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'Ich bin ja für Gleichstellung, aber...'
alltagsweltliche Genderdiskussionen als Austragungsorte affektiver Konflikte um Abbau und Erhalt vergeschlechtlichter Machtstrukturen
Carina Nina Brestian
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium Sozialwissenschaften: Soziologie
Betreuer*in
Eva Flicker
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.81036
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-17516.49919.336078-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Präsenz antifeministischer Diskurse im deutschen Sprachraum verdeutlicht, mit welcher Abwehr gleichstellungspolitische Kämpfe konfrontiert sind. Schauplatz dieser Auseinandersetzungen sind nicht nur Debatten der politischen und medialen Öffentlichkeit, sondern auch hitzige Genderdiskussionen im Alltag. Dieses Phänomen ist Thema der vorliegenden Dissertation, wobei das Interesse einem spezifischen Konflikt gilt, der um den Abbau und Erhalt vergeschlechtlichter Machtstrukturen kreist. Als Austragungsorte dieses Konflikts können alltagsweltliche Genderdiskussionen anstrengend und frustrierend sein, gleichsam wohnt ihnen das Potential inne, machtkritische Perspektiven auf Geschlechterverhältnisse zu etablieren und auf Themen sozialer Ungleichheit zu sensibilisieren. In Anbetracht dieses Potentials zielt das Forschungsprojekt auf die Entwicklung eines Modells zur theoretischen Konzeption alltagsweltlicher Genderdiskussionen ab, das Verständnis für darin laufende Prozesse generiert und Anhaltspunkte für Überlegungen zu ihrer konstruktiven Gestaltung bietet. Die Entwicklung dieses Modells erfolgt mittels einer Constructivist-Grounded-Theory-Studie. Datenbasis bilden Gruppendiskussionen und Narrative Interviews, die einen umfassenden Einblick sowohl in den Verlauf von Diskussionsprozessen als auch in das individuelle Erleben diskutierter Themen ermöglichen. Die Analyse des empirischen Materials veranschaulicht drei latente Konfliktlinien, die darin gründen, dass Diskutierende eine divergierende Wahrnehmung sozialer Wirklichkeit haben, angesichts derer sie (1) Geschlechterverhältnis, (2) Geschlechterdifferenz und (3) gleichstellungspolitische Kämpfe affektiv unterschiedlich bewerten. Zur theoretischen Einbettung der empirischen Ergebnisse wird auf Konzeptionen von Macht und Subjekt bei Judith Butler, Wirklichkeit und Wissen bei Peter Berger und Thomas Luckmann, Antagonismus bei Chantal Mouffe und Ernesto Laclau sowie auf affekttheoretische Perspektiven auf Gefühle Bezug genommen, die im Hinblick auf ihr Erklärungspotenzial für die analysierten Prozesse aufbereitet werden. Auf dieser Basis lassen sich Genderdiskussionen als Orte der Konfrontation unterschiedlicher Subjektiver Wirklichkeiten begreifen, die sich gegenseitig infrage stellen und resouveränisiert werden. Der dadurch geprägte inhaltliche Verlauf von Diskussionen führt mitunter dazu, dass machtkritische Perspektiven, die auf eine Egalisierung gesellschaftlicher (Geschlechter-)Verhältnisse ausgerichtet sind, entnannt und desartikuliert werden. Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse werden weiterführende Gedanken über Herausforderungen gleichstellungspolitischer Kämpfe im Kontext intersektionaler Machtverhältnisse formuliert.
Abstract
(Englisch)
The presence of anti-feminist discourse in the German-speaking world illustrates the resistance with which struggles for gender equality are confronted. These disputes take place not only in political and media discourse, but also in heated gender discussions in everyday life which form the focus of this dissertation. This study examines a specific conflict centered on the dismantling and the defense of gendered power structures. As arenas of this conflict, gender discussions in everyday life can be perceived as annoying and frustrating; at the same time, they offer an opportunity to develop critical perspectives on those power structures and to raise awareness of social inequality. Considering this potential, the study aims to develop a model for the theoretical conceptualization of such discussions which provides insight into the underlying processes and offers a framework for reflecting on their constructive shaping. This model is developed through a Constructivist Grounded Theory study. Group discussions and narrative interviews serve as the empirical foundation, offering comprehensive insight into both the dynamics of discussion processes and the individual experience of the topics addressed. The analysis of the empirical material reveals three latent lines of conflict based on the observation that people debating gender issues hold diverging perceptions of social reality. As a result, they evaluate (1) gender relations, (2) gender difference, and (3) struggles for gender equality in markedly different affective ways. To frame these findings within a theoretical context, the study draws on Judith Butler’s concepts of power and subjectivity, Peter Berger’s and Thomas Luckmann’s theories of reality and knowledge, Chantal Mouffe’s and Ernesto Laclau’s concept of antagonism, as well as affect-theoretical perspectives on emotion. These frameworks are examined in terms of their explanatory potential for the analyzed processes. Based on the model, gender discussions in everyday life can be understood as sites of confrontation between conflicting subjective realities which challenge each other. The content of such discussions, shaped by this dynamic, often results in perspectives critical of power structures which are aimed at equalizing social (gender) relations being denied or disarticulated. In light of these findings, further reflections are presented on the challenges faced by those who struggle for social equality within the context of intersectional power structures.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Genderdiskussion Alltagswelt Gender Geschlechterpolitische Kämpfe Gleichstellung Gleichberechtigung politische Diskussionen Geschlechtliche Ungleichheit Machtkritik Machtverteidigung Machtreproduktion Antifeminismus Antigenderismus Feminismus Affekttheorie politischer Antagonismus Gleichstellungspolitische Kämpfe Desartikulation Diskriminierung
Autor*innen
Carina Nina Brestian
Haupttitel (Deutsch)
'Ich bin ja für Gleichstellung, aber...'
Hauptuntertitel (Deutsch)
alltagsweltliche Genderdiskussionen als Austragungsorte affektiver Konflikte um Abbau und Erhalt vergeschlechtlichter Machtstrukturen
Paralleltitel (Englisch)
'I’m All for Equality, But…'
Paralleluntertitel (Englisch)
gender discussions in everyday life as sites of affective struggles over gendered power structures
Publikationsjahr
2025
Umfangsangabe
246 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Sabine Grenz ,
Johanna Hofbauer
Klassifikationen
71 Soziologie > 71.31 Geschlechter und ihr Verhalten ,
71 Soziologie > 71.60 Soziale Fragen. soziale Konflikte. Allgemeines ,
71 Soziologie > 71.61 Diskriminierung
AC Nummer
AC17857390
Utheses ID
76919
Studienkennzahl
UA | 796 | 310 | 122 |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1