/thesis.78950
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-27921.32552.360025-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die multilaterale Welt Handelswelt steht unter zunehmendem Druck. Heutzutage wird Handel immer mehr als geopolitisches Instrument eingesetzt, um andere Länder zu bestimmten politischen Änderungen zu bewegen, der sogenannte „wirtschaftliche Zwang”. Wirtschaftlicher Zwang birgt große Risiken für die Europäische Union (EU), da sie zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums führen kann. Besonders die Vereinigten Staaten, ein langjähriger Verbündeter der Europäischen Union, haben seit der ersten Präsidentschaft von Donald Trump gezeigt, dass sie nicht davor zurückscheuen, den Handel, spezifisch Zölle, als Druckmittel einzusetzen, um die EU zu einer Änderung ihrer Politik zu zwingen. Darüber hinaus kann die Handelspolitik so unberechenbar sein, dass die Welthandelsorganisation (WTO) nicht rechtzeitig angemessene Gegenmaßnahmen zuweisen kann. Diese Situation hat zur Verabschiedung des Anti-Coercion Instruments (ACI) beigetragen, einer EU-Verordnung, die 2023 zur Bekämpfung wirtschaftlichen Zwangs erlassen wurde. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der möglichen Anwendung dieses Instruments als Verteidigungsmaßnahme gegen die Zollpolitik der Vereinigten Staaten und deren Implikationen. Im Jahr 2025 wurden zahlreiche Zölle gegen die EU angedroht, was diese dazu veranlasste, bereits Gegenmaßnahmen vorzuschlagen, die sich auf die „Enforcement Regulation“ (ER) stützen. Obwohl die ER eine Grundlage für drei Arten unmittelbarer Vergeltungsmaßnahmen gegen Wirtschaftsschutzmaßnahmen im Einklang mit dem WTO-Recht bietet, bietet das ACI mehr Flexibilität bei Gegenmaßnahmen und könnte daher die bevorzugte Rechtsgrundlage für Vergeltungsmaßnahmen in einem möglichen zukünftigen Handelskrieg zwischen der EU und den USA sein. Es stellen sich jedoch zwei Fragen, falls das ACI gegen die Vereinigten Staaten eingesetzt werden soll: die Frage nach der Rechtfertigung seines Einsatzes und nach dessen Rechtmäßigkeit bei unmittelbarer Anwendung. Das ACI kann nicht als Rechtsgrundlage für Gegenmaßnahmen gegen Wirtschaftsschutzmaßnahmen herangezogen werden, da Wirtschaftsschutzmaßnahmen nicht als wirtschaftlicher Zwang gelten. Die angedrohten Zölle gegenüber der EU drücken jedoch auch Unzufriedenheit mit politischen Entscheidungen aus. So hat beispielsweise das „Digital Services Act“ sehr negative Reaktionen seitens der Trump-Regierung hervorgerufen, die daraufhin mit Zöllen gedroht hat. Mit einer solchen Argumentation könnten die Zölle nicht als Wirtsschaftschutzmaßnahmen, sondern als wirtschaftlichen Zwang eingestuft werden, was den Einsatz des ACI als Rechtsgrundlage nach EU-Recht rechtfertigen würde. Problematisch ist jedoch die Rechtmäßigkeit des ACI nach internationalem Recht. Das ACI ist am wirksamsten, wenn es sofort angewendet wird, allerdings sind Gegenmaßnahmen jedoch nur nach einem Schiedsverfahren im „dispute settlement mechanism“ erlaubt, der sich als langwierig und wenig erfolgreich erweisen kann, aufgrund der Krise des „Appellate Body“. Eine Alternative besteht darin, die WTO zu umgehen, indem argumentiert wird, dass wirtschaftlicher Zwang nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fällt, wodurch nur noch das Nichtinterventionprinzip als Rechtsgrundlage im internationalen Recht übrig bleibt. Dieser Grundsatz erlaubt sofortige Gegenmaßnahmen, aber die Schwelle für einen Verstoß gegen diesen Grundsatz ist hoch und wird durch die Zölle der Vereinigten Staaten alleine wahrscheinlich nicht erreicht. Damit steht die EU vor einer schwierigen Entscheidung. Durch die Reflexion wissenschaftlicher Standpunkte zeigt diese Arbeit, dass die sofortige Umsetzung des ACI große Risiken mit sich brachte, da sie mit ziemlicher Sicherheit einen Verstoß gegen das Völkerrecht darstellen würde, was weitreichende Folgen sowohl für die Glaubwürdigkeit der EU als auch für die Glaubwürdigkeit des multilateralen Systems der WTO hätte und zu einem umfassenden Handelskrieg zwischen der EU und den USA führen könnte.
Abstract
(Englisch)
The multilateral world of trade is under increasing pressure. Today, trade is more and more used as a geopolitical tool to persuade other countries into making certain policy changes, so-called “economic coercion”. Economic coercion poses large risks for the European Union (EU), since it may result in slowing economic growth. Especially the United States, a long-time ally of the EU, has since the first presidency of Donald Trump shown to not shy away from using trade, specifically tariffs, as tools to pressure the EU into changing its direction of policy. This trade policy can also be so erratic, that the World Trade Organization (WTO) does not provide adequate and immediate counteractions. This situation has contributed to the enactment of the Anti-Coercion Instrument (ACI), a regulation that was enacted in 2023 to combat economic coercion. The main focus of this thesis is on its possible implementation as a defensive measure against the tariff policy of the United States and legal implications thereof. In 2025, many tariffs have been threatened against the EU, prompting it to propose countermeasures already, which use the Enforcement Regulation (ER) as legal basis. Although the ER provides a ground for three types of immediate countermeasures against safeguards in accordance with WTO law, the ACI provides more versality in counteractions and could therefore function as the preferred legal basis for such actions in a possible future EU-US trade war. However, two questions arise if the ACI was to be used against the United States, pertaining to the justification of its use and its legality in immediate deployment. The ACI cannot be used as legal basis for countermeasures against safeguards as they do not qualify as economic coercion. However, the threatened tariffs towards the EU also express dissatisfaction with policy choices. For example, the Digital Services Act has received very adverse reactions from the Trump administration, prompting them to threaten tariffs in response. With such a line of argumentation, the tariffs could be labelled as economic coercion instead of safeguards, justifying the use of the ACI as legal basis under EU law. But the legality of the ACI under international law is problematic. The ACI is most effective when implemented immediately, but under WTO law, countermeasures are only allowed after adjudication within the dispute settlement mechanism, which can be lengthy and unfruitful due to the Appellate Body crisis. An alternative exists, which is bypassing the WTO by arguing that economic coercion falls outside its domain, which leaves merely the non-intervention principle as legal basis under international law. This principle allows for immediate countermeasures, but the threshold to breach the principle is high, and it is unlikely to be met just by the tariffs of the U.S.. By reflecting on scholarly views, this thesis shows that immediate implementation of the ACI posed great risks, since it will almost certainly constitute a breach of international law, which has far-reaching consequences for both the credibility of the EU and the credibility of the multilateral system of the WTO and could lead to a full-out EU-US trade war.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Internationales Recht Wirtschaftssanktionen Vereinigte Staaten Zölle Handelspolitik der EU Anti-Coercion Instrument
Schlagwörter
(Englisch)
International Law Economic sanctions United States Tariffs Trade Policy of the EU Anti-Coercion Instrument
Autor*innen
Tijn Bosma
Haupttitel (Englisch)
The consequences of using the anti-coercion instrument as a defensive measure in a looming EU-US trade war
Paralleltitel (Deutsch)
Die Folgen der Nutzung des Anti-Coercion-Instruments als Verteidigungsmaßnahme in einem drohenden Handelskrieg zwischen der EU und den USA
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
iii, 54 Seiten : Illustration
Sprache
Englisch
Beurteiler*in
Gabriel Lentner
Klassifikation
86 Recht > 86.84 Völkerrecht. Allgemeines
AC Nummer
AC17604916
Utheses ID
76768
Studienkennzahl
UA | 999 | 082 | |
